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Gas-Lieferstopp: Uniper bereitet sich vor - Nord Stream 2 abgeschrieben

Nord Stream 2 abgeschrieben : Uniper bereitet sich auf russischen Gas-Lieferstopp vor

Der Druck war zu groß: Fast eine Milliarde Euro schreibt Uniper nun auf die Ostsee-Pipeline ab. Der Düsseldorfer Konzern lockert seine Bande zu Russland, kappt sie aber nicht und hält an seinen Gas-Lieferverträgen fest. Zugleich bereitet man sich auf einen Ausfall russischer Lieferungen vor. Russland droht bereits.

Kein Konzern in Deutschland ist so eng mit Russland verflochten wie Uniper. Und lange haben die Düsseldorfer auch an der Pipeline Nord Stream 2 festgehalten. Doch der Druck ist zu groß: Nun schreibt Uniper die 987 Millionen Euro ab, die er als Finanzinvestor an die Nord Stream 2 AG gegeben und als Zinszahlungen zu erwarten hat. „Uniper hat beschlossen, eine vollständige Wertberichtigung für das Darlehen an Nord Stream 2 vorzunehmen“, teilte das Unternehmen mit. Uniper verzichtet zudem auf 100 Millionen Euro an Zinsen pro Jahr.

Zugleich bereitet sich der Konzern auf einen Ausfall russischer Gas-Lieferungen vor. Russland drohte erstmals mit einem Lieferstopp durch Nord Stream 1. Man habe das volle Recht, eine „spiegelgerechte Entscheidung“ zu treffen, sagte der Vize-Regierungschef Alexander Nowak in einer Rede im Staatsfernsehen, wie die Agentur Reuters berichtet.

Auch Wintershall Dea hat seine Beteiligung an der umstrittenen Pipeline bereits abgeschrieben, nachdem die Bundesregierung diese als Teil der Russland-Sanktionen auf Eis gelegt hat.

Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach stellte sich an die Seite der Ukraine: „Ich empfinde tiefes Mitgefühl für alle Menschen, die direkt oder indirekt von einem Krieg in der Ukraine betroffen sind, für den es keinerlei Rechtfertigung gibt. Gerade vor dem Hintergrund unserer langjährigen Geschäftsbeziehungen zu Russland sind wir schockiert und bewegt von diesen beispiellosen Entwicklungen.“ Uniper verurteilt den Angriff Russlands scharf.

Nun lockert Uniper seine Bande zu Russland, kappt sie aber nicht. Der Konzern kündigte an, keine neuen Gaslieferverträge mit Moskau abzuschließen, die bestehenden aber weiterlaufen zu lassen: „Als Energieversorger ist es unsere Pflicht, gerade in solch schwierigen Zeiten unseren Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung zu leisten“, sagte Maubach weiter. „Aufgrund der bestehenden Verträge mit Russland tragen wir eine besondere Verantwortung nicht nur für uns selbst, sondern auch für große Teile der deutschen Industrie und viele Menschen in Europa.“

Zugleich will Uniper einen Beitrag dazu leisten, dass Europa unabhängiger von russischem Gas wird: „Kurzfristig haben wir die Arbeiten an einem nationalen LNG-Importterminal in Wilhelmshaven wieder aufgenommen und unterstützen die deutsche Regierung bei diesem und anderen Projekten voll und ganz“, so Maubach. Uniper hatte eigene Pläne vor Monaten auf Eis gelegt, weil sich die Investition nicht rechnete. Nun aber stellt die Bundesregierung Hilfen in Aussicht, weil sie mit den Terminals die Flüssiggas-Versorgung verbessern will.

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Zur Lockerung der Bande gehört auch, dass Uniper seine russische Tochter Unipro verkaufen will, an der die Düsseldorf mit knapp 84 Prozent beteiligt sind. Der Verkaufsprozess werde wieder aufgenommen, Uniper werde bis auf Weiteres keine Mittel mehr an Unipro überweisen. Ein Schnitt mit Folgen: Unipro hat fünf Kraftwerke in Russland und 4300 Mitarbeiter, das Unternehmen steht für ein Fünftel (230 Millionen Euro) des Uniper-Gewinns.

Für Uniper  ist die Lösung von Russland besonders heikel. 5000 der 11.500 Mitarbeiter arbeiten in Russland. Kern des Geschäftes sind seit Jahrzehnten die langfristigen Gasliefer-Verträge, die das Vorgängerunternehmen Ruhrgas mit Gazprom und anderen russischen Konzernen geschlossen hat. Doch mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine verändert sich auch für Uniper die Welt radikal.

Uniper weist daraufhin, was passiert, wenn die Russen ihrerseits des Gashahn zudrehen: „Im Falle einer kurzfristigen Drosselung der Gasflüsse aus Russland wird Uniper voraussichtlich in der Lage sein, seine flexiblen Vermögenswerte, einschließlich der Gasspeicher, so zu nutzen, dass der Ausfall weitgehend kompensiert wird. Erhebliche Unterbrechungen der Gasflüsse würden dagegen die Stabilität des deutschen Gassystems gefährden und höchstwahrscheinlich zu einer Ausrufung des Notstands durch das Bundesministerium für Wirtschaft führen.“ Dann greifen die Notfall-Pläne, die unter anderem die Abschaltung von Industriekunden vorsehen, Haushalte und Einrichtungen wie Krankenhäuser werden als letztes abgeschaltet.

Wegen der großen Unsicherheit verlängert Uniper nun auch seine Kreditlinie bei der staatlichen Förderbank KfW, die Ende April ausläuft. Am 4. Januar hat der Konzern eine Kreditfazilität von zwei Milliarden Euro erhalten, diese aber noch nicht in Anspruch genommen. „Angesichts der anhaltend volatilen Märkte hat Uniper vorsorglich um eine Verlängerung der Kreditfazilität gebeten“, teilte Uniper weiter mit.

Was am Ende von dem jungen Unternehmen, das mehrheitlich dem finnischen Staatskonzern Fortum gehört, übrig bleibt, ist eine offene Frage.