1. Politik
  2. Ausland

George W. Bush wird 60 Jahre: Happy Birthday, Mr. President!

George W. Bush wird 60 Jahre : Happy Birthday, Mr. President!

Washington (rpo). Der mächtigste Mann der Welt hat Geburtstag: George W. Bush wird heute 60 Jahre alt. So richtig anfreunden kann sich der Präsident damit anscheinend nicht. Denn Bush lässt keine Gelegenheit aus, darüber zu scherzen. Als "persönliche Krise" bezeichnete Bush unlängst sein Alter in einer Rede vor dem US-Kongress.

Die Anspielung auf seinen 60. Geburtstag nutzte er dann geschickt für einen Aufruf zur Reform des Rentensystems. Kaum eine Woche ist seither vergangen, in der Bush nicht über sein Alter scherzt. "Als ich in eurem Alter war, dachte ich, 60 sei richtig alt", seufzte er kürzlich in einer Rede vor Jugendlichen im US-Bundesstaat Nebraska.

Für Feierlichkeiten lässt der Terminkalender des Präsidenten wenig Platz. Ein Treffen mit dem kanadischen Ministerpräsidenten Stephen Harper ist für den Ehrentag geplant, danach reist Bush zu einem Redeauftritt nach Chicago. Zwei Tage zuvor, am Nationalfeiertag, hatte er mit Familie und Freunden schon mal vorgefeiert. Bushs Popularität hat derweil einen Tiefstand erreicht. Nur noch 33 Prozent sind mit seiner Amtsführung zufrieden.

Dabei darf Bush der Ehrgeiz unterstellt werden, als großer Präsident in die Geschichtsbücher einzugehen. Amerika misst seine Präsidenten daran, ob sie die Nation einen und mit einer visionären Botschaft begeistern können. Im besten Falle residieren im Weißen Haus charismatische Figuren wie Ronald Reagan, der dem Land nach der Schmach von Vietnam neues Selbstbewusstsein gab, oder der jugendlich wirkende John F. Kennedy, der für die Amerikaner angesichts der Herausforderungen des Kalten Krieges auf perfekte Weise die Attraktivität ihres politischen Systems verkörperte.

Bush sucht seinen Platz in der Geschichte als Kriegspräsident, der sein Land vor der Gefahr des internationalen Terrorismus schützt und weltweit gegen die Tyrannei kämpft. Es ist keine Rolle, die er sich von vornherein ausgesucht hatte. Doch als sie sich mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 aufdrängte, griff Bush zu und ging ganz in ihr auf.

Bestimmung als Anti-Terror-Krieger

Seiner Bestimmung als Anti-Terror-Krieger folgt Bush seither mit einer Entschlossenheit, die scharfe politische Konflikte provoziert. In der vergangenen Woche bescheinigte ihm das Oberste Gericht, dass er die Grenzen seiner Macht im juristischen Umgang mit den Terror-Verdächtigen im Gefangenenlager Guantanamo überschritten hat. Außenpolitisch trat er vor dem Irak-Krieg so brachial auf, dass sich in der Welt das Bild eines rauflustigen Polit-Cowboys nachhaltig eingeprägt hat.

Wie 60 Millionen US-Bürger sieht auch der Präsident sich als "wiedergeborener Christ", der tief im Glauben wurzelt. Und so, wie es in der Religion einen klaren Gegensatz zwischen Himmel und Hölle gibt, glaubt Bush an die eindeutige Unterscheidbarkeit von Gut und Böse in der Politik. "Bei mir gibt es keine Zwischentöne", ist ein viel zitierter Satz von Bush.

Religiös gefärbt ist auch der Begriff von der "Achse des Bösen", den Bush 2002 für Irak, Iran und Nordkorea einführte. Vier Jahre später sind diese Länder noch immer brandgefährliche Konfliktherde. Vor allem am Ausgang des Irak-Krieges wird sich das Urteil orientieren, das die Historiker einmal über Bush fällen werden.

Intellektuelles Leichtgewicht

Seine politische Risikobereitschaft hat Bush unter Beweis gestellt. Den Ruf eines intellektuellen Leichtgewichts ist er dabei nie losgeworden. Bush kokettiert gerne mit mit seiner vom Glauben geprägten Bodenständigkeit, die er der intellektuellen Abgehobenheit der politischen Elite entgegenstellt. Im Wahlkampf 2000 gab er auf die Frage nach seinem Lieblingsphilosophen treuherzig zu Protokoll: "Jesus Christus". Und über seine Regierungserfahrung als Gouverneur von Texas sagte Bush einmal mit entwaffnender Offenheit: "Eine Diktatur wäre viel einfacher. Jedenfalls, wenn ich der Diktator wäre."

Die Unbekümmertheit, mit der ihm solche Sätze aus dem Mund fallen, löst bei den gebildeten Schichten Kopfschütteln aus. Bushs Niederlagen im Kampf mit Fremdwörtern und der Grammatik sind inzwischen legendär. Bei den Menschen im Herzland von Amerika kam seine kumpelhafte Art bislang aber gut an. Zur Wiederwahl ins Amt 2004 reichte dies aus. Ob Bush damit in die Reihe der großen Präsidenten aufrücken wird, bleibt abzuwarten.

(afp)