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Italien: Früherer Staatschef Cossiga gestorben

Italien : Früherer Staatschef Cossiga gestorben

Rom (RPO). Der frühere italienische Minister- und Staatspräsident Francesco Cossiga ist am Dienstag im Alter von 82 Jahren gestorben. Cossiga lag seit vergangener Woche mit Herz- und Atemproblemen im Krankenhaus. Am Montagabend habe sich sein Zustand drastisch verschlechtert, teilte das Krankenhaus Gemelli in Rom mit.

Cossiga war in den 70er und 80er Jahren politisch aktiv, als Italien mit Terrorgruppen zu kämpfen hatte. Er bezeichnete sich selbst 1978 schon als "politisch tot", nachdem die Terrorgruppe Rote Brigaden seinen Mentor und Freund Aldo Moro entführt und getötet hatte, den Führer der Christdemokraten und früheren Ministerpräsidenten. Sein politisches Leben ging aber weiter, er wurde 1979 Ministerpräsident und Mitte der 80er Jahre Staatspräsident.

Cossiga wurde oft vorgeworfen, in geheime politische Machenschaften verwickelt zu sein. Er räumte schließlich ein, Mitglied des antikommunistischen Netzwerks Gladio gewesen zu sein. Ein weiterer ungeklärter Fall ist die Explosion eines italienischen Verkehrsflugzeugs 1980, als Cossiga gerade Ministerpräsident war.

Der Verfassungsrechtler Cossiga wurde am 26. Juli 1928 in Sardinien geboren. Er war ein Vetter von Enrico Berlinguer, dem langjährigen Chef der Kommunistischen Partei Italiens.

Papst Benedikt XVI. zeigte sich Radio Vatikan zufolge "tieftraurig" über den Tod des zweifachen Familienvaters. Der Chef der größten Oppositionspartei, Pier Luigi Bersani von der Demokratischen Partei, bezeichnete den früheren Präsidenten als "außerordentliche Persönlichkeit". Die rechtspopulistische Lega Nord würdigte Cossiga als Politiker, der "seinen eigenen Überzeugungen" immer treu geblieben sei.

(apd/afp)