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Frauen erreichen in UN-Friedensmissionen nachhaltigere Lösungen.

Analyse : Mit Frauen zum Frieden

Analyse Die UN sehen Frauen als Schlüssel, Kriege einzudämmen und dauerhaft Frieden zu schaffen. Deutschland will dieser Sichtweise mehr Gewicht verschaffen. Die Erkenntnis ist richtig, bei der Umsetzung aber hapert es heftig.

Es gibt wohl kein anderes Feld mehr, auf dem die Unterschiede zwischen Männern und Frauen so klar und so offensichtlich zutage treten wie beim Thema Krieg. Es ist so holzschnittartig, dass man sich fast scheut, es ebenso plakativ aufzuschreiben: Männer führen Kriege, während den Vereinten Nationen die Frauen als Schlüssel zum Frieden gelten. Beispiele kriegführender Frauen gibt es nur wenige. Man erinnert sich an Margaret Thatcher und die Falklandinseln. Die US-Außenministerin Condoleezza Rice war ein Falke – für weitere Beispiele muss man schon tiefer in die Geschichte einsteigen.

Die Erkenntnis der UN: Werden Frauen in Friedensprozesse einbezogen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Abkommen mindestens zwei Jahre Bestand hat, um 20 Prozent. Bereits im Jahr 2000 hielten die UN in ihrer Resolution 1325 die zentrale Rolle von Frauen für die Vermeidung und Lösung kriegerischer Konflikte fest. In den vergangenen knapp 20 Jahren folgten etliche weitere Resolutionen mit ähnlichem Tenor. Geschehen ist aber noch zu wenig. Der Anteil von Frauen in militärischen Truppen und an Polizeibeamten in UN-Friedensmissionen als sogenannte Peacekeeper („Friedensbewahrer“) blieb mit jeweils vier und zehn Prozent niedrig. Von den deutschen Militärbeobachtern in UN-Friedensmissionen sind gerade einmal 5,5 Prozent Frauen. 16 Prozent sind das bescheidene Ziel der UN – ohne konkrete Jahreszahl, wann es erreicht sein soll. Ehrgeizig ist das nicht gerade. Dabei werden Frauen bei den Missionen dringend gebraucht. Sie haben Zugang zu anderen Frauen, können Opfern beistehen und als Vorbild die Rolle der Frauen in der Zivilgesellschaft stärken und damit einen Friedensprozess stabilisieren.

Deutschland, das nun für zwei Jahre einen Sitz im UN-Sicherheitsrat hat, will mit der stärkeren Einbindung von Frauen in Friedensprozesse als Vermittlerinnen und Entscheiderinnen einen Schwerpunkt setzen. Für die entscheidende Sitzung hatte der deutsche Botschafter bei den UN, Christoph Heusgen, am Donnerstag die Leitung an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) abgegeben. „Frauen sind nicht besser in Konflikten, aber sie sind anders“, sagte die Ministerin vor der Sitzung. Daher brauche man Soldatinnen und Soldaten in Friedensmissionen. Viele Konflikte würden von Männern dominiert. „Frauen und Kinder leiden bitter.“ Die in Friedensmissionen eingebundenen Frauen hätten ein besseres Gefühl dafür, was die Frauen brauchten.

Die deutsche Ministerin, die in Berlin wegen Affären um das Segelschulschiff „Gorch Fock“ und die Vergabe von Beraterverträgen schwer unter Druck steht, läuft in New York zur Hochform auf. Frauen die Chance zu geben, ihre Fähigkeiten beruflich, privat und gesellschaftlich voll auszuspielen, und ihnen damit einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft zu sichern, zieht sich wie ein roter Faden durch ihre politische Laufbahn.

In New York hatte man sich auch vorstellen können, dass gleich Kanzlerin Angela Merkel selbst diese Sitzung übernimmt. Einfach, um dem Thema größtmögliches Gewicht zu geben. Während US-Präsident Donald Trump die deutsche Kanzlerin wegen ihrer Flüchtlingspolitik für verrückt erklärt hatte, wird sie bei den Vereinten Nationen eben wegen ihrer humanitären und großzügigen Haltung gegenüber den Flüchtlingen des Bürgerkriegs in Syrien und ihrer so oft vermittelnden Rolle in der Weltpolitik hoch geschätzt. Wer weiß, vielleicht forciert die Kanzlerin diese Rolle als Mittlerin in internationalen Konflikten noch einmal, wenn sie spätestens 2021 nicht mehr im Amt ist – als eine Art Chef-Peacekeeperin. Nachdem Merkel bereits erklärt hat, nach ihrer Zeit als deutsche Regierungschefin kein weiteres Amt mehr anzustreben, ist eine solche informelle Rolle für sie denkbar.

Der Bedarf nach Vermittlung in den Kriegs- und Krisenregionen der Welt, in denen die zahlreichen UN-Resolutionen oft nur wenig ausrichten können, ist jedenfalls enorm. Knapp 60 Länder meldeten sich in der Sitzung des Sicherheitsrats zu Wort, betonten die Notwendigkeit des Einflusses der Frauen auf Friedensprozesse und sprachen über die Hürden, warum es immer noch viel zu wenige weibliche Peacekeeper gibt. Vieles klang appellativ und wohlfeil – wie das bei den UN oft der Fall ist. Die Umsetzung hängt der Erkenntnis zu oft um Jahre, manchmal um Jahrzehnte hinterher.

Auch nach dieser Sicherheitsratssitzung werden keine Wunder geschehen. Es geht aber in kleinen Schritten voran. Von der Leyen hatte zwei Millionen Euro in ihrem Reisegepäck als Einlage für einen Fonds, den die Kanadier aufgelegt haben. Mit dem Geld sollen Hürden abgebaut werden, damit mehr Frauen in Friedensmissionen mitmachen. Außerdem will Deutschland die internationale Ausbildung der Frauen für diese Missionen verstärken und ein Netzwerk, in dem sich die Beteiligten über ihre Erfahrungen austauschen. Für Deutschland will von der Leyen zudem eine Studie in Auftrag geben, die der Frage nachgeht, warum die Zahl der Frauen ausgerechnet bei den Friedensmissionen so gering ist. Den Erkenntnissen werden konkrete Zielsetzungen mit einem klaren Zeithorizont folgen müssen. Nur dann werden Frauen ihre Talente bei Vermittlung, Schaffung und Erhalt von Frieden auch entfalten können.

Frauen sind an aktuell 14 UN-Missionen beteiligt. Von diesen 14 Mission ist Deutschland bei fünf involviert: in Mali, im Libanon, in Darfur, im Südsudan und in der Westsahara. Deutsche Soldatinnen sind allerdings nur in Mali und im Libanon stationiert – insgesamt 56. Davon 55 in Mali, eine im Libanon. In Mali beträgt der Frauenanteil der Deutschen im Rahmen der Minusma-Mission damit 12,1 Prozent. In zentralen Führungspositionen bei UN-Missionen finden sich nur sieben Frauen.