Vorgezogener Urnengang in Marokko: Gemäßigte Islamisten gewinnen Wahl

Vorgezogener Urnengang in Marokko: Gemäßigte Islamisten gewinnen Wahl

Nach Tunesien steht auch Marokko vor einer Regierung unter Führung gemäßigter Islamisten: Bei der Parlamentswahl setzte sich die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) als voraussichtlich stärkste Kraft durch, wie das Innenministerium in Rabat am Samstag bekannt gab.

Die PJD könne 80 der bisher entschiedenen 282 Sitze beanspruchen, teilte das Ministerium mit. Auf Platz zwei folgte mit deutlichem Abstand die Partei Istiqlal mit 45 Sitzen. Insgesamt waren bei der Wahl zum Unterhaus 395 Mandate zu vergeben. Die Partei mit den meisten Sitzen wird der neuen Verfassung zufolge mit der Regierungsbildung betraut.

Als schärfste Konkurrenz für die PJD galt eine Allianz aus acht liberalen, regierungsnahen Parteien unter Führung von Finanzminister Salaheddine Mezouar. Sie konnte sich den ersten Ergebnissen zufolge gemeinsam zwar mindestens 110 Sitze sichern, keine Partei alleine kann allerdings der PJD als stärksten Kraft gefährlich werden und damit die Regierungsbildung für sich beanspruchen.

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Die Beteiligung bei der Wahl vom Freitag lag den offiziellen Angaben zufolge bei 45 Prozent, etwas höher als bei der Wahl 2007. Die Abstimmung war angesichts der prodemokratischen Proteste in vielen arabischen Ländern um ein Jahr vorgezogen worden.

Es war der zweite Urnengang in diesem Jahr, der auf die Aufstände in der arabischen Welt zurückgeht. Im vergangenen Monat hatte die gemäßigt islamistische Ennahda-Partei in Tunesien die Wahl für sich entschieden. In Ägypten wird am Montag gewählt.

(APD)
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