Zentralafrika: Friedenssoldaten sollen Völkermord abwenden

Zentralafrika : Friedenssoldaten sollen Völkermord abwenden

In Ruanda spielte sich Anfang der 90er Jahre ein grauenhafter Völkermord ab. Nun schickt das Land Friedenssoldaten in die Zentralafrikanische Republik, um dort das Schlimmste zu verhindern.

In der von Gewalt und Hass erschütterten Zentralafrikanischen Republik sind am Donnerstag die ersten Friedenssoldaten aus Ruanda eingetroffen. Insgesamt hat Ruanda 800 Soldaten versprochen, um die 4400 Mann starke Friedenstruppe der Afrikanischen Union aufzustocken. "Wir setzen uns hier alle ein, um einen Völkermord in Zentralafrika zu verhindern und das Land zu beruhigen", erklärte der Sprecher der Friedenstruppe, Leon Ndong-Ntutume.

Der Einsatz der Soldaten aus Ruanda gilt als besonders bedeutsam, weil das Land 1994 selbst Schauplatz eines Völkermords mit 500 000 Toten war. Die internationale Gemeinschaft will eine Wiederholung dieses Grauens unbedingt verhindern. Frankreich hat unter einem UN-Mandat ebenfalls 1600 Soldaten nach Zentralafrika geschickt.

Hass zwischen Christen und Muslimen unterschätzt

Dort hatten muslimische Rebellen im März den christlichen Staatschef François Bozizé gestürzt. Danach war Chaos ausgebrochen.
Derzeit bekämpfen sich christliche Milizen und marodierende Rebellenbanden. Die Gewalt hat mehr als tausend Menschen das Leben gekosten und eine Million in die Flucht getrieben. Der von den Rebellen eingesetzte Präsident Michel Djotodia war vergangene Woche zurückgetreten. Diese Woche soll ein Übergangsrat einen neuen Regierungschef aussuchen, der Neuwahlen zum Jahresende vorbereiten soll.

Frankreich habe den Hass und die Ressentiments zwischen Christen und Muslimen im Land unterschätzt, sagte der französische UN-Botschafter Gérard Araud in New York. Die afrikanischen und französischen Soldaten sähen sich in dem Land mit einer "nahezu unmöglichen Situation" konfrontiert, in der sich Mitglieder beider Religionen einfach nur noch töten wollten.

Frankreich suche nach Wegen, um die Situation zu beruhigen, in der selbst die Aufrufe der religiösen Führer nach einem Ende der Gewalt wirkungslos verhallten, fügte er hinzu.

(ap)