Dauer-Streit um Atomprogramm: Iran installiert tausende Uran-Zentrifugen

Dauer-Streit um Atomprogramm : Iran installiert tausende Uran-Zentrifugen

Während der Iran nach Angaben aus Kreisen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) einen weiteren Ausbau seines Atomprogramms vorbereitet, hat Israel noch schärfere Sanktionen gegen das Land gefordert.

Die iranischen Behörden hätten letzte Vorbereitungen für die Installation tausender moderner Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage Fordo getroffen, sagten ranghohe Diplomaten am Samstag der Nachrichtenagentur AP in Wien. Damit könnte Uran wesentlich schneller und effizienter angereichert werden als mit den bisherigen Anlagen. Mit der Installation der Zentrifugen sei jedoch noch nicht begonnen worden, betonten die Gewährsleute.

Der Westen verdächtigt die Regierung in Teheran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Der Iran weist dies zurück. Am Mittwoch hatte Teheran bekanntgegeben, bereits 3000 neue Zentrifugen in Betrieb genommen zu haben. Anfang kommender Woche reist erneut eine Delegation der IAEA in den Iran.

Am Sonntag hat der Iran eine Wiederaufnahme der seit mehr als einem Jahr auf Eis liegenden Gespräche zu seinem Atomprogramm angekündigt. Die nächste Gesprächsrunde zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten des UN-Sicherheitsrates sowie Deutschland solle wieder in Istanbul stattfinden, sagte der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi bei einer Pressekonferenz. Einen Zeitpunkt für das Treffen nannte er nicht. Die letzte Verhandlungsrunde des Iran mit der sogenannten 5+1-Gruppe war im Januar 2011 gescheitert.

Israel: Müssen Wettrüsten verhindern

Im Atomstreit mit dem Iran hat der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak schärfere Sanktionen gegen die Islamische Republik gefordert. "Ein nuklear bewaffneter Iran ist nicht nur eine Bedrohung für Israel, sondern für die ganze Welt", sagte Barak am Samstag bei einem Besuch in Tokio. Sollte der Iran erst einmal im Besitz einer Atombombe seien, würden auch andere Staaten in der Region wie Saudi-Arabien, Ägypten oder die Türkei Nuklearwaffen haben wollen. Ein solches Wettrüsten müsse verhindert werden. Da die bisherigen Sanktionen den Iran nicht zum Einlenken gebracht hätten, müssten die USA und Europa nun noch härtere Strafmaßnahmen verhängen.

In Israel wurde zuletzt offen über einen Angriff auf die Atomanlagen des Irans diskutiert, was die Sorgen vor einem militärischen Alleingang des jüdischen Staats gegen seinen islamischen Erzfeind wachsen ließ. Israel gilt als das einzige Land im Nahen Osten, dass im Besitz von Atomwaffen ist. Die Regierung hat dies aber weder bestätigt noch dementiert.

Auch Großbritannien warnte mit Blick auf das iranische Atomprogramm vor einem nuklearen Wettrüsten im Nahen Osten. Der Iran lasse keinen Zweifel daran, dass er eine Atombombe bauen wolle, sagte der britische Außenminister William Hague in einem Interview der Zeitung "The Daily Telegraph". Sollte der Iran aber erst einmal im Besitz von Nuklearwaffen sein, würden auch andere Staaten in der Region nachziehen. Im Gegensatz zum Kalten Krieg wäre dann aber kein Gleichgewicht des Schreckens garantiert, weshalb die Gefahr eines Atomkriegs in Nahost ungleich größer wäre. "Dies wäre eine Katastrophe für die internationalen Beziehungen", warnte Hague. Er machte deutlich, dass Großbritannien derzeit noch auf Verhandlungen und Sanktionen setze. "Wir favorisieren im Moment nicht die Idee, dass irgendjemand den Iran angreift."

USA entsenden Sicherheitsberater

US-Präsident Barack Obama entsandte am Wochenende seinen nationalen Sicherheitsberater Tom Donilon zu Gesprächen nach Israel. Themen des zweitägigen Aufenthalts seien vor allem der Iran und Syrien, teilte das US-Präsidialamt mit. Obama hatte kürzlich erklärt, er glaube noch nicht, dass die israelische Regierung schon eine Entscheidung getroffen habe, wie sie auf die iranische Bedrohung reagieren wolle.

Der Iran hatte zuletzt damit begonnen, Teile seiner umstrittenen Urananreicherung in eine unterirdische Bunkeranlage zu verlegen. Die USA und die Europäische Union verschärften daraufhin ihre Sanktionen gegen die Islamische Republik drastisch und erließen umfangreiche Strafmaßnahmen gegen den Öl- und Finanzsektor des Landes. Zuletzt signalisierte die iranische Regierung in einem Brief an die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton ihre Gesprächsbereitschaft, ohne jedoch in die Details zu gehen.

Öl-Ausfuhr nach Großbritannien und Frankreich gestoppt

Der Iran hat nach eigenen Angaben seine Ölexporte an Frankreich und Großbritannien eingestellt. Wie ein Sprecher des iranischen Ölministeriums am Sonntag erklärte, wird kein Öl mehr an britische und französische Unternehmen verkauft. Im Atomstreit mit dem Iran hatte die EU im Januar ein Ölembargo beschlossen, worauf Teheran seinerseits einen Ausfuhrstopp für mehrere europäische Staaten angekündigt hatte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2012: Iran zeigt seine Atomprojekte

(APD/RTR/AFP)
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