Gazastreifen: "Iron Dome" — Schutzschild gegen Raketen-Hagel

Krise im Nahen Osten : "Iron Dome": Schutzschild gegen Raketen-Hagel

Das Hightech-Abfangsystem gegen Angriffe aus dem Gaza-Streifen soll auch die Bevölkerung beruhigen.

Die unscheinbaren sandfarbenen Kanister, die auf Lastwagenanhängern montiert sind, haben es in sich: Die daraus abgefeuerten radargelenkten Raketen fliegen den aus dem Gaza-Streifen abgeschossenen Flugkörpern entgegen, treffen binnen Sekunden zentimetergenau deren Flugbahn und zerstören sie durch eine Wolke von Splittern. Das System "Iron Dome" (auf Hebräisch "Kipat Barzel", auf Deutsch "Eiserne Kuppel") funktioniert auch nachts und bei jeder Witterung.

Seit 2011 setzen die israelischen Streitkräfte "Iron Dome" ein. Viele Hundert Raketen und Artilleriegranaten sind inzwischen abgefangen worden, die sonst Tod und Zerstörung ins Land getragen hätten - allein am Dienstag waren es 29. Ein Abschusskanister ist mit 20 der je drei Meter langen und 90 Kilogramm schweren Raketen bestückt. Er wird durch ein Radargerät und eine Kontrollstation ergänzt; wirksam ist "Iron Dome" in einem Radius von rund sieben Kilometern. Es soll mindestens fünf Batterien geben, von denen vier entlang des Gaza-Streifens postiert sind.

Je zwei Raketen werden auf ein Ziel abgefeuert. Die Treffgenauigkeit ist geheim, Experten gehen von 80 bis 90 Prozent aus. "Iron Dome" ist nicht nur eine effektive Abwehrwaffe, sondern auch psychologisch wichtig: 3,5 Millionen Israelis, 40 Prozent der Gesamtbevölkerung, leben in der Reichweite der Raketen aus dem Gaza-Streifen und waren ihnen vorher schutzlos ausgesetzt.

Abwehrwaffen gegen überschallschnelle Raketen gibt es erst seit Beginn der 80-er Jahre. Das amerikanische "Patriot"-System war das erste, das Mittelstreckenraketen abfangen konnte; es ist noch heute unter anderem bei der Bundeswehr im Einsatz. Die besondere Herausforderung für "Iron Dome" liegt in der kurzen Reaktionszeit: In Garagen handgefertigte Kleinraketen mit geringer Reichweite wie die "Kassam" sind im Gegensatz zu großen Raketen nur kurz in der Luft, ihre Flugbahn ist flach und die Zeit zur Bekämpfung entsprechend knapp.

Dennoch entscheiden Menschen letztlich über den Abschuss der "Iron Dome"-Raketen: Sie werden nur gezündet, wenn bewohntes Gebiet in Gefahr ist. Die Flugkörper der Palästinenser, deren Arsenal von der "Kassam" bis hin zur eingeschmuggelten iranischen Boden-Boden-Rakete "Fadschr" reicht, gelten als wenig treffsicher.

Das in ein Gesamtsystem auch mit "Patriots" gegen größere Raketen eingebundene "Iron Dome" hat rund 275 Millionen Euro gekostet; jede einzelne Abwehrrakete soll rund 36 000 Euro teuer sein. Die Amerikaner haben die Einführung von "Iron Dome" fachlich und finanziell massiv unterstützt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Weitere Tote bei Raketenangriffen auf Gazastreifen

(RP)
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