Thailands Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra: Im Schatten des mächtigen Bruders Thaksin

Thailands Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra: Im Schatten des mächtigen Bruders Thaksin

Es war ein überraschender Schritt: Am Montag hat Thailands Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra das Parlament aufgelöst und Neuwahlen angekündigt. Ob das allerdings die Regierungsgegner beruhigen wird, ist fraglich. Zumal sie selbst auch wieder kandidieren will. Die Frau, die seit Beginn ihres Amtsantritts im Schatten ihres mächtigen Bruders steht – dem früheren Ministerpräsidenten Thaksin.

Es war ein überraschender Schritt: Am Montag hat Thailands Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra das Parlament aufgelöst und Neuwahlen angekündigt. Ob das allerdings die Regierungsgegner beruhigen wird, ist fraglich. Zumal sie selbst auch wieder kandidieren will. Die Frau, die seit Beginn ihres Amtsantritts im Schatten ihres mächtigen Bruders steht — dem früheren Ministerpräsidenten Thaksin.

Als Yingluck vor die Kameras des thailändischen Staatsfernsehens tritt, ist ihr die Anspannung deutlich anzumerken. Sie versucht zu lächeln, doch so richtig will ihr das nicht gelingen. Sie spricht mit bebender Stimme, was nicht gerade dazu beiträgt, ihre Souveränität zu festigen. Doch die zierliche Frau gibt nicht auf, versucht, die politische Krise im Land mit Neuwahlen zu lösen — sicherlich auch, weil sie weiß, dass ihre Partei dann ganz gute Chancen hätte.

"Sie geht definitiv ins Rennen", sagte der Chef von Yinglucks Partei Pheu Thai, Jarupong Ruangsuwan, am Montag vor Journalisten. "Wir haben das Parlament aufgelöst, weil wir zuversichtlich sind." Die oppositionelle Demokratische Partei solle an Wahlen teilnehmen und nicht "Straßenspiele" aufführen. Es ist der Versuch, die Massen auf demokratischem Weg zu beruhigen. Doch das dürfte schwierig werden, zumal Protestführer Suthep Thaugsuban für diesen Montag zum "finalen Showdown" aufgerufen hatte.

Gestürzter Thaksin ging ins Asyl

Die Ministerpräsidentin ist nun vollends in den Strudel des politischen Konflikts geraten, der in dem Land schon seit Jahren schwelt. Begonnen hat alles mit dem Aufstieg und Fall eines Mannes — ihrem Bruder Thaksin Shinawatra. 2006 wurde der Mann, der seine Machtbasis auf die ländlichen Regionen stützte, gestürzt. Um einer Verurteilung wegen Korruption zu entgehen, floh er ins Exil. Seine Macht war damit aber noch lange nicht gebrochen. Zum einen ist er auf dem Land, wo die Mehrheit der Bevölkerung lebt, beliebt, zum anderen schickte er eine treue Ergebene ins Rennen: seine Schwester Yingluck.

Der jüngste Spross der Shinawatra-Familie verdankt ihre politische Karriere den Massenprotesten 2010. Auf die Straße gingen damals die Anhänger ihres Bruders, die in der Opposition waren. Da Thaksin bei den darauf folgenden Wahlen selbst nicht antreten konnte, kürte die Thaksin-Partei Pheu Thai seine Schwester zur Spitzenkandidatin. Doch im Politgeschäft hatte vorher nie jemand etwas von ihr gehört.

Denn Yingluck hatte bis zu ihrer Kandidatur war Geschäftsfrau, hatte im Familienimperium zweirangige Führungspositionen inne. In Kentucky in den USA hatte sie "öffentliche Verwaltung" studiert. Doch ihre Unbedarftheit kam für viele erfrischend rüber. Und so gewann ihre Partei mit ihr die Wahlen haushoch, sie wurde Thailands erste Ministerpräsidentin. Sie werde hart arbeiten, sagte sie damals in einem Interview mit der britischen BBC.

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"Meine Familie ist eine politische Familie, und ich habe Erfahrungen in geschäftlichen Dingen", sagte sie damals. "Ich werde diese beiden Kompetenzen nutzen, um die Lage in Thailand zu verbessern, insbesondere in wirtschaftlichen Dingen." Bis zu einem gewissen Grad ist ihr das zunächst auch gelungen.

"Thaksin denkt, Pheu Thai macht"

Yinglucks erste Herausforderung war die Bewältigung einer Flutkatastrophe. Aber auch im politischen Alltag stabilisierte sich die Lage nach den Jahren der Unruhen unter ihr. Doch aus dem Schatten ihres Bruders konnte sie sich nicht befreien. Der Wahlslogan ihrer Partei "Thaksin denkt, Pheu Thai macht" machte dies schon im Vorfeld deutlich. Es gibt Fotos von einer Yingluck-Kabinettssitzung, wo alle Minister vor dem Bildschirm sitzen und Thaksin ihnen per Skype die Leviten liest.

Und genau das wurde letztlich zum Problem für die Ministerpräsidentin. Denn die Elite des Landes, die nun zu Tausenden auf die Straße geht, hält sie eben für ein Mündel ihres auch im Exil mächtigen Bruders. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war ein Amnestie-Gesetz, das ihre Partei durchs Parlament brachte, das ihrem Bruder die Rückkehr ins Land als unbescholtener Mann ermöglichen sollte. Auch wenn die Regierung das Gesetz zurückzog, die Proteste nahmen ihren Lauf.

Und ob sie mit Neuwahlen enden werden, ist auch fraglich. Denn Yinglucks Partei hat angesichts der Verehrung Thaksins großen Einfluss in den ländlichen Regionen, wo die Mehrheit der Bevölkerung lebt, könnte also die Wahlen wieder für sich entscheiden. Die protestierende Elite aber ist es, die mehrheitlich die Steuern im Land zahlt und der auch die Garantiepreise für die nicht zahlenden Reisbauern aufstoßen. Sie werden also sicherlich alles daran setzen, dass nicht alles beim Alten bleibt — trotz Neuwahlen.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Infostrecke: Chronologie des Konfliktes in Thailand

(das)
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