Analyse: Im Irak und in Syrien stoßen Kämpfer von Al Qaida vor

Analyse : Im Irak und in Syrien stoßen Kämpfer von Al Qaida vor

Es gibt schwere Gefechte zwischen islamistischen Terroristen und der irakischen Armee um die Provinzstadt Falludscha. In Syriens Bürgerkrieg drängen die Extremisten in Gebiete, die Damaskus kaum noch kontrollieren kann. Ihr Ziel: ein grenzübergreifender Gottesstaat.

Die islamistische Terrorgruppe Al Qaida ist im Nahen und Mittleren Osten grenzübergreifend aktiv. Deren Untergruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) destabilisiert die ohnehin schon brüchigen Machtstrukturen in den westlichen irakischen Provinzen.

Am Wochenende kam es in Falludscha, rund 60 Kilometer westlich der Hauptstadt Bagdad, zu schweren Gefechten zwischen Al-Qaida-Kämpfern und Regierungstruppen. In den Städten Falludscha und Ramadi seien rund 80 Menschen getötet worden, berichtet der US-Nachrichtensender CNN. Ein irakischer Regierungsbeamter erklärte, davon seien 69 Kämpfer der Isis gewesen.

In Falludscha haben sunnitische Isis-Kämpfer die Macht übernommen. Der irakische Sender Alsumaria News berichtet, es komme bereits zu Versorgungsschwierigkeiten der Bevölkerung, tausende Menschen seien auf der Flucht, die Stadt sei eine Geisterstadt, alle Geschäfte und Schulen seien geschlossen. Die radikal-islamischen Rebellen machen sich bei ihrem Vordringen ethnische Rivalitäten zu Nutzen. So kämpfen sie zum Teil an der Seite sunnitischer Stammeskämpfer gegen die Regierung von Ministerpräsident Nuri al Maliki, der Schiit ist.

Al Maliki hatte vor einigen Tagen ein sunnitisches Protestlager gegen seine Regierung von Regierungstruppen räumen lassen. Dabei war es zu 13 Toten gekommen. Bis zum Sturz von Diktator Saddam Hussein (2003) waren die Sunniten im Irak der politisch bestimmende Machtfaktor. Sie dominierten jahrzehntelang die schiitische Mehrheit und schreckten unter Saddam Hussein auch nicht vor Terror gegen die eigene Bevölkerung zurück.

USA beunruhigt über Entwicklung in Anbar

Weitere Teile der Terrorgruppen kämpfen auf eigene Rechnung. Sie versuchen, mit Waffengewalt einen islamistischen grenzübergreifenden "Gottesstaat" durchzusetzen, was nicht im Sinne der meisten sunnitischen Stämme im West-Irak ist.

Die USA sind über die Entwicklung in der Provinz Anbar beunruhigt. Sie haben der Regierung in Bagdad Hilfe zugesagt. "Wir werden sie in ihrem Kampf unterstützen", sagte US-Außenminister Kerry bei seiner Nahostreise in Jerusalem. Die USA erwögen aber nicht, Truppen in den Irak zu schicken. Seit dem Abzug der US-Truppen Ende 2011 haben sich die zum Teil gewalttätigen Spannungen unter Iraks verschiedenen muslimischen Bevölkerungsgruppen verschärft.

Sorge bereitet den USA auch das Vordringen von Al-Qaida-nahen Kämpfern nach Syrien und in die Grenznähe zur Türkei. In Syrien tobt seit fast drei Jahren ein erbitterter Bürgerkrieg, bei dem sogar Giftgas eingesetzt worden war. Den Kampf gegen Präsident Baschar al Assad — mit dem Ziel seines Sturzes — wird vor allem von Sunniten betrieben. Assad ist Alevit. Diese Glaubensrichtung ging aus den Schiiten hervor. Auch radikal-islamische schiitische Milizen aus dem Libanon kämpfen für Assad um dessen Machterhalt.

In den syrischen Provinzen Al Rakka (an der türkischen Grenze) und den Provinzen Aleppo und Idlib drängen Al-Qaida-nahe Isis-Terroristen vor. Sie kontrollieren bereits weite Gebiete. Möglich war dies, weil sie sich in den Regionen einrichten, die von Assad-Gegnern kontrolliert werden und aus denen sich die Regierungsarmee und damit die Zentralmacht des Staates zurückgezogen hat.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronik des Al-Qaida-Terrors

(RP)
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