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Hillary Clinton läuft sich fürs Weiße Haus warm

Mögliche nächste US-Präsidentin : Hillary Clinton läuft sich fürs Weiße Haus warm

Hillary Rodham Clinton ist derzeit überall: Sie prangt von Titelseiten, tritt in Talkshows im US-Fernsehen auf, isst öffentlichkeitswirksam Hamburger und engagiert sich für Bildungsprojekte für Mädchen.

Vor den wichtigen Kongresswahlen im November macht sich die ehemalige US-Außenministerin, Senatorin und First Lady auch für Kandidaten der Demokraten stark. Diese müssen ihre Mehrheit im Senat verteidigen.

Sonst droht Präsident Barack Obama der Machtverlust in Washington, denn die Demokraten haben keine Chance, eine Mehrheit im Repräsentantenhaus zu erobern. Unterstützung von der prominenten Hillary könnte helfen, den einen oder anderen Sitz zu gewinnen.

Das Wahlergebnis hat nicht nur Auswirkungen auf Obamas restliche Amtszeit, sondern auch auf die Ausgangspositionen für die Präsidentenwahl 2016. Sie werde erst Anfang 2015 ankündigen, ob sie in den Ring steigen werde, um die erste Präsidentin Amerikas zu werden, sagte die 66-jährige Clinton kürzlich.

Die Ex-Außenministerin genießt beträchtliche Startvorteile. In Schlüsselstaaten wie Florida, Pennsylvania oder Virginia liegt sie laut Umfragen vor möglichen republikanischen Kandidaten wie Floridas Ex-Governeur Jeb Bush und New Jerseys Gouverneur Chris Christie.

"Hillary flößt Respekt ein, gar keine Frage", sagt die Politik-Expertin Karlyn Bowman vom American Enterprise Institute. "Sie stand schon oft auf dem Prüfstand."

Abgelenkt von ihrer Mission, den Senat zu übernehmen, verzetteln sich die Republikaner laut Bowman mit derzeit wenig aussichtsreich wirkenden Kandidaten wie dem Senator Rand Paul, Kongressabgeordneten Paul Ryan oder dem texanischen Gouverneur und gescheiterten Präsidentschaftskandidaten Rick Perry. Es gibt sogar Berichte, dass Mitt Romney eine erneute Kandidatur überlegt. "Für mich ist das das B-Team, nicht das A-Team", sagt Bowman über diese Kandidatenriege.

Clintons Vorteile seien nicht zu unterschätzen, ergänzt sie. Seit den frühen 1990er Jahren stehe sie in der Öffentlichkeit. "Die Menschen haben das Gefühl, sie gut zu kennen. Ich glaube nicht, dass es noch viel über Hillary Clinton gibt, was wir noch nicht wissen."

Die Schwangerschaft von Tochter Chelsea Clinton und die Geburt einer Enkeltochter vor wenigen Tagen halfen Hillarys Image ebenfalls. Die "New York Times" hob sie auf das Titelbild ihres prestigereichen Sonntagsmagazins, und eine neue Fernsehserie über eine weibliche Außenministerin spiegelt Clintons Rolle als Top-Diplomatin wieder.

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Clinton genießt das große öffentliche Interesse, das ihr zuteil wird: "Hallo Iowa, ich bin wieder daaaa!", rief sie bei einem Grillfest für einen demokratischen Senator dort. Der dünn besiedelte Bundesstaat im mittleren Westen spielt eine entscheidende Rolle bei der Kandidatenkür für Präsidentenwahlen. Dort geht der Wahlkampf im Januar 2016 so richtig los - und in Iowa verlor Hillary 2008 zum ersten Mal gegen Obama.

Damals musste Clinton die bittere Erfahrung machen, dass zu viel Selbstsicherheit ins Auge gehen kann. Obama schlug sie aus dem Feld, auch weil sie sich zu sicher fühlte, dass es ihr als ehemaliger First Lady zustehe, die erste Frau an der Spitze der USA zu werden.

Einige Demokraten kritisieren, dass Clinton sich noch nicht festgelegt hat. Dies lähme andere Bewerber. In einigen Umfragen liegt sie mehr als 50 Prozent vor anderen möglichen Kandidaten wie Vizepräsident Joe Biden. Mehrere potenzielle Bewerber, etwa die Senatoren Kirsten Gillibrand und Elizabeth Warren sowie New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo, scheinen sich dennoch in Stellung zu bringen.

Und dann sind da noch die zwei Präsidenten in Hillarys Leben: Obama und ihr Mann, Bill. Während der immer noch beliebte Ex-Präsident Bill Clinton seiner Frau nach Ansicht von Polit-Experten auf jeden Fall Pluspunkte bringt, ist die Sache mit Obama schwieriger. Seine Beliebtheit sinkt, und sollte er sich ganz hinter die 66-Jährige stellen, könnte das für sie ein zweischneidiges Schwert werden.

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(dpa)