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Diskussion über Abzug: In der Nato wächst die Afghanistan-Müdigkeit

Diskussion über Abzug : In der Nato wächst die Afghanistan-Müdigkeit

Bratislava (RPO). In der Nato wird vermehrt über einen Abzug aus Afghanistan diskutiert. Die Verteidigungsminister der Bündnispartner vertagten am Freitag in der slowakischen Hauptstadt Bratislava die Entscheidung über eine Truppenaufstockung. Die Bundesregierung will bis zur Afghanistan-Konferenz Ende des Jahres mit einer Antwort warten.

Der Oberkommandeur der Internationalen Afghanistan-Truppe, Stanley McChrystal, fordert bis zu 40.000 zusätzliche Soldaten für Afghanistan. Dem könnten am ehesten die USA nachkommen. US-Präsident Barack Obama prüft, die Zahl von rund 68. 000 US-Soldaten um mehrere Zehntausend zu erhöhen. Allerdings lehnt dies nach Umfragen inzwischen jeder zweite Bürger ab. Allein dieses Jahr wurden mehr als 250 US-Soldaten in Afghanistan getötet, seit Einsatzbeginn 2001 waren es mehr als 880.

Großbritannien hat eine Truppenverstärkung um 500 auf 9500 Mann angekündigt und ist zweitgrößter Truppensteller hinter den USA. Die Briten stehen im heftig umkämpften Süden Afghanistans. Angesichts von mehr als 220 Toten seit Einsatzbeginn 2001 wächst in Großbritannien der Wunsch nach einem Abzug.

Kanada hat dagegen beschlossen, seine gut 2800 Soldaten spätestens bis 2011 aus Südafghanistan abzuziehen. Daran will die Regierung trotz Drängens der NATO nicht rütteln. Seit 2002 wurden mehr als 130 kanadische Soldaten getötet.

Auch Australien will seine rund 1500 Soldaten so schnell wie möglich aus dem Osten Afghanistans abziehen, wo sich das Bündnis heftige Kämpfe mit den Taliban liefert. Bisher wurden elf australische Soldaten am Hindukusch getötet.

Auch in vielen europäischen Nato-Ländern wird der Ruf nach einem Abzug lauter. In Italien kündigte Regierungschef Silvio Berlusconi Mitte September an, die rund 2800 Soldaten "schnellstmöglich" zurückholen zu wollen. Auch in den Niederlande gibt es Druck für den Abzug der knapp 2200 Soldaten in Südafghanistan. Das niederländische Regionalkommando in Urusgan läuft in der zweiten Jahreshälfte 2010 aus.

Deutschland und Frankreich wollen vorerst keine weiteren Truppen nach Afghanistan entsenden. Die Bundesregierung will die für Ende des Jahres geplante Afghanistan-Konferenz abwarten. Deutschland ist mit gut 4300 Soldaten drittgrößter Truppensteller. Bisher wurden nach Bundeswehrangaben 19 Soldaten bei Gefechten, Anschlägen oder durch Minen getötet.

Hier geht es zur Infostrecke: Daten zur Bundeswehr in Afghanistan

(AFP/awei)