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Waffe des 21. Jahrhunderts: Gegen den Terror: Raketenschirm für Europa

Waffe des 21. Jahrhunderts : Gegen den Terror: Raketenschirm für Europa

Berlin/Washington (rpo). Europäische und amerikanische Geheimdienste zeigen sich begeistert von den Plänen, gegen mögliche islamistische Terrorangriffe einen Raketenschirm aufzubauen. Das dazu geplante Luftabwehrsystem "MEADS" (Medium Extended Air Defence System - Mittleres System zur erweiterten Luftverteidigung) wird gar als "die Waffe des 21. Jahrhunderts" bezeichnet.

Ein Vertreter der CIA erinnerte in Washington an das schreckliche Geschehen am 11. September 2001 in den USA. "Die Bedrohung der Islamisten wird immer schlimmer. Sie wird noch Jahrzehnte anhalten", sagte der CIA-Mann. "Wir müssen für alle Bedrohungsspektren aus der Luft gerüstet sein", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin.

An die Stelle der alten Ost-West-Konfrontation ist die weltweite terroristische Bedrohung getreten. "Es wird damit gerechnet, dass die Terroristen möglicherweise in absehbarer Zeit über Massenvernichtungswaffen verfügen, mit denen sie Flugzeuge oder Raketen bestücken", war aus deutschen Geheimdienstkreisen zu hören. "Wir müssen auch dieses schlimme Szenario in Betracht ziehen", hieß es.

Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, hatte erst kürzlich auf einem Symposium in Berlin darauf hingewiesen, dass es der Westen trotz aller Sicherheitsmaßnahmen bisher nicht geschafft habe, dem internationalen Terrorismus die Grundlagen zu entziehen. "Ich sehe in den moslemischen Ländern eine weiter wachsende, generell anti-westliche Stimmungslage", hatte Hanning erläutert. Al-Qaida hatte nach Informationen der Geheimdienste bereits in Afghanistan den Besitz von Nuklearmaterial angestrebt und mit biologischen sowie chemischen Materialien experimentiert.

Das MEADS-System, das von Deutschland, Italien und den Amerikanern gemeinsam entwickelt wird, soll 2012 die veralteten Raketenabwehrsysteme "Patriot" und "Hawk" ablösen. Es passt genau in die "Transformation" der Bundeswehr zu einer "Armee im Einsatz" mit neuen Aufgaben: Konfliktvermeidung, Krisenbewältigung auf der ganzen Welt und Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Die neuen Raketen können bei jedem Wetter in Höhen bis zu 35 Kilometer und Entfernungen bis 1000 Kilometer "feindlich" anfliegende Maschinen oder Raketen am Himmel zerstören. Deutschland allein muss für die Entwicklung über eine Milliarde Euro ausgeben. Die Beschaffungskosten der rund 24 MEADS-Feuersysteme für die Bundesrepublik werden auf etwa drei Milliarden Euro geschätzt.

Gebaut wird das neue Luftverteidigungssystem von den Rüstungsfirmen EADS in Deutschland, Alenia Marconi in Italien und Lockheed Martin in den USA. MEADS ist eine "abgespeckte Version" der einstigen visionären Weltraum-Verteidigungsstrategie "SDI" von US-Präsident Ronald Reagan. Ein Sprecher von EADS betonte, MEADS bekämpfe "alles, was sich in feindlicher Absicht nähert". Es könnten sowohl konventionelle als auch mit Massenvernichtungswaffen bestückte Gefechtsköpfe zerstört werden.

MEADS kann nach Auskunft der Fachleute weitreichend Regionen mit Großstädten und Industrieanlagen schützen. Auch gegen von Islamisten gekaperte Passagierflugzeuge könnten die Raketen als "ultima ratio", als letztes Mittel also, eingesetzt werden. Von Geheimdienstlern wurde unterstrichen, dass MEADS auch gegen die "sich abzeichnende atomare Gefahr des Mullah-Regimes in Teheran eine entscheidende schützende Rolle, beispielsweise gerade für Europa, spielen könnte".

Washington wirft der Islamischen Republik Iran vor, "heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten, mit denen Langstreckenraketen bewaffnet werden könnten". Teheran hatte bei einem Manöver im September eine solche Rakete mit über 2000 Kilometer Entfernung getestet. "Es ist nicht auszudenken, wenn die Mullahs uns damit drohen", schilderte ein BND-Angehöriger.

(afp)