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Irak: Sieben Tote und über 200 Verletzte in Bagdad

Irak : Sieben Tote und über 200 Verletzte in Bagdad

Das Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad ist am Wochenende von gewaltsamen Protesten und Raketenangriffen erschüttert worden.

Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten wurden am Samstag sieben Menschen getötet und über 200 weitere verletzt. Tausende Anhänger des schiitischen Predigers Moktada al-Sadr hatten im Stadtzentrum für eine Wahlreform und gegen Korruption demonstriert. Am Abend schlugen mehrere Raketen im Regierungsviertel von Bagdad ein.

Der populäre Geistliche al-Sadr führt seit Anfang 2015 eine Protestbewegung an, deren Anhänger seitdem mit Unterbrechungen immer wieder für politische Reformen und gegen Korruption und Vetternwirtschaft auf die Straße gingen. Am Samstag demonstrierten sie zunächst friedlich für eine Wahlreform zugunsten kleinerer Parteien sowie für eine unabhängige Wahlkommission. Im September finden Provinzwahlen statt. Mehrere Redner traten auf, die Menge schwenkte irakische Flaggen.

Demonstranten versuchen in Grüne Zone durchzubrechen

Der Polizei zufolge versuchten dann aber mehrere Demonstranten, eine Absperrung zur schwer gesicherten Grünen Zone zu durchbrechen, wo das Büro des Regierungschefs, die Präsidentschaft, das Parlament und zahlreiche Botschaften ihren Sitz haben. Die Sicherheitskräfte reagierten mit Tränengas und Gummigeschossen. Sieben Menschen wurden bei den Auseinandersetzungen getötet, darunter zwei Beamte und fünf Demonstranten. Über 200 Menschen wurden verletzt, die meisten klagten über Beschwerden durch Tränengas. Es gab aber auch Schwerverletzte.

Regierungschef Haider al-Abadi kündigte eine Untersuchung an, um die Verantwortlichen für die Gewalt ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Die Wahlkommission, die ebenfalls in der Grünen Zone sitzt, bat in einer Erklärung al-Abadi sowie die internationale Gemeinschaft um Schutz. Das Mandat des Gremiums endet im Herbst, wenn die Provinzwahlen anstehen. Im kommenden Jahr wird im Irak ein neues Parlament gewählt.

Al-Sadr hatte seinen Anhängern vor den Protesten geraten, sich den Absperrungen zur Grünen Zone zu nähern, um ihren "Forderungen Nachdruck zu verleihen". In einer Erklärung warnte er sie aber davor, sie zu durchbrechen. Al-Sadr rief zudem Regierungschef al-Abadi dazu auf, auf die Proteste zu reagieren. Die geforderten Reformen müssten "umgehend" angegangen werden. Der Ministerpräsident müsse "auf die Stimme Volkes hören und die Korrupten entfernen".

Nach der gewaltsamen Auflösung der Proteste schlugen am Samstag mehrere Katjuscha-Raketen in der Grünen Zone ein, wie die Sicherheitsbehörden mitteilten. Abgefeuert wurden sie demnach aus den nördlichen Stadtteilen Baladijat und der Palästinastraße. Auch die Polizei und das Innenministerium bestätigten den Raketenbeschuss, es blieb aber zunächst unklar, welches Ziel getroffen wurde oder werden sollte und wer die Raketen abfeuerte. Berichte über Opfer und Schäden lagen ebenfalls nicht vor.

Ein in der Grünen Zone lebender Abgeordneter sprach von "sechs oder sieben" Raketen und berichtete von Sirenengeheul in dem Bezirk. Mehrere Straßen wurden gesperrt, in ganz Bagdad wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Ob die Raketenangriffe im direkten Zusammenhang mit den Protesten standen, blieb ungeklärt.

(felt/AFP)