Grenze USA zu Mexiko: Bild zeigt Vater und Tochter tot im Grenzfluss Rio Grande

Grenze zwischen Mexiko und USA : Erschütterndes Bild zeigt Vater und Tochter tot im Grenzfluss Rio Grande

Entlang des Rio Grande zwischen den USA und Mexiko sind in den vergangenen Tagen etliche Leichen von Migranten gefunden worden. Unter anderem starben ein Mann aus El Salvador und seine zweijährige Tochter beim Versuch, den Grenzfluss zu überqueren. Das Bild bewegt Menschen weltweit.

Das erschüttende Foto, das in der Online-Ausgabe der Zeitung „La Jornada“ erschienen ist, zeigt laut dem Medienbericht den 25-jährigen Óscar Martínez Ramírez aus El Salvador und sein knapp zweijähriges Kind, die mit dem Gesicht nach unten im Wasser des Rio Grande zwischen Mexiko und den USA liegen. Ramírez, der mit seiner 21-jährigen Ehefrau und der gemeinsamen Tochter aus El Salvador geflohen war, hatte am Sonntag entschieden, auf dem Weg in die USA den Rio Grande zu überqueren, wie aus mexikanischen Gerichtsunterlagen hervorgeht. Das Überqueren des Flusses gilt als äußerst gefährlich.

Der Vater trug seine kleine Tochter demnach auf dem Rücken und hatte sie in seinem T-Shirt festgezurrt, um sie auf diese Weise zu sichern. Die starke Strömung riss die beiden jedoch fort - beide ertranken vor den Augen der Mutter des Kindes. Diese überlebte die Überquerung des Flusses. Die beiden Leichen wurden am Montag in Matamoros im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas gefunden. Der Vorfall soll sich bereits am Sonntag ereignet haben.

Das Bild erinnert in seiner Wirkung an das Foto eines dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Leiche im Spätsommer 2015 an einem Strand in der Türkei gefunden worden war. Es hat weltweit Reaktionen ausgelöst. Wir haben uns deshalb entschieden, es zu zeigen.

Die Leichen eines Migranten aus El Salvador und seiner fast 2-jährigen Tochter liegen am Ufer des Rio Grande im mexikanischen Matamoros, nachdem sie beim Versuch, den Fluss nach Brownsville in Texas zu überqueren, ertrunken sind. Foto: dpa/Julia Le Duc

Der mexikanische Präsident, Andres Manuel López Obrador, äußerte sein Bedauern. Das Land habe immer angeprangert, dass es angesichts der zunehmenden Ablehnung von Migranten und Flüchtlingen in den Vereinigten Staaten Menschen gebe, die ihr Leben in der Wüste oder beim Übertritt über einen Fluss verlieren würden, sagte López Obrador am Dienstag. Das Geschehen sei sehr bedauerlich.

Die Regierung El Salvadors sagte derweil schnelle Hilfe für die Familie eines jungen Mannes zu. Staatschef Nayib Bukele habe angeordnet, die Leichen so schnell wie möglich in das mittelamerikanische Land zu überführen, teilte das Präsidialamt am Dienstag (Ortszeit) mit. Auch solle die Familie finanziell unterstützt werden. „Eines Tages werden wir ein Land errichtet haben, wo solche Dinge nicht passieren und in dem Migration eine Option und nicht eine Notwendigkeit ist“, wurde Präsident Bukele zitiert.

Gerade aus El Salvador und anderen mittelamerikanischen Ländern wie Honduras und Guatemala versuchen jedes Jahr Tausende Menschen, auf der Flucht vor Armut und Gewalt über Mexiko die USA zu erreichen.

US-Behörden meldeten außerdem den Fund von vier Leichen auf amerikanischen Boden in der Nähe der texanischen Stadt McAllen. Bei den Opfern soll es sich um eine junge Mutter, zwei Babys und einen kleinen Jungen handeln. Sie seien offenbar verdurstet.

López Obrador hatte sich jüngst mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump auf ein Migrationsabkommen geeinigt. Daraufhin entsandte die mexikanische Regierung mehrere tausend Soldaten und Polizisten an die Nord- und Südgrenze. Mexiko will so den ungeregelten Grenzübertritt der Migranten stoppen.

Der kommissarische Chef der US-Grenzschutzbehörde, John Sanders, kündigte indes am Dienstag (Ortszeit) nach nur zwei Monaten im Amt seinen Rücktritt an. Er werde den Posten am 5. Juli niederlegen, sagte er in einem Schreiben, aus dem verschiedene US-Medien zitieren. Einen Grund für den Schritt nannte Sanders nicht. Die Behörde war zuletzt wegen besorgniserregender Zustände in einem US-Grenzlager für Migrantenkinder stark kritisiert worden. Die Tätigkeit für die Grenzschutzbehörde sei die „erfüllendste und zufriedenstellendste“ Aufgabe seiner Karriere gewesen, schrieb er an seine Mitarbeiter.

Aufgrund der steigenden Zahl illegaler Grenzübertritte aus Mexiko in die USA sind die Grenzlager überlastet. Zu Wochenbeginn waren Details über die Zustände in einer Unterkunft in Clint (Bundesstaat Texas) bekannt geworden. In der überfüllten Einrichtung soll es an grundlegenden Hygiene-Produkten wie Seife und Zahnbürsten gemangelt haben. Die Enthüllungen lösten Proteste gegen den Umgang mit minderjährigen Migranten in den USA aus.

Die Situation an der Grenze zwischen Mexiko und den USA hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch zugespitzt. Allein im Mai setzten US-Grenzpolizisten mehr als 144.000 Menschen vorwiegend aus Mittelamerika fest, die vor Gewalt und Armut in ihren Heimatländern geflüchtet waren. US-Präsident Donald Trump rief einen Notstand an der Grenze zu Mexiko aus und will dort eine Mauer bauen.

Nach einer Einigung im Streit mit den USA um Migration und Zölle hat Mexiko inzwischen knapp 15.000 Soldaten an der Grenze zwischen beiden Ländern eingesetzt. Sie unterstützten die nationale Migrationsbehörde dabei, irreguläre Grenzübertritte in Richtung USA zu verhindern, sagte Verteidigungsminister Luis Cresencio Sandoval.

Die mexikanische Kirche kritisierte die jüngste Vereinbarung zwischen den USA und Mexiko als einen Rückschlag. Die Entsendung von Soldaten an die Grenze sei keine Lösung der Migrationsprobleme, erklärten die Bischöfe. Wenn die Mexikaner den Bau einer Mauer zurückwiesen, könnten sie nicht selbst eine Mauer errichten. Keine Verhandlung dürfe eine Kriminalisierung von Migranten oder Menschenrechtlern, die oft ihr eigenes Leben riskierten, rechtfertigen.

Das erschütternde Bild löste auch in Papst Franziskus nach den Worten seines Sprechers „ungeheure Traurigkeit“ aus. „Der Papst ist zutiefst betrübt über ihren Tod, er betet für sie und alle Migranten, die ihr Leben verloren haben, während sie versucht haben, vor Krieg und Armut zu fliehen“, erklärte Vatikansprecher Alessandro Gisotti am Mittwoch.

(zim/kna/dpa/AFP)
Mehr von RP ONLINE