Giannis Varoufakis: Ein Sparpolitik-Kritiker wird neuer Finanzminister in Athen

Tsipras ernennt neues Kabinett : Ein Sparpolitik-Kritiker wird neuer Finanzminister in Athen

Zwei Tage nach seinem Wahlsieg hat der griechische Regierungschef Alexis Tsipras sein Kabinett ernannt. Er gab mit den Ökonomen Giannis Dragasakis (66) und Giannis Varoufakis (53) am Dienstag zwei scharfen Kritikern der Sparpolitik die Zuständigkeit für Finanzen.

Varoufakis werde als Finanzminister die Verhandlungen mit den Geldgebern führen, wie ein Regierungssprecher in Athen mitteilte. Dragasakis wird als stellvertretender Regierungschef die Aufsicht über den gesamten Bereich Finanzen und Wirtschaft haben und auch an den Verhandlungen mit den Geldgebern teilnehmen.

Giannis Dragasakis wird als stellvertretender Regierungschef die Aufsicht über den gesamten Bereich Finanzen und Wirtschaft haben. Foto: dpa, cz jak

Beide setzen sich vehement für das sofortige Ende der Sparpolitik ein. Sie sehen einen Schuldenschnitt als einzige Lösung für den Abbau des 320 Milliarden Euro großen Schuldenbergs Griechenlands.

Auf den 53-jährigen Varoufakis, der neben der griechischen auch die australische Staatsbürgerschaft hat, kommen nun die schwierigen Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern zu. Ein Schuldenerlass sowie eine Abmilderung der Sparauflagen gehören zu den wichtigsten Zielen von Tsipras' Regierung.

Bereits am Freitag wird Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem in Athen erwartet, um erste Gespräche zu führen. Die Euro-Finanzminister hatten am Montag keine Bereitschaft zu einem Schuldenerlass erkennen lassen. Berlin signalisierte aber Offenheit für weitere Unterstützung nach dem im Februar auslaufenden Rettungsprogramm.

Kammenos wird Verteidigungsminister

Der Juniorpartner in der Links-Rechts-Regierung, der Chef der rechstpopulistischen Partei der Unabhängigen Griechen, Panos Kammenos, übernimmt das Ressort Verteidigung.

Außenminister wird ein Technokrat, der Politik-Professor der Universität Piräus, Nikos Kotzias. Damit wolle Regierungschef Tsipras signalisieren, dass er eine "ruhige" Linie in außenpolitischen Themen fahren wolle, erklärten Analysten in Athen.

(dpa/AFP)