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Iran: Atomwissenschaftler bei Attentat getötet

Iran beschuldigt Israel : Iranischer Atomwissenschaftler bei Attentat getötet

Der iranische Atomwissenschaftler Mohsen Fachrisadeh ist laut iranischem Staatsfernsehen bei einem Attentat getötet worden. Teheran macht Israel für die Tat verantwortlich – und droht mit Rache.

Der iranische Atomwissenschaftler Mohsen Fachrisadeh ist nach einem Bericht des Staatsfernsehens einem Attentat zum Opfer gefallen. Der Wissenschaftler, der nach israelischen Angaben Anfang der 2000er Jahre das militärische Atomprogramm Amad (Hoffnung) im Iran geleitet hatte, sei am Freitag getötet worden, hieß es in dem Bericht. Laut der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars wurde sein Auto beschossen. Augenzeugen berichteten auch von einer Explosion. Israel, auf das im Iran der erste Verdacht fiel, lehnte einen Kommentar zu der Tötung zunächst ab.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte bezüglich Fachrisadeh einst bei einer Pressekonferenz gesagt: „Merken Sie sich diesen Namen“. Israel wird seit langem beschuldigt, vor einem knappen Jahrzehnt eine Serie gezielter Tötungen iranischer Atomwissenschaftler durchgeführt zu haben.

Fars berichtete, der Angriff habe sich in Absard, einer kleinen Stadt außerhalb von Teheran ereignet. Mehrere Verletzte, darunter auch Leibwächter Fachrisadeh, seien in ein Krankenhaus gebracht worden. Auf Fotos und Videos, die vom Tatort stammen sollen, war ein Auto mit Einschusslöchern in der Windschutzscheibe und Blut auf der Straße zu sehen.

„Atomwissenschaftler zu ermorden, ist der gewaltsamste Kurs, um uns vom Erreichen moderner Wissenschaft abzuhalten“, schrieb Hossein Salami, Kommandeur der einflussreichen iranischen Revolutionsgarde, auf Twitter. Hossein Deghan, Berater des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei, beschuldigte Israel direkt und drohte den Verantwortlichen. „In den letzten Tagen des politischen Lebens ihres zockenden Verbündeten versuchen die Zionisten, den Druck auf den Iran zu verstärken und zu erhöhen, um einen kompletten Krieg zu führen“, schrieb er auf Twitter, offenbar mit Bezug auf US-Präsident Donald Trump. „Wir werden wie ein Blitzschlag auf die Mörder dieses unterdrückten Märtyrers herabkommen und sie ihre Taten bedauern lassen.“

In Absard, wo es zu dem Attentat gekommen sein soll, gibt es zahlreiche Wochenendhäuser für die iranische Elite. Von dort aus hat man einen Blick auf den Damawand, den größten Berg des Landes. Die Straßen waren am Freitag wegen eines Corona-Lockdowns leerer als üblich, wodurch es auch nur wenige Augenzeugen gab.

Israel und der Westen hatten den Vorwurf erhoben, dass es sich bei Fachrisadehs Programm um ein militärisches Vorhaben gehandelt habe, bei dem untersucht worden sei, ob im Iran eine Atomwaffe gebaut werden könne. Teheran beharrt seit langem darauf, dass sein Atomprogramm friedlich sei. Laut der Internationalen Atomenergiebehörde endete das Amad-Programm Anfang der 2000er Jahre. Ihre Inspekteure überwachen nun Atomanlagen im Iran.

(sed/dpa/AP)