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Spannungen im Süden Kirgistans: Gestürzter Präsident Bakijew nach Kasachstan geflogen

Spannungen im Süden Kirgistans : Gestürzter Präsident Bakijew nach Kasachstan geflogen

Osch (RPO). Angesichts zunehmender Spannungen zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Kurmanbek Bakijew und der Übergangsregierung wächst die Sorge vor neuem Blutvergießen in Kirgistan. Übergangsregierungschefin Rosa Otunbajewa warnte vor einem neuen Bürgerkrieg. Der gestürzte Präsident von Kirgistan, Kurmanbek Bakijew, ist nach einer Kundgebung im Süden der zentralasiatischen Republik bei der Schüsse gefallen waren, nach Kasachstan geflogen.

Wie die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS berichtete, verließen mit ihm mehrere Verbündete die zentralasiatische Republik, darunter sein Bruder und ein früherer Verteidigungsminister.

Schüsse in Osch

Bakijew betrat demnach in der Stadt Osch vor etwa 2000 Anhängern das Podium, als Schüsse aus automatischen Waffen zu hören waren. Zum selben Zeitpunkt fand nur einige hundert Meter entfernt eine Veranstaltung von Unterstützern der Interimsregierung statt. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, Bakijews Leibwächter hätten in die Luft geschossen. Der gestürzte kirgisische Präsident habe nach den Schüssen "Rennt nicht, rennt nicht!" in Richtung der in Panik flüchtenden Menge gerufen. Anschließend suchte Bakijew in einem Theater Deckung und wurde schließlich in einem Geländewagen in Sicherheit gebracht.

Im Anschluss an die Kundgebung hinderten örtliche Polizeikräfte Anhänger Bakijews am Betreten einer Sendeanstalt des Staatsfernsehens LTR in Osch, wie der AFP-Korrespondent weiter berichtete. Die Unterstützer des gestürzten Präsidenten warfen dem Sender einseitige Berichterstattung zugunsten der Übergangsregierung vor.

Otunbajewa sagte in der Hauptstadt Bischkek, dass der internationale Druck auf Bakijew wachse. Die Interimsregierung habe nicht die Absicht, Gewalt einzusetzen. "Aber wir werden ihm nicht erlauben, Kirgistan in das Chaos eines Bürgerkrieges zu stürzen".

Ein Sprecher des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin hatte zuvor bestätigt, dass der russische Regierungschef mit Bakijew telefoniert habe. Zum Inhalt des Gesprächs, das am Mittwochabend stattgefunden habe, machte der Sprecher zunächst keine Angaben.

Russland unterstützt Opposition

Am Mittwoch hatte Russland angekündigt, Otunbajewas Interimsregierung mit insgesamt 50 Millionen Dollar (rund 37 Millionen Euro) unterstützen zu wollen. Auch die USA hatten nach einem Besuch des ranghohen Diplomaten Robert Blake in Bischkek Unterstützung für die Übergangsregierung signalisiert. Am Donnerstag traf der stellvertretende Übergangsregierungschef Almasbek Atambajew in der Türkei ein, wo er bei Präsident Abdullah Gül um Wirtschaftshilfen bitten wollte.

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Russlands Präsident Dmitri Medwedew hatte am Dienstag vor einem Bürgerkrieg in dem zentralasiatischen Land gewarnt. "Ich denke, dass Kirgistan an der Schwelle zum Bürgerkrieg steht", hatte Medwedew in Washington gesagt. Es bestehe das Risiko, dass das Land in zwei Teile zerfalle.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften in der kirgisischen Hauptstadt waren in der vergangenen Woche 84 Menschen getötet worden. Bakijew war nach den Unruhen in den Süden des Landes geflohen, wo er weiterhin breite Unterstützung der Bevölkerung genießt. Die Übergangsregierung will den gestürzten Präsidenten nach den blutigen Unruhen vor Gericht bringen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: April 2010: Straßenschlachten und Regierungssturz in Kirgistan

(AFP/felt)