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Journalist testet US-Geheimdienst: "Hallo, spreche ich mit der NSA?"

Journalist testet US-Geheimdienst : "Hallo, spreche ich mit der NSA?"

Kürzlich hat die National Security Agency (NSA) mit Sitz in Fort Meade südlich von Baltimore im US-Bundesstaat Maryland einen Anruf aus dem fernen Amsterdam erhalten. Am Telefon war Bahram Sadeghi. Sein Anruf diente nur einem Zweck: den mächtigen Geheimdienst zu testen.

"Hallo, meine Name ist Bahram Sadeghi. Ich rufe an aus Holland, aus Amsterdam. Spreche ich mit der NSA?" Tatsächlich ruft Sadeghi aus Amsterdam an. Doch der Grund seines Anrufs ist vorgeschoben, wie er der wortkargen Mitarbeiterin des US-Geheimdienstes erklärt.

Vor wenigen Tagen habe er versehentlich eine wichtige E-Mail unwiderruflich gelöscht, schildert Sadeghi sein Problem am Hörer. Dabei wird der Mann von seiner Freundin gefilmt. Das Video hat er auf die Internet-Plattform Youtube gestellt.

Sadeghi möchte die NSA testen, aufs Korn nehmen. Mit seiner gelöschten E-Mail sei er in einen Computerladen in Amsterdam gegangen, doch auch dort konnte man ihm nicht helfen. Er habe schließlich den Tipp erhalten, die NSA zu kontaktieren, erklärt Sadeghi. "Könnten Sie mir da vielleicht helfen?"

"Aber geboren wurde ich im Iran"

Die NSA-Mitarbeiterin verneint, zeigt sich aber hilfsbereit und rät Sadeghi, seinen E-Mail-Anbieter Gmail zu kontaktieren. "Ich lebe seit 26 Jahren in Amsterdam, aber geboren wurde ich im Iran", sagt er der NSA-Mitarbeiterin. "Einige meiner Freunde arbeiten bei Medien, ich reise viel. Die im Computerladen haben gesagt, ich sei vielleicht eine interessante Person für die NSA. Sie speichern wirklich nicht meine E-Mails?"

Auf die Frage Sadeghis, ob NSA und Google nicht zusammenarbeiten, erhält er eine ausweichende Antwort. Nach kurzem Hin und Her bittet er die Mitarbeiterin, mit jemand anderes verbunden zu werden.

"Ich glaube, jemand erlaubt sich einen schlechten Scherz mit Ihnen", erhält Sadeghi als Antwort. "Sie überwachen also nicht den Internetverkehr?" "Nicht so, wie Sie das meinen. Ich werde jetzt auflegen. Vielen Dank."

Übrigens: "Spiegel Online" teilte Sadeghi mit, dass sich die NSA bei ihm bislang nicht gemeldet habe. "Soll ich mich wegen eines arglosen Anrufs wirklich vor einer Regierungsorganisation fürchten? Wenn jedermann das glaubt, dann haben wir wirklich ein Problem."

Seit Monaten zieht der Daten-Skandal um von der NSA gespeicherte Internetdaten immer weitere Kreise. Bereits Ende Juni hatte der "Spiegel" unter Berufung auf ein von dem im russischen Asyl lebenden früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden übermitteltes Dokument vom September 2010 berichtet, die NSA habe auch die Vertretungen der Europäischen Union in Washington, New York und Brüssel mit Wanzen abgehört.

Seither kommen in der Spähaffäre immer wieder neue Fälle ans Licht. Vor wenigen Tagen hieß es, auch die UN-Zentrale in New York sei ausgespäht worden.

(nbe)