Australien: Herzschlagfinale bei der Parlamentswahl

Australien : Herzschlagfinale bei der Parlamentswahl

Canberra (RPO). Herzschlagfinale bei der Parlamentswahl in Australien: Auch nach Auszählung von mehr als 75 Prozent der abgegebenen Stimmen war am Samstag noch kein klarer Trend dafür zu erkennen, ob die Wähler der ersten Premierministerin des Landes das Mandat zur Regierungsbildung gegeben haben oder ihrem konservativen Herausforderer Tony Abbott.

Regierungs- und Labour-Chefin Julia Gillard kündigte an, sie werde bis zur Entscheidung im letzten Wahlkreis die Regierungsgeschäfte weiterführen. "Offensichtlich ist es zu knapp, um entschieden zu sein", sagte Gillard. "Es gibt viele Sitze mit unklarem Ergebnis, wo die Auszählung einige Tage beanspruchen wird, bis man das Ergebnis hat."

Abbott erklärte gleichwohl, er werde sofort mit den Unabhängigen Gespräche über eine Regierungsbildung beginnen. Seine Liberalen seien bereit, zu regieren und den Australiern "eine stabile, berechenbare und kompetente Regierung" zu bieten, sagte er vor Parteianhängern.

Möglich schien am Samstag, dass weder die regierende Labour-Partei noch die konservativen Liberalen eine absolute Mehrheit der 150 Parlamentssitze erringen würden. Bislang hatte Labour 83 Abgeordnete. Den Auszählungsergebnissen zufolge könnte Gillards Partei ihren gesamten Vorsprung von acht Sitzen einbüßen. Für die Regierungsbildung könnte damit die Unterstützung der Grünen oder unabhängiger Abgeordneter erforderlich werden. Eine solche Konstellation gab es in Australien zuletzt vor 70 Jahren.

Die vorgezogene Neuwahl war von der seit zwei Monaten amtierenden Gillard angesetzt worden, um ihr Mandat bestätigen zu lassen. Die 48-jährige Anwältin hatte ihren Vorgänger Kevin Rudd gestürzt und als Regierungs- und Parteichefin beerbt. Rudd war politisch angeschlagen, nachdem er Ende April seine Pläne aufgab, dem Klimaschutz zuliebe ein Emissionshandelssystem in Australien einzuführen. Rudd löste 2007 die lange regierenden Liberalen an der Macht ab.

Die oppositionellen Liberalen unter Abbott hatten Rudds Pläne für den Emissionshandel in der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, blockiert. Neben dem Klimaschutz beherrschten die Themen Einwanderung und Gesundheitspolitik den Wahlkampf. Kurz vor der Abstimmung am Samstag kochte auch die Debatte über die Beteiligung Australiens am Afghanistan-Krieg wieder hoch, weil am Hindukusch am Freitag zwei australische Soldaten getötet wurden.

(APN/ndi)
Mehr von RP ONLINE