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Gazastreifen: Israels Luftwaffe greift 50 Ziele in Gaza an

Vorbereitung möglicher Bodenoffensive : Israels Luftwaffe greift 50 Ziele in Gaza an

Als Reaktion auf massiven Raketenbeschuss hat die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Dienstag mehr als fünfzig Ziele im Gazastreifen angegriffen. Nach palästinensischen Angaben wurden bei den Angriffen 17 Menschen verletzt, zwei davon schwer.

Es waren die heftigsten Gefechte zwischen Israel und extremistischen Palästinensergruppen seit November 2012. Die israelischen Streitkräfte erklärten, auch eine mögliche Bodenoffensive vorzubereiten.

Bei der Angriffswelle mit dem Kodenamen "protectice edge" (etwa: Schutzrand) wurden neben militärischen Zielen auch vier Häuser palästinensischer Aktivisten beschossen. Darunter waren nach Angaben des staatlichen israelischen Rundfunks in der Stadt Chan Junis die Wohnhäuser eines Kommandeurs der radikalen Hamasorganisatibn sowie eines örtlichen Anführers der linksradikalen PFLP.

Die Bewohner seien kurz zuvor telefonisch gewarnt worden, die Gebäude zu verlassen. Unter den Verletzten waren nach Angaben der Sanitätsdienste sieben Kinder und zwei Frauen.

Der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, erklärte, Israel habe mit der Zerstörung der Wohnhäuser eine "rote Linie" überschritten. "Wenn diese Politik nicht beendet wird, werden wir den Radius unserer Ziele bis zu einem Punkt ausweiten, der den Feind überraschen wird."

Die Kassam-Brigaden und weitere islamistische Gruppierungen hatten am Montag nach Armeeangaben insgesamt 81 Raketen auf Südisrael abgefeuert, mehr als 30 binnen weniger Minuten am Abend. In zehn israelischen Städten trieben Alarmsirenen die Menschen in Schutzbunker. Rund um die in der Negevwüste gelegene Großstadt Beerscheba schlugen 16 Geschosse ein. Über der Hafenstadt Aschdod wurden sieben Raketen und über Netiwot fünf von Abwehrgeschützen zerstört.

Unfreiwillige Zeugen wurden Besatzung und Passagiere des deutschen Kreuzfahrtschiffes "Aida Diva". Laut einer Mitteilung der Reederei waren beim planmäßigen Auslaufen des Schiffs die Explosionen zu beobachten. Kleinstpartikel der zerstörten Projektile seien auf das Deck gefallen; Schäden seien nicht entstanden. Die Hafenarbeiter in Aschdod traten am Dienstag in einen Ausstand, weil es dort keine Schutzräume gibt.

Als Reaktion auf die Angriffswellen ermächtigte das israelische Sicherheitskabinett die Streitkräfte zu einer "abgestuften Eskalation", um den Druck auf die Hamas jeden Tag zu erhöhen. "Das mit Abstand wichtigste Ziel ist eine Beruhigung der Lage im Süden, damit die Bewohner dort wieder ihrem Alltag nachgehen und die Kinder in die Sommercamps schicken können", sagte einer der Teilnehmer, Finanzminister Jair Lapid, dazu im Radio.

In mindestens drei Fällen wurden Ziele im Gazastreifen auch von Kriegsschiffen aus angegriffen. Zugleich rückten Panzerverbände an die Grenze heran. Armeesprecher Motti Almos sagte dazu: "Alle Optionen liegen auf dem Tisch. Unsere Intensität wird schrittweise steigen. Zwei Brigaden stehen schon am Gazastreifen, weitere rücken an."

Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri bezeichnete die Kassam-Raketenangriffe als "natürliche Reaktion auf die israelischen Verbrechen gegen unser Volk". In der Nacht zum Montag waren durch israelische Luftangriffe acht militante Palästinenser getötet worden.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte in der Nacht zum Dienstag Israel auf, "seine Eskalation und die Angriffe unverzüglich einzustellen". Die Palästinenserführung mobilisiere derzeit auch die internationale Staatengemeinschaft, Druck auf Israel auszuüben.

Die Lage in der Region ist seit der Entführung und Ermordung dreier israelischer Schüler im Westjordanland und dem offensichtlichen Racheakt an einem jungen Palästinenser in Ost-Jerusalem höchst angespannt. Nach der brutalen Ermordung des jungen Palästinensers, der lebendig verbrannt wurde, legten nach Angaben aus Ermittlerkreisen inzwischen drei rechtsradikale Israelis Geständnisse ab.

(DEU)