Interview mit Pete Ricketts, dem Gouverneur von Nebraska

Interview Pete Ricketts : „Die US-Politik ist ein knallharter Kampfsport“

Der Gouverneur von Nebraska verteidigt die Handelspolitik von Donald Trump. Das Impeachment hält er für ein taktisches Manöver.

Eine Woche lang reist Gouverneur Pete Ricketts durch Deutschland. Seine Mission: für Exportprodukte aus Nebraska werben und deutsche Firmen in seine Heimat locken. Aber natürlich muss er auch Donald Trump verteidigen. Auf seinen Präsidenten lässt der Republikaner Ricketts nämlich nichts kommen.

Herr Gouverneur, in Washington haben die öffentlichen Anhörungen für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump begonnen. Belastet das eigentlich Ihre Gespräche hier in Deutschland?

Ricketts Nein, überhaupt nicht. Wir sprechen fast ausschließlich über Handelsfragen, über Business. Politik spielt da eigentlich keine Rolle.

Sie haben das Verfahren als Versuch bezeichnet, den politischen Willen des amerikanischen Volkes zu untergraben. Ist es nicht das von der Verfassung garantierte Recht des Kongresses, gegen den Präsidenten zu ermitteln?

Ricketts Ja, das bestreite ich ja auch gar nicht. Aber dieses Recht wird von den Demokraten gerade missbraucht! Die Art und Weise, wie dieses Verfahren vorangetrieben wird, bricht mit allen bisherigen Konventionen in solchen Fällen. Für mich ist völlig klar, dass es sich in Wirklichkeit um eine politische Attacke auf den Präsidenten handelt.

Aber glaubwürdige Zeugen erheben schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten. Er soll die ukrainische Regierung unter Druck gesetzt haben, damit diese Ermittlungen gegen den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden veranlasst. Lässt Sie das denn völlig kalt?

Ricketts Hören Sie, in den internationalen Beziehungen wird wie auch im Geschäftsleben immer mal wieder Druck ausgeübt, es werden Gefälligkeiten oder Gegenleistungen erbeten. Nach allem, was ich über diese Sache weiß, hat der Präsident in dieser Ukraine-Sache nichts getan, was kriminell gewesen wäre und damit ein Amtsenthebungsverfahren rechtfertigen würde.

Die Härte der politischen Auseiandersetzung in den USA hat mit Donald Trump ein neues Ausmaß erreicht, die Gesellschaft ist zutiefst gespalten. Bereitet Ihnen das keine Sorge?

Ricketts Lassen wir doch die Kirche im Dorf. Als so schlimm empfinde ich die Lage gar nicht, da hat es in unserer Geschichte schon ganz andere Zeiten gegeben. In den 60er Jahren etwa, als die politischen Spannungen noch viel schärfer waren. Und ganz zu schweigen von der Zeit des Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert, als ein Senator während einer Debatte beinahe einen seiner Kollegen zu Tode geprügelt hätte. Politik war in den USA immer schon ein knallharter Kampfsport, das muss man einfach wissen.

Trotzdem hat das alles auch Einfluss auf die transatlantischen Beziehungen. Eine Mehrheit der Deutschen hält Donald Trump für gefährlicher als Wladimir Putin...

Ricketts Sehen Sie, mein Besuch hier dient eben auch dazu, solche Eindrücke gerade zu rücken. Es geht darum, dass wir unsere Beziehungen unterhalb der offiziellen Regierungsebene entwickeln, dass wir auch die zwischenmenschlichen Kontakte fördern. Dann bekommen die Menschen in Deutschland vielleicht ein etwas anderes Bild von Amerika, als das, was die Schlagzeilen täglich vermitteln.

Donald Trump hat der EU mit einem Handelskrieg gedroht. Geht man so mit Partnern um?

Rickett Auch da möchte ich auf eine historische Perspektive verweisen. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die USA die strategische Entscheidung getroffen, den damals am Boden liegenden europäischen Staaten wirtschaftlich wieder auf die Beine zu helfen. Und danach im Kalten Krieg wurde diese Politik einer Begünstigung unserer Verbündeten in der Handelspolitik fortgesetzt. Aber jene, die diese Entscheidungen einst getroffen haben, sind längst tot, und der Kalte Krieg ist Geschichte. Also haben wir heute in meiner Heimat eine Debatte darüber, wie unsere Handelsbeziehungen künftig aussehen sollten. Und ich kann Ihnen versichern, eine Mehrheit der Amerikaner wünscht sich da mehr Fairness. Das gilt ja nicht nur für Europa, sondern für alle unsere Handelspartner in der Welt.

Da meinen Sie ja wohl vor allem China. Der Handelskrieg mit Peking trifft auch viele Farmer in Nebraska hart. Wie erklären sie denen, dass Trump mit seiner Strafzoll-Politik auf dem richtigen Weg ist?

Ricketts Sie müssen wissen, dass China für Nebraska immer schon ein sehr unzuverlässiger Handelspartner war, gerade für unsere Farmer. Zum Beispiel hat es von 2013 auf 2014 einen plötzlichen Einbruch beim Export nach China gegeben – da war Präsident Trump noch gar nicht im Amt! So etwas kann für unseren landwirtschaftlichen Betriebe schnell existenzbedrohend werden. Insofern ist Präsident Trumps Politik, die auf nachhaltigere und fairere Handelsbeziehungen mit China abzielt, langfristig in ihrem Interesse. Daneben bemühe ich mich als Gouverneur aber auch, unsere Absatzmärkte zu diversifizieren, damit wir von China in Zukunft nicht mehr derart abhängig sind.

Diese Märkte könnten ja auch in Europa liegen. Wie schätzen Sie die Aussichten ein, dass es zwischen den USA und der EU bald ein Handelsabkommen gibt?

Ricketts Ich bin da sehr optimistisch. Wir brauchen solch ein Abkommen, es wäre eine großartige Chance, um unseren Handel auszuweiten. Aber für uns ist die Bedingung, dass es auch landwirtschaftliche Produkte umfassen muss.

... dagegen gibt es ja in der EU noch erheblich Widerstände.

Ricketts Ja, aber immerhin hat Präsident Trump schon erreicht, dass ab dem kommenden Jahr deutlich mehr amerikanisches Rindfleisch in die EU exportiert werden darf. Schon heute kommt übrigens etwas mehr als die Hälfte des US-Rindfleischs, das nach Europa verkauft wird, aus Nebraska. Und, ach ja, seien Sie ganz beruhigt: Natürlich ist das hormonfreies Fleisch!

(bee)
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