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Gaza-Stadt: Israelischer Angriff zerstört gezielt Pressehaus mit AP-Büros

Gaza-Stadt : Israelischer Angriff zerstört gezielt Pressehaus mit AP-Büros

Der Nahost-Konflikt eskaliert weiter. Am Samstag hat ein israelischer Luftangriff offenbar gezielt ein Gebäude mit den Büros der Nachrichtenagentur AP in Gaza in Trümmer gelegt. Etwa eine Stunde zuvor hatte der Besitzer des Hauses eine Warnung erhalten.

Das israelische Militär habe ihn angerufen und aufgefordert sicherzustellen, dass das Gebäude binnen einer Stunde geräumt werde, sagte Dschauwad Mahdi am Samstag. AP-Angestellte und Einwohner verließen daraufhin in panischer Flucht das Haus, in dem auch andere Medien wie der Fernsehsender Al-Dschasira arbeiteten.

Als AP daraufhin den israelischen Militärsprecher Jonathan Conricus kontaktierte, sagte dieser, ihm sei von solchen Angriffsplänen nichts unmittelbar bekannt. Er werde das aber prüfen. Eine Erklärung für den Angriff gab es zunächst nicht.

Bei twitter teilte die israelische Armee mit, Kampfjets hätten ein Hochhaus angegriffen, in dem der Militärgeheimdienst der islamistischen Hamas über „militärische Ressourcen“ verfügt habe. „In dem Gebäude liegen Büros ziviler Medien, hinter denen die Terrororganisation Hamas sich versteckt und die es als menschliche Schutzschilde missbraucht.“ Die Hamas positioniere ihre militärischen Mittel absichtlich im Herzen dicht besiedelter Wohngebiete im Gazastreifen. Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms sagte nach der Zerstörung des Gebäudes, Tel Aviv solle sich auf eine „Antwort vorbereiten, die die Erde erschüttern lässt“.

Zudem hat das israelische Militär nach eigenen Angaben bei einem massiven Angriff auf ein breites Tunnelsystem der im Gazastreifen herrschenden Hamas rund 500 Tonnen Munition eingesetzt. An dem Angriff auf das sogenannte Metro-System in der Nacht zum Freitag seien 160 Flugzeuge des Typs F-16 und F-35 beteiligt gewesen, sagte ein ranghoher Offizier der israelischen Luftwaffe am Samstag. Es sei noch unklar, ob und wie viele Hamas-Kämpfer dabei getötet worden seien. „Potenziell sind es aber Hunderte“, sagte er.

Ausländische Medien hatten der israelischen Armee vorgeworfen, sie mit einem Tweet kurz vor dem Angriff absichtlich manipuliert zu haben. „Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an“, hieß es darin in der Nacht zum Freitag, als mit einer Bodenoffensive Israels gerechnet wurde. Dies hatte nach Medienberichten zahlreiche Hamas-Kämpfer dazu bewegt, in das unterirdische Metro-System abzutauchen. Nachdem sie so in die Falle gegangen seien, habe Israels Luftwaffe das Tunnelnetz rund 40 Minuten lang bombardiert. Die Armee dementierte eine gezielte Manipulation der ausländischen Medien und sprach von einem Kommunikationsfehler. Es befinde sich kein israelischer Soldat im Gazastreifen.

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Hamas hat nach Angaben des Luftwaffenoffiziers seit Montag mehr als 2300 Raketen auf Israel abgefeuert. Die Angriffe aus dem Gazastreifen auf Israel seien so intensiv wie nie zuvor. Etwa 20 Prozent der abgefeuerten Raketen schlugen noch in dem Palästinensergebiet selbst ein. Dabei seien auch Kinder getötet worden.

Die Raketenabwehr Eisenkuppel schaffe es in rund 90 Prozent aller Versuche, die Raketen abzufangen, die bewohnte Gebiete in Israel bedrohen. In der bisher heftigsten Salve seien 140 Raketen gleichzeitig aus dem Gazastreifen abgefeuert worden.

Israel habe seit Montag mehr als 650 Ziele im Gazastreifen angegriffen, sagte der Repräsentant. Es seien insgesamt 31 Raketenwerkstätten von Hamas und dem Islamischen Dschihad zerstört worden. Hamas habe daher gegenwärtig nicht mehr die Fähigkeit, neue Raketen herzustellen.

Ziel der Operation sei es, gegenüber der Hamas die Abschreckung wiederherzustellen, sagte der Offizier. „Es ist sehr schwierig, Ziele inmitten eines bewohnten Gebiets anzugreifen. Aber es ist der einzige Weg, Hamas abzuschrecken.“ Es dürfe keine einzige Rakete mehr aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert werden. Bei den Angriffen bemühe die Luftwaffe sich stark, zivile Opfer möglichst zu vermeiden. Ein Ende sei vorerst nicht abzusehen. „Wir sind mitten in einer sehr intensiven Operation.“

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(felt/dpa)