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Yashar Khameneh und sein iranischer Vater: Für die Postings des Sohnes im Gefängnis

Yashar Khameneh und sein iranischer Vater : Für die Postings des Sohnes im Gefängnis

Nicht nur für iranische Regimegegner ist es gefährlich, sich negativ im Internet über Staat oder Religion zu äußern. Einem iranischen Studenten aus Holland wurden nun Facebook-Kommentare zum Verhängnis – und brachten seinen Vater ins Gefängnis.

Nicht nur für iranische Regimegegner ist es gefährlich, sich negativ im Internet über Staat oder Religion zu äußern. Einem iranischen Studenten aus Holland wurden nun Facebook-Kommentare zum Verhängnis — und brachten seinen Vater ins Gefängnis.

Yashar Khameneh ist 25 Jahre alt und studiert internationales Business-Management in den Niederlanden. Seine Familie dagegen ist noch im Iran — und bangt jetzt um seinen Vater. Denn nach Aussagen des jungen Mannes sitzt er im Gefängnis wegen der Internetaktivitäten Khamenehs.

Wie der US-Sender CNN berichtete veröffentlichte der junge Mann im Juni einen offenen Brief im Internet und erzählte seine Geschichte. Darauf wurde die Internationale Kampagne für Menschenrechte aufmerksam. Sie glaubten ihm. Seither erzählt der Student seine Geschichte in zahlreichen Interview, die arabische Ausgabe der BBC berichtete darüber, CNN oder auch der britische "Guardian".

Dass es einmal so weit kommen würde, hatte sich Khameneh wohl nicht vorgestellt. Er hatte eine Facebook-Seite besucht, die sich satirisch mit dem muslimischen Imam Ali al-Hadi al Naqi, ein Nachfahre des Propheten Mohammed, auseinandersetzte. Der Student aus den Niederlanden gab auf der Seite Kommentare ab, verlinkte sie auf seiner Facebook-Seite, wie CNN schreibt. Er war einer von 21.000 Menschen, denen die Seite gefiel. Doch für ihn hatte es massive Folgen.

Er sollte seine Passwörter offenlegen

Denn zunächst, so erzählte er dem "Guardian" habe er mit seinem richtigen Namen und erst später mit einem Nicknamen Kommentare abgegeben. Aber die Regierung schien die Seite schon länger im Visier zu haben. "Von Anfang an wusste ich, dass dies gefährlich sein könnte", sagte Khameneh CNN. "Aber die Sache ist: Tabus sollten gebrochen werden."

Nicht aber für das iranische Regime, denn Gotteslästerung wird hart bestraft — und das bezieht die zwölf Imame mit ein. Und so erhielt der 25-Jährige laut seinen Erzählungen eines Tages einen Anruf von seinem Vater. Dieser habe ihm gesagt, dass Mitarbeiter des Geheimdienstes zu ihm gekommen seien und ihn um Kooperation bitten. Konkret sollte er seine Passwörter für Facebook, E-Mail und Blog offenlegen.

Allerdings, so sagt der junge Mann, habe er ja nichts mit der Ursprungsseite zu tun, wie es wohl offenbar das iranische Regime annahm. Also schrieb er eine Nachricht an den Betreiber der Webseite, der allerdings auch nur ein Pseudonym nutzte, und bat ihn, die Seite abzuschalten, schreibt CNN. Das wollte dieser aber nicht. Der Student war machtlos.

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Die Bitte, die Seite zu löschen, blieb ungehört

Also machte er das, was ihm noch übrig blieb: Seinen Facebook-Account und seine E-Mail-Adresse zu löschen. Doch das schien dem Regime in Teheran nicht gereicht zu haben. Kurz darauf, so berichtet CNN, habe er einen Anruf seiner Schwester bekommen — und die Nachricht erhalten, dass sein Vater verhaftet worden sei.

"Mein Vater", so erzählte Khameneh dem "Guardian" "hat nichts mit meinen Online-Aktivitäten zu tun. Meine Eltern waren gegen das, was ich zu der Zeit tat. Aber mein Vater wird nun beschuldigt, diese Facebook-Seite finanziell zu unterstützen, in dem er mein Studium hier mitfinanziert."

Der 25-Jährige ist unglücklich mit der Situation, sieht die einzige Chance für seinen Vater darin, seine Geschichte öffentlich zu machen. "Ich möchte, dass meine Familie mir vergibt", sagte er CNN. "Aber ich glaube an das, was ich glaube."

(das)