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Geiseln in der Ukraine frei - Bundesregierung "erleichtert"

Ukraine : Bundesregierung erleichtert über Freilassung der OSZE-Geiseln

Die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine haben die Militärbeobachter der OSZE freigelassen. Die Männer sind inzwischen in sicherer Obhut. Eine tragende Rolle bei der Freilassung spielte offenbar der russische Sondergesandte. Auch Altkanzler Gerhard Schröder freut sich demonstrativ. Die Bundesregierung zeigt sich erleichtert.

Am Samstagvormittag bestätigte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die Freilassung. Mehr als eine Woche lang waren sie in der Hand der pro-russischen Rebellen von Slwjansk, die sie wahlweise als Gäste oder Kriegsgefangene bezeichneten.

"Wir sind froh, dass wir endlich draußen sind, uns geht es den Umständen entsprechend ok", sagte der deutsche Oberst Axel Schneider, der das OSZE-Team leitet, einem "Bild"-Reporter. Der russische Unterhändler Wladimir Lukin hatte sie aus Slawjansk hinaus begleitet. Nun sind sie aus der Metropole Donezk nach Deutschland aufgebrochen. Das Flugzeug der Bundeswehr sei in Donezk gestartet, teilte die OSZE-Mission in der Ukraine am Samstagnachmittag mit.

Gegen Mittag wurden die freigelassenen Militärbeobachter einem Unterstützungsteams der Bundesregierung übergeben. Das teilte am Samstag ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin mit.

Eine Woche von quälender Ungewissheit findet damit ihr Ende. Was letztlich die Freilassung bewirkte, bleibt noch zu klären. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich beim russischen Präsidenten Wladimir Putin für die Festgenommenen eingesetzt, gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama bemühte sie sich noch am Freitag, den Druck zu erhöhen. Aber auch Altkanzler Gerhard Schröder soll bei seiner umstrittenen Geburtstagsfeier in St. Petersburg auf Putin eingewirkt haben.

Nun reagiert ausgerechnet der SPD-Politiker als einer der ersten prominenten Akteure auf die gute Nachricht aus Slawjansk. Und nimmt dies direkt als Anlass, seine Kritik an der aus seiner Sicht falschen Ukraine-Politik des Westens zu bekräftigen. "Dies ist ein wichtiger Schritt zur Deeskalation, die nach den schrecklichen Ereignissen in Odessa dringender denn je ist", sagte Schröder der dpa in Berlin. "Die erneute Androhung von Sanktionen hingegen bewirkt nichts. Ständiger Dialog und direkte Gespräche auf gleicher Augenhöhe sind der Schlüssel zur Lösung des Ukraine-Konflikts."

Schröders Büro bestätigte zudem, dass der Altkanzler mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bei ihrem umstrittenen Treffen am 28. April über die Lage der OSZE-Militärbeobachter gesprochen habe. Der Altkanzler will offenbar dafür sorgen, dass auch an ihm ein wenig vom Erfolg der Freilassung hängen bleibt.

Steinmeier und von der Leyen erleichtert

Die Bundesregierung hat sich erleichtert über die Freilassung der OSZE-Militärbeobachter geäußert. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Samstag in Berlin, das komplette Team sei wieder in Freiheit. Die Männer befänden sich in der Obhut der OSZE und des deutschen Unterstützungsteams. Er sei besonders froh, dass auch die fünf ukrainischen Begleiter der Militärbeobachter freigelassen wurden. Dem ersten Eindruck nach gehe es allen "den Umständen entsprechend gut".

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, sie sei "ausgesprochen glücklich", dass das Team unversehrt frei sei. Wenn alles planmäßig laufe, komme das Team am späten Samstagabend mit einem Bundeswehrflugzeug auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel an. Dorthin kommen nach ihren Worten auch die Angehörigen der vier Deutschen, um sie in der Heimat zu begrüßen.

Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hat sich erleichtert über die Freilassung der OSZE-Militärbeobachter geäußert. Die gute Nachricht dürfe aber nicht den Blick darauf verstellen, worauf es jetzt ankomme, erklärte der Wirtschaftsminister am Samstag in Berlin. "Deeskalation und der Einsatz für eine friedliche Lösung des Konflikts sind zwingend notwendig, gerade von russischer Seite."

Keine Bedingungen

Schon am frühen Samstagmorgen hatte der Separatistenführer in Slawjansk, der selbst ernannte Bürgermeister Wjatscheslaw Ponomarjow, die Freilassung der vier Deutschen und weiteren drei Mitgliedern des OSZE-Beobachtungsteams angekündigt. Bedingungen habe es keine gegeben.

"Wie ich es ihnen versprochen hatte, haben wir gestern meinen Geburtstag gefeiert und sie laufenlassen", sagte Ponomarjow. Insgesamt seien zwölf Menschen aus der Haft entlassen worden, darunter auch Ukrainer. Bereits früher war ein Mitglied des OSZE-Teams aus medizinischen Gründen freigelassen worden. Ponomarjow hatte die Festgenommenen als Kriegsgefangene bezeichnet.

"Wir haben die Feuergefechte der letzten Tage direkt mitbekommen, das möchte ich keinem zumuten", berichtete Schneider nach seiner Freilassung gegenüber einem Reporter. In Slawjansk war es am Freitag zu heftigen Gefechten gekommen, als ukrainische Sicherheitskräfte gegen die Separatisten vorgingen. Zwei Kampfhubschrauber wurden von prorussischen Kräften abgeschossen, auf beiden Seiten gab es Tote.

Ponomarjow sagte, der von Moskau entsandte Unterhändler habe eine wichtige Rolle bei der Befreiung der Geiseln gespielt: "Sein Besuch war einer der wichtigen Faktoren."

Der Westen wirft Russland seit Wochen vor, seinen Einfluss auf prorussische Militante nicht geltend zu machen. Am Freitag hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama bei einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärt, ein erster Schritt zur Entspannung der Lage müsse die Freilassung der OSZE-Beobachter und ihrer ukrainischen Mitarbeiter sein.

Fotos zeigen den deutschen Oberst Axel Schneider zusammen mit Reportern in Slawjansk. Auch Ponomarow hat sich dazugestellt. Der stets auf Medienwirkung bedachte Rebellenführer verabschiedete Schneider mit einem Handschlag vor den Kameras der Journalisten.

(REU dpa)