Greta Thunberg: Atlantik-Überfahrt ist umweltschädlicher als Flug in die USA

Kritik an Reise : Thunbergs Atlantik-Überfahrt ist umweltschädlicher als ein Flug in die USA

Die Reise Greta Thunbergs ist einer Recherche nach deutlich weniger umweltfreundlich, als es den Anschein macht. Fünf Segler müssen in die USA geflogen werden, auch der Skipper des Boots fliegt zurück. Ein Sprecher weist die Vorwürfe zurück.

Wie die Tageszeitung „taz“ berichtet, ist der Segeltörn von Klimaaktivistin Greta Thunberg weniger klimafreundlich, als es den Anschein macht. Denn nach der Ankunft in New York werde die Jacht von etwa fünf Seglern wieder zurück nach Europa gebracht. Diese müssten dafür zunächst in die USA fliegen. Auch Thunbergs Skipper werde die Rückreise aus den USA mit dem Flugzeug antreten. Der Segeltörn löse also sechs Flugreisen über den Atlantik aus - wären Thunberg und ihr Vater geflogen, wären es weniger gewesen. Der Emissionsrechner der Organisation Atmosfair berechne für einen Flug von New York nach Hamburg einen Ausstoß von rund 1800 Kilogramm Kohlendioxid.

Diese Rechnung sei den Seglern bekannt, sagte Andreas Kling, Sprecher von Profisegler Boris Herrmann. Es gehe aber nicht darum, mit der Aktion allein das Klima zu retten, sondern man wolle Aufmerksamkeit erregen. „Wir müssen einfach alle darüber nachdenken, ob wir einfach einmal weniger fliegen“, so Kling. Darum gehe es auch Thunberg.

Wie sie selbst nach Abschluss ihrer Reise nach Europa zurückkehrt, sei noch offen. Es sei nicht auszuschließen, dass sie erneut mit dem Segelboot fahre - je nachdem, wie es ihr auf der Atlantiküberquerung ergehe. „Viele von uns eingefleischten Seglern haben so etwas noch nie gemacht und sie ist ja keine Seglerin“, sagte Kling.

Nach ihrer ersten Nacht auf dem Atlantik ist Thunberg aber wohlauf. „100 Seemeilen westlich von Kap Finisterre. Eine sehr unruhige Nacht, aber ich habe überraschend gut geschlafen“, schrieb die 16-Jährige am Donnerstag auf Twitter. Einige Delfine seien in der Nacht aufgetaucht und neben dem Boot geschwommen. Wie die Live-Ortung des Spezialbootes zeigte, hatte die Hochseejacht „Malizia“ auf dem Weg nach New York bis Donnerstagnachmittag rund 240 Seemeilen zurückgelegt.

Thunberg war am Mittwoch vom südenglischen Plymouth aus zu ihrem angekündigten Transatlantik-Törn aufgebrochen. Sie vermeidet Flugreisen, weil dabei viele klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt werden. Mit an Bord sind neben den Profiseglern Boris Herrmann und Pierre Casiraghi auch ihr Vater Svante und ein Filmemacher.

„Die Nacht war bewegt und rau, aber fast alle haben etwas schlafen können“, schrieb Herrmann auf Twitter. Es gehe jetzt darum, sich an Bord zu organisieren. Alles laufe in Zeitlupe.

Die Stimmung an Bord sei gut, sagte Sprecher Andreas Kling. Zu essen gebe es an Bord derzeit noch frische Lebensmittel - „die richtige Astronautennahrung, die gefriergetrocknete, die gibt es am dritten Tag spätestens“, sagte Kling. Die Rennjacht werde New York in etwa zwei Wochen, am 28. oder 29. August erreichen.

Über den Atlantik reist die Aktivistin, um unter anderem am UN-Klimagipfel in New York im September sowie an der alljährlichen Weltklimakonferenz in Chile im Dezember teilzunehmen. Thunberg geht es darum, den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen rapide zu senken, damit der Anstieg der globalen Erdtemperatur im Idealfall noch auf unter 1,5 Grad Celsius begrenzt werden kann. Bis heute hat sich die Temperatur bereits um rund ein Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erhöht. Die Welt müsse auf die Erkenntnisse der Forschung hören und im Kampf gegen die Klimakrise handeln, fordert Thunberg.

(lukra/dpa)
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