Ägypten: Gericht verurteilt 529 Mursi-Anhänger zum Tode

Ägypten : Gericht verurteilt 529 Mursi-Anhänger zum Tode

Ein Gericht in Ägypten hat 529 Anhänger des ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi zum Tode verurteilt. Sie waren unter anderem wegen Mordes angeklagt. Der Großteil der Verurteilten ist auf der Flucht.

Ein ägyptisches Gericht hat 529 Mitglieder der Muslimbruderschaft zum Tod verurteilt. Das teilte ein Anwalt der Angeklagten am Montag mit. Die Anhänger des vom Militär abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi waren unter anderem wegen Mordes angeklagt. 16 seien freigesprochen worden. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Den Angaben zufolge sind 153 der Verurteilten in Haft, die anderen auf der Flucht. Der Prozess gegen die Anhänger des gestürzten Staatschefs hatte am Samstag in Minja südlich von Kairo begonnen.

Mohammed Badie ist unter den Angeklagten. Foto: dpa

Unter den Angeklagten sind zahlreiche Führungsmitglieder der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft, darunter auch ihr geistlicher Führer Mohammed Badie. Ihnen wurde wegen der Teilnahme an gewaltsamen Protesten der Prozess gemacht. Die Proteste folgten auf die blutige Erstürmung zweier Protestlager der Muslimbruderschaft in Kairo, bei der hunderte Menschen getötet worden waren.

Seit dem Sturz Mursis durch das Militär gehen die ägyptischen Sicherheitsdienste mit großer Härte gegen die Muslimbruderschaft vor. Tausende ihrer Mitglieder wurden inhaftiert, darunter praktisch die gesamte Führung. Zudem wurden beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Proteste der Muslimbruderschaft mehr als 1400 Menschen getötet. Die islamistische Bewegung wurde inzwischen offiziell zur Terrororganisation erklärt und verboten.

Alaa Abdel-Fattah freigelassen

Am Sonntag war der ehemalige ägyptische Protestführer Alaa Abdel-Fattah nach fast vier Monaten Untersuchungshaft gegen eine Kaution von umgerechnet rund 1000 Euro freigekommen. Ein Gericht in Kairo ordnete am Sonntag zum Auftakt des Verfahrens gegen Abdel-Fattah an, ihn für den Verlauf des Prozesses auf freien Fuß zu setzen. Ihm wird vorgeworfen, gegen ein umstrittenes Gesetz verstoßen zu haben, das Demonstrationen in Ägypten drastisch einschränkt.

Der Prozess gegen Abdel Fattah, einen der Anführer der Proteste gegen Ex-Machthaber Husni Mubarak, und 24 weitere Angeklagte wird von Menschenrechtlern scharf kritisiert. Sie werfen der Regierung vor, Dissidenten auf diese Weise mundtot machen zu wollen.

Hier geht es zur Infostrecke: Aufstieg und Fall von Mohammed Mursi

(ap/afp/rtr)
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