Irak: US-Militär bereitet offenbar möglichen Truppenabzug vor

Krise in Nahost : US-Militär bereitet Truppenabzug aus dem Irak vor

Die US-Armee plant einen möglichen Abzug ihrer Soldaten aus dem Irak. Die Streitkräfte bereiteten ihre „Bewegung aus dem Irak“ vor und würden sich dafür in den kommenden Tagen und Wochen neu positionieren, hieß es in einer Mitteilung.

So heißt es in einem Brief von General William Seely, Leiter des US-Militäreinsatzes im Irak, an die irakische Armeeführung.

"Sir, aus Hochachtung vor der Souveränität der Republik Irak und wie vom irakischen Parlament und dem Ministerpräsidenten gefordert, wird CJTF-OIR die Truppen im Verlauf der kommenden Tage und Wochen umgruppieren, um eine Weiterverlegung vorzubereiten", hieß es in dem Brief Seelys. "Wir respektieren Ihre souveräne Entscheidung, unseren Abzug anzuordnen." Das Schreiben konnte Reuters am Montag einsehen. Ein Insider aus irakischen Militärkreisen bestätigte die Authentizität des Briefes, der an das Verteidigungsministerium in Bagdad adressiert war. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums konnte auf Anfrage die Authentizität des Briefes zunächst nicht bestätigen.

Auch ein Vertreter der US-Streitkräfte und ein Vertreter des irakischen Militärs bestätigten der Nachrichtenagentur AFP die Authentizität des Schreibens.

Das irakische Parlament hatte nach dem US-Drohnenangriff auf den iranischen Top-General Kassem Soleimani im Irak den Abzug der US-Truppen gefordert.

Derweil hat die Nato nach der Zuspitzung der Spannungen zwischen den USA und dem Iran zu größter Zurückhaltung aufgerufen. Der Iran müsse jede Gewalt und Provokation unterlassen, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Montag nach einer Botschafter-Sitzung des Nordatlantikrats in Brüssel.

Alle Nato-Staaten seien sich einig, dass der Iran nie eine Atomwaffe besitzen dürfe. Darüber hinaus seien alle Staaten des Bündnisses besorgt wegen der jüngsten „destabilisierenden Aktivitäten“ des Irans in der Region. Stoltenberg nannte in diesem Zusammenhang Raketentests, Unterstützung für Terrorgruppen und den Angriff auf ein saudisches Ölfeld im September.

Hintergrund der Nato-Beratungen sind die Spannungen nach der Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani durch die US-Armee in Bagdad. Der Nordatlantikrat ist das wichtigste Entscheidungsgremium des Bündnisses. Er trifft sich in der Regel einmal pro Woche auf Ebene der Botschafter und etwa halbjährlich auf Ebene der Außen- und Verteidigungsminister.

Auf die Frage, ob er Verständnis für den US-Angriff habe, sagte Stoltenberg: „Dies ist eine US-Entscheidung, nicht der globalen Koalition (gegen den IS) oder der Nato.“ Die USA hätten zu den jüngsten Ereignissen gebrieft und ihre Gründe dargelegt. Er wolle jedoch nicht ins Detail gehen, sagte Stoltenberg. Die USA hatten den Angriff öffentlich damit begründet, Soleimani habe Angriffe auf US-Diplomaten und Einsatzkräfte geplant. Washington hatte der Öffentlichkeit aber bislang keine Beweise präsentiert.

Die Zukunft der derzeit ausgesetzten Nato-Ausbildungsmission im Irak bleibt vorerst offen. Die Nato sei bereit, die Tätigkeit wieder aufzunehmen, wenn es die Situation zulasse, sagte Stoltenberg. „Wir bleiben dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus stark verpflichtet.“ Das Wichtigste sei jedoch die Sicherheit des eigenen Personals. Am Wochenende hatte das Militärbündnis aufgrund von Sicherheitsbedenken entschieden, ihre tägliche Ausbildung im Irak auszusetzen. Während der Sitzung am Montag hätten alle Alliierten jedoch starke Unterstützung für die Mission zum Ausdruck gebracht. Man stehe in engem Kontakt mit der Regierung im Irak.

Das Parlament im Irak hatte am Sonntag überraschend für eine Resolution gestimmt, die die Regierung dazu auffordert, den Abzug aller ausländischen Truppen im Land einzuleiten, die Teil des US-geführten Bündnisses zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind.

(felt/AFP/dpa/REU)