Abdullah al Senussi: Gaddafis Ex-Geheimdienstchef festgenommen

Abdullah al Senussi: Gaddafis Ex-Geheimdienstchef festgenommen

Der ehemalige Geheimdienstchef des getöteten libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi ist am Sonntag festgenommen worden. Kämpfer der Revolutionsstreitkräfte hätten Abdullah al Senussi in der Region Fasan im Süden des Landes lebend gefasst, sagte der libysche Informationsminister Mahmud Schammam.

Senussi, ein Schwager Gaddafis, sei im Süden Libyens im Haus seiner Schwester ergriffen worden, sagte ein Korrespondent des libyschen Fernsehsenders Free Libya TV am Sonntag. Es sei nicht zu Gefechten gekommen.

In der Nacht zu Samstag war bereits der bekannteste Sohn Gaddafis, Seif al Islam, ebenfalls im Süden des Landes gefasst worden. Er befindet sich derzeit in der Stadt Sintan in Haft. Senussi wie auch Seif al Islam wurden mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ihnen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Senussi wurde bereits 1999 in Frankreich in Abwesenheit als einer von mehreren libyschen Regierungsvertretern wegen eines Bombenattentats auf ein französisches Flugzeug im Jahre 1989 verurteilt.

Gaddafi-Sohn droht Todesstrafe

Wie am Sonntagnachmittag bekannt wurde, will die libysche Übergangsregierung Seif al Islam nicht an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausliefern. Das libysche Volk wolle Seif al Islam in Libyen vor Gericht sehen, sagte Informationsminister Mahmud Schammam. Ihm droht die Todesstrafe.

Luis Moreno Ocampo, seines Zeichens Chefankläger in Den Haag, kündigte an am Montag nach Libyen zu reisen und mit dem Nationalen Übergangsrat über den Ort des Prozesses zu sprechen. Die nationalen Regierung hätten das Recht, ihre eigenen Bürger wegen Kriegsverbrechen vor Gericht zu stellen. Sein Ziel sei es, ein faires Verfahren gegen Seif al Islam sicherzustellen, erklärte Ocampo weiter.

Überstellung nach Den Haag gefordert

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Schammam sagte, der Übergangsrat werde seine Entscheidung mit Ocampo diskutieren. Bis zum Prozess werde noch einige Zeit vergehen, aber das sei normal. Menschenrechtsorganisationen forderten, Seif al Islam nach Den Haag zu überstellen. Human Rights Watch verwies auf die Tötung seines Vater Muammar al Gaddafi und seines Bruders Muatassim am 20. Oktober, die Anlass zur Sorge gebe.

Seif al Islam habe um sein Leben gebangt, sagte einer der Männer, die ihn festnahmen. "Er dachte, dass wir ihn umbringen." So war es fast genau vor einem Monat mit Muammar Gaddafi geschehen, als die Rebellen zum Entsetzen westlicher Regierungen ihre Rache an dem verhassten Autokraten filmten. Am Wochenende wurde in ganz Libyen mit Hupkonzerten und Freudenschüssen die Ergreifung Seif al Islams gefeiert.

Vorstellung der Übergangsregierung verzögert sich

Die Vorstellung der neuen libyschen Übergangsregierung verzögert sich um bis zu zwei Tage. Der Übergangsregierungschef Abdel Rahim el Kib, der sein Kabinett ursprünglich am Sonntag vorstellen wollte, habe den Übergangsrat um einen Aufschub von maximal 48 Stunden gebeten, erklärte der Vizepräsident und Sprecher der Übergangsrats, Abdel Hafes Ghoga. Die Frist, wonach die Liste mit den Ministern spätestens am Mittwoch vorgelegt werden muss, wird seinen Angaben zufolge aber eingehalten. Genau einen Monat zuvor, am 23. Oktober, hatte der Übergangsrat offiziell die "vollständige Befreiung" Libyens erklärt.

Der Übergangsrat hatte Kib Ende Oktober zum Chef einer libyschen Übergangsregierung gewählt. Der Wissenschaftler war der Protestbewegung gegen Gaddafi bereits kurz nach ihrem Beginn im Februar beigetreten. Die Übergangsregierung soll die Geschicke Libyens bis zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung und freien Wahlen führen. Diese sollen innerhalb von 20 Monaten erfolgen.

(DAPD/RTR)