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Irak: Andreas Schockenhoff fordert militärische Hilfen

Krise im Irak : Kurden marschieren Richtung Mossul

Peschmerga-Kämpfer haben den Mossul-Staudamm zurückerobert. Deutschland debattiert weiter über Waffenlieferungen.

Irakische und kurdische Kämpfer haben in den vergangenen zwei Tagen im Nordirak mit Hilfe der Amerikaner wichtige Gebiete von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zurückerobert. Unterdessen geht in Deutschland die Debatte über mögliche Waffenlieferungen in den Nordirak weiter.

Nach ihrem Vorstoß bis zum Mossul-Staudamm im Nordirak setzen die Kurden ihre Angriffe auf die ISTerrorgruppe fort. Einheiten der kurdischen Peschmerga hätten zwei weitere Dörfer in der Nähe der Talsperre eingenommen, meldete die irakische Nachrichtenseite "Al Sumeria News". Das nächste Ziel sei die Befreiung der Millionenstadt Mossul, kündigte ein Sprecher der Antiterror-Einheiten in Bagdad an.

Die Truppen wollen den IS möglichst weit zurückdrängen. Die Terrormiliz hat bereits in weiten Teilen von Syrien und dem Nordirak ein "Kalifat" errichtet, in dem die Menschen ihren fanatischen Moral- und Lebensvorschriften folgen müssen. Andersgläubige werden verfolgt und ermordet.

Den strategisch wichtigen Staudamm rund 40 Kilometer nördlich der von ihnen beherrschten Stadt Mossul hatten die IS-Extremisten Anfang August eingenommen. Das in den 80er Jahren errichtete Bauwerk spielt für die Trinkwasser- und Stromversorgung eine große Rolle, gilt allerdings als akut einsturzgefährdet. Sollte der Damm brechen, droht eine Flutkatastrophe.

Bei den Kämpfen um den Damm wurden nach kurdischen Angaben Dutzende Dschihadisten getötet. US-Kampfjets und unbemannte Drohnen bombardierten dabei Stellungen der Extremisten, wie das US-Zentralkommando in Florida mitteilte. Präsident Barack Obama unterstrich in einem Schreiben an den US-Kongress die Bedeutung der amerikanischen Luftangriffe. Der Ausfall des Staudamms könne das Leben von einer Vielzahl von Zivilisten gefährden. Bedroht wären dann auch US-Bürger und die amerikanische Botschaft in Bagdad.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) berichtete gestern im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags von seiner Reise in den Nordirak. Er schilderte auch die Notlage der Flüchtlinge. Sie hatten ihm berichtet, dass Männer vom IS getötet, dagegen Frauen und Kinder versklavt würden.

 Der Mossul-Staudamm kann zur gefährlichen Waffe werden, wenn man ihn sprengt.
Der Mossul-Staudamm kann zur gefährlichen Waffe werden, wenn man ihn sprengt. Foto: dpa, aj mr ase hpl

Deutschland will weiter im Nordirak helfen. In der kommenden Woche schickt die Bundesregierung auch militärische Hilfe, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums ankündigte. Im Gespräch sind Fahrzeuge, Schutzwesten und Helme.

Ob Deutschland zudem Waffen liefert, ist weiter offen. "Für den Nordirak brauchen wir nicht nur humanitäre Hilfe, sondern wir müssen die Menschen dort auch befähigen, sich gegen den fanatischen IS-Terror zu verteidigen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Andreas Schockenhoff (CDU), unserer Redakion. "Entsprechende Materiallieferungen" müsse Deutschland eng mit seinen Partnern abstimmen. Schockenhoff betonte, dass diese Soforthilfen jedoch nicht allein stehen dürften, sondern von einem langfristigen Prozess begleitet werden müssten, in den die UN eingebunden werden sollten

Unterdessen entspannte sich die Flüchtlingskrise im Nordirak etwas. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR erreichen täglich rund 500 Vertriebene die kurdischen Autonomiegebiete. In der vergangenen Woche seien es noch mehrere Tausend Menschen pro Tag gewesen. Nach der Flucht vor den Islamisten seien viele traumatisiert. Bei den Flüchtlingen handelt es sich vor allem um Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden.

(RP/qua)