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Geheimdienste: "Irak-Horror" greift auf Afghanistan über

Geheimdienste : "Irak-Horror" greift auf Afghanistan über

Kabul (rpo). Nach den jüngsten Anschlägen der radikal-islamischen Taliban auf Bundeswehrsoldaten im Norden Afghanistans befürchten Geheimdienstexperten von CIA und BND, dass der "Irak-Horror" nun auf das Land am Hindukusch übergreifen könne.

Bei den Anschlägen waren vier deutsche Soldaten der ISAF-Schutztruppe verletzt worden. Wie im Irak operierten die Taliban jetzt nach der Methode: "hit and run" (zuschlagen und weg), berichteten die Geheimdienste am Wochenende in der afghanischen Hauptstadt Kabul.

Auch der Selbstmordanschlag mit einem Sprengstoff-Auto am Samstag nahe dem örtlichen Hautquartier der Italiener im westafghanischen Herat "zeigt deutlich das Irak-Muster", stellten die Nachrichtendienstler fest. Mehrere Menschen starben.

Die zwei Anschläge der vergangenen Woche auf die Bundeswehr an verschiedenen Orten im Norden Afghanistans weisen durch ihre Machart mit einem ferngezündeten Sprengsatz und mit einer Panzerfaust nach Darstellung der Geheimdienstexperten auf die Irak-Spur hin.

Es habe sich herausgestellt, dass die Taliban ihrer Leute mittlerweile zur "Ausbildung" in den Irak schicken, hieß es. Sie würden dort von den Anhängern des berüchtigten Abu Mussab al-Sarkawi, dem Stellvertreter Osama Bin Ladens im Irak, die Anschlagstechniken lernen, um am Hindukusch eine "zweite islamistische Front" zu errichten, schilderten die Geheimdienstmänner.

Erheblicher Rückhalt befürchtet

Die westlichen Nachrichtendienste und die ISAF-Friedenstruppen sind besonders beunruhigt, dass die Taliban offenbar im ganzen Land unter der Bevölkerung erheblichen Rückhalt gefunden haben. Dazu hätten die in Europa veröffentlichten Mohammed-Karikaturen, die gerade in der islamischen Welt zu einem Aufschrei geführt haben, und der Fall des zum Christentum übergetretenen Abdul Rahman beigetragen.

Ein BND-Spezialist wies darauf hin, dass am Hindukusch "nichts anderes zählt als das Wort der Mullahs". Diese hatten im Fall Rahman für den Konvertierten die Todesstrafe gefordert. Dass der Mann, nachdem er in seiner Heimat für größtes Aufsehen gesorgt hatte, dann vom italienischen Geheimdienst ausgeflogen wurde, habe zum "gefährlichen Hass" gegen die Europäer beigetragen - auch gegen die bislang anerkannten Bundeswehrsoldaten. Die Situation habe sich für ISAF "sehr verschlechtert", sagte der BND-Mann.

Diese Verschlechterung der Lage hat nach Erkenntnissen der westlichen Dienste dazu geführt, dass die Taliban jetzt Kopfgelder und Prämien für die Tötung von ISAF-Soldaten ausgesetzt haben. Nach Berichten des pakistanischen Geheimdienstes ISI haben sich die Taliban-Milizen neu formiert und ein dichtes Beobachtungsnetz mit Informanten aus der Bevölkerung aufgebaut. Dadurch könnten sie die Bewegungen der einzelnen Verbände der ISAF-Schutztruppen genau verfolgen und "dann gezielt auf sie zuschlagen", wurde aus Geheimdienstkreisen in Kabul geschildert.

Als "sehr gefährlich" wird die Situation im neuen Logistikstützpunkt der Bundeswehr im nordwestafghanischen Mazar-i-Sharif eingeschätzt. Der Name der afghanischen Provinzhauptstadt bedeutet "Edles Grab", da hier die Grabmoschee des Kalifen Ali steht, dem Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Vom relativ sicheren Kabul zieht die Bundeswehr in den Norden Afghanistans, um für den gesamten Bereich die Verantwortung zu übernehmen. Das Gebiet ist fünfmal so groß wie die Schweiz.

Rund 440 Bundeswehrsoldaten sind gegenwärtig dabei, das Feldlager "Marmal" mit Wohn- und Arbeitscontainern sowie einer Start- und Landebahn aufzubauen. Ab Juni sollen hier 1500 Soldaten stationiert sein. Nach Geheimdienstangaben soll der Anführer der Taliban, Mullah Mohammed Omar, bereits erklärt haben, die Deutschen seien in Mazar-i-Sharif "viel besser anzugreifen als in Kabul".

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(afp2)