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Orthodoxe Kirche fordert Reue: Gericht entscheidet über Pussy-Riot-Berufung

Orthodoxe Kirche fordert Reue : Gericht entscheidet über Pussy-Riot-Berufung

In Russland wird heute über die Berufung der drei inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot gegen ihre zweijährige Haftstrafe entschieden. Kann es eine Überraschung geben?

Moskau (RPO). Ministerpräsident Dmitri Medwedew hatte mit einer Forderung nach Milde vor einigen Wochen die Hoffnung genährt, dass Nadeschda Tolokonnikowa, Jekatarina Samuzewitsch und Maria Alechina auf Bewährung frei kommen könnten. Sie weiter in Gefangenschaft zu halten sei "unproduktiv", sagte Medwedew.

Die drei Frauen waren im August wegen einer Protestaktion in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau verurteilt worden. Der Fall hatte international Empörung ausgelöst.

Am Morgen vor der Berufungsverhandlung hat die Moskauer Polizei rund um das Gericht ein Großaufgebot zusammengezogen. Streifenwagen patrouillierten in der Umgebung, wie die Agentur Interfax meldete. Anhänger und Gegner der inhaftierten Frauen haben Proteste angekündigt.

Kirche fordert Reue von den Musikerinnen

Einen Tag vor der Anhörung in dem Berufungsverfahren forderte die Russisch-Orthodoxe Kirche die Musikerinnen zur Reue auf. Wenn die Frauen Einsicht bezüglich ihrer Protestaktion gegen Präsident Wladimir Putin zeigten, sollte das nicht unbeachtet bleiben, hieß es in einer Erklärung des Moskauer Patriarchats.

Wenn sich die drei Frauen einsichtig zeigten, sollten sie "eine Chance erhalten, den Weg der Besserung einzuschlagen", sagte Wladimir Legoida, Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche in Moskau, laut russischen Medienberichten am Sonntag.

Beleidigungen der Gefühle von Gläubigen müssten "verurteilt und bestraft werden, gleich welche Argumente man nutzt, um sie zu rechtfertigen", sagte Legoida. Diese Ansicht teile auch die breite Mehrheit der Bevölkerung. Die Kirche hoffe jedoch, dass die Frauen, die "einen heiligen Ort entweiht" hätten, Bußgesinnung zeigten; "das wird ihren Seelen zunutze sein", so der Sprecher. Das Ziel der Strafe sei Besserung; deshalb sollten die Berufungsrichter ein Wort der Reue nicht unbeachtet lassen.

Ob die verurteilten Pussy-Riot-Mitglieder ein solches Reuebekenntnis überhaupt in Erwägung ziehen und wie das Gericht darauf reagieren würde, war allerdings unklar.

Symbol für die harte Hand Putins

Bereits vor dem ersten Urteilsspruch im August hatte auch Putin erklärt, die Frauen sollten nicht zu hart bestraft werden. Damals blieben Hoffnungen nach einer Freilassung der Pussy-Riot-Mitglieder aber unerfüllt. Putin hat in anderen Fällen in der Vergangenheit immer wieder deutlich gemacht, dass er sich öffentlichem Druck nicht beugen will. Sowohl die Regierung als auch die Kirche könnten aber dennoch ein Interesse daran haben, den Fall hinter sich zu bringen, um im In- und Ausland weitere Proteste und Kritik zu vermeiden.

Die Inhaftierung der Bandmitglieder wurde für viele zum Symbol für die harte Hand Putins gegenüber Dissidenten. Unter anderem haben auch prominente Musiker wie Madonna und Paul McCartney die Freilassung der drei Frauen gefordert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Pussy Riot: Lächeln und Protestieren gegen die Staatsmacht

(APD / KNA / DPA)