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Im Jemen droht eine humanitäre Katastrophe

Hunderttausende auf der Flucht : Im Jemen droht eine humanitäre Katastrophe

Internationale Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Sie warnen davor, dass der Konflikt im Jemen eine humanitäre Katastrophe in dem bitterarmen Land auf der Arabischen Halbinsel auslösen könnte.

Allein in den vergangenen drei Wochen seien mindestens 560 Menschen getötet, 1768 verletzt und knapp 100.000 in die Flucht getrieben worden, erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag. Für die Todesopfer seien die von Saudi-Arabien angeführten Luftangriffe sowie die Kämpfe zwischen den Huthi-Rebellen und den präsidentennahen Truppen verantwortlich.

Die Helfer warten darauf, dringend benötigte Güter ins Land bringen zu dürfen. Eine Lieferung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) soll den Jemen als Erstes erreichen. Nach Angaben einer Sprecherin wartet ein Frachtflugzeug in der jordanischen Hauptstadt Amman darauf, 17 Tonnen an medizinischer Hilfe in den Jemen bringen zu dürfen.

Das IKRK hoffe, dass die Lieferung die Hauptstadt Sanaa am Mittwoch erreichen könne, sagte Sprecherin Sitara Jabeen. Eine weitere 35-Tonnen-Lieferung stehe zudem ebenso bereit wie ein chirurgisches Team, das im jemenitischen Aden anlegen wolle. In der umkämpften Hafenstadt sorgten heftige Gefechte am Montag dafür, dass etliche Leichen auf den Straßen lagen.

"Wenn diese medizinischen Versorgungsmittel den Jemen nicht erreichen, dann befürchten wir, dass bedauerlicherweise viele weitere Menschen sterben werden", sagte Jabeen.

Bei den Gefechten stehen sich Verbündete des Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und die vom Iran gestützten schiitischen Huthi-Rebellen gegenüber. Letztere sind verbündet mit den militärischen Kräften, die dem gestürzten Präsidenten Ali Abdullah Salih loyal gegenüberstehen. Saudi-Arabien und weitere Golfstaaten unterstützen wiederum das Hadi-Bündnis. Seit knapp zwei Wochen werden Luftangriffe auf die Huthis geflogen.

Die Lage im Land ist unübersichtlich

Genaue Opferzahlen sind schwierig zu bemessen, weil die Lage der Gewalt in dem Land äußerst unübersichtlich ist. Es wird vermutet, dass die Zahl der Toten deutlich höher liegt. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef geht von 74 toten und 44 verletzten Kindern seit dem Beginn der Luftangriffe am 26. März aus.

"Sie werden getötet, verstümmelt und gezwungen, aus ihren Häusern zu fliehen, ihre Gesundheit wird bedroht und ihre Ausbildung unterbrochen", sagte der Unicef-Beauftragte für den Jemen, Julien Harneis, über die Lage der Kinder. Das Hilfswerk beklagte zudem, dass in vielen Gebieten im Süden die Trinkwasserversorgung nicht mehr funktioniere und das Abwasser auf die Straße fließe. Das erhöhe die Gefahr von Seuchen.

Die schiitischen Huthi-Rebellen waren zuletzt immer weiter nach Süden vorgedrungen und hatten Präsident Hadi zur Flucht aus Aden gezwungen. Die darauffolgenden Luftangriffe haben den Vormarsch der Aufständischen aber nicht stoppen können.

Der geistliche Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, warf islamische Staaten in der Jemen-Krise "Verrat" vor. Beim Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Teheran sagte Chamenei am Dienstag, der Iran sei grundsätzlich gegen ausländische Interventionen, so auch im Jemen. "Von unserem Standpunkt aus ist die Einstellung der Luftangriffe und ausländischen Intervention gegen das jemenitische Volk die Lösung dort", sagte er. Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani forderte bei seinem Treffen mit Erdogan ein Ende der Luftangriffe.

Im pakistanischen Islamabad berief Ministerpräsident Nawaz Sharif eine gemeinsame Sitzung des Parlaments ein, um zu debattieren, ob sich Pakistan an den saudiarabischen Angriffen beteiligen solle. Jordanien brachte einen UN-Resolutionsentwurf in Umlauf, der Waffenlieferungen an die Huthi-Führung, Salih und dessen Sohn verbieten soll.

Hier geht es zur Infostrecke: Jemen - Ein Land am Rande des Bürgerkriegs

(ap)