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Gaza-Konflikt: Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas in Kraft

Gaza-Konflikt : Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas scheint zu halten

Das Leiden der Menschen im Gazastreifen und in Israel soll nach elf Tagen ein Ende haben. Am frühen Freitagmorgen trat eine Waffenruhe in Kraft. Beide Seiten scheinen sich daran zu halten.

Die Waffenruhe im Konflikt zwischen Israel und den militanten Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad ist in der Nacht zum Freitag offiziell in Kraft getreten. Die um 02.00 Uhr Ortszeit in Kraft getretene Feuerpause wurde in den ersten Stunden offenbar von beiden Seiten eingehalten.

Die Einigung auf die Feuerpause war nach anderthalb Wochen heftigen gegenseitigen Raketenbeschusses am Donnerstag unter ägyptischer Vermittlung zustande gekommen. Sowohl die israelische Regierung als auch die beiden radikalen Palästinenserorganisationen hatten in die Waffenruhe eingewilligt. Zwei ägyptische Delegationen sollen nach Angaben von Diplomaten in den palästinensischen Gebieten und in Tel Aviv auf die Wahrung der Feuerpause achten und die "Verfahren überwachen, um dauerhaft stabile Beziehungen zu erhalten".

In den vergangenen Tagen war der internationale Druck vor allem durch die USA für ein Ende des Blutvergießens immer größer geworden. Am Mittwoch hatte US-Präsident Joe Biden Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bei einem Telefonat gesagt, dass er noch im Laufe des Tages eine „deutliche Deeskalation (...) auf dem Weg zu einer Waffenruhe“ erwarte. Nach der Vereinbarung der Waffenruhe sagte Biden, nun biete sich eine „wirkliche Chance“, im Nahen Osten Fortschritte hin zu einem dauerhaften Frieden zu machen. Ein Sprecher Netanjahus betonte jedoch, die Waffenruhe sei ohne jegliche Vorbedingungen erfolgt.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), Antonio Guterres, erklärte: "Ich betone, dass die israelischen und palästinensischen Führer eine Verantwortung haben, die über die Wiederherstellung der Ruhe hinausgeht. Nämlich einen ernsthaften Dialog zu beginnen, um die Ursachen des Konflikts anzugehen."

Die Folgen des brutalen Schlagabtausches, den die Hamas am 10. Mai mit Raketenbeschuss Richtung Jerusalem begonnen hatte, sind verheerend. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden bis zum Donnerstag 232 Palästinenser getötet, unter ihnen 65 Kinder und Jugendliche. 1900 Menschen erlitten Verletzungen. 1800 Wohnungen und Häuser wurden zerstört, darunter fünf Hochhäuser. Auch zahlreiche Regierungsgebäude und alle Polizeistation wurden in Schutt und Asche gelegt. Israels Angriffe auf das Tunnelsystem der Hamas, die sogenannte Metro, richteten zudem große Schäden an der Infrastruktur an.

Die Hamas sieht sich dennoch als Siegerin. Sie habe sich als die wahre Beschützerin Jerusalems und Kämpferin für die Rechte des palästinensischen Volkes bewährt, sagte das führende Hamas-Mitglied, Muschir al-Masri, am Donnerstag in Gaza. Das richtete sich gegen den im Verhältnis zu Israel kompromissbereitere Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas im Westjordanland, der Israel nicht wie die Hamas das Existenzrecht abspricht. Zudem schaffte es die Hamas, schwere Unruhen zwischen jüdischen und arabischen Israelis auszulösen und die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft wieder auf den ungelösten Konflikt zu lenken.
 Israel seinerseits wollte das Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. Dieses Ziel ist zunächst erreicht, obwohl die Palästinenser nach israelischen Angaben insgesamt 4340 Raketen auf Israel abschossen. Die meisten wurden jedoch vom israelischen Abwehrsystem "Iron Dome" (Eiserne Kuppel) abgefangen. Auf israelischer Seite starben 12 Menschen, mehr als 300 wurden verletzt.

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Zudem wollte Israel die Fähigkeit militanter Palästinensergruppen im Gazastreifen für künftige Angriffe reduzieren. Auch das hat die hochgerüstete israelische Armee vermocht, allerdings um einen hohen humanitären Preis, mit dem Israel Kritik auf sich zieht. Und von früheren Schlägen hat sich die Hamas stets nach einigen Jahren erholt. 

(peng/lha/dpa/reuters/AFP)