Nach Wahl-Erfolg der rechtsextremen Front National: Frankreichs Linke stellt sich für neu auf

Nach Wahl-Erfolg der rechtsextremen Front National : Frankreichs Linke stellt sich für neu auf

Nach dem Erfolg der rechtsextremen Front National (FN) bei der Kommunalwahl haben sich die anderen Parteien in Frankreich für die zweite Runde neu aufgestellt: In zahlreichen Städten schlossen sich die Listen der Linken am Dienstag zusammen, in anderen zogen die Sozialisten ihre Kandidatur zurück, um einen FN-Sieg zu verhindern. In den südfranzösischen Städten Béziers und Fréjus hat die FN dennoch gute Siegeschancen.

In der südfranzösischen Stadt Avignon, wo die FN in der ersten Wahlrunde am Sonntag mit 29,6 Prozent knapp auf den ersten Platz gekommen war, schlossen sich Sozialisten und Grüne mit der Linksfront zu einer Liste zusammen. Die zweite Runde am nächsten Sonntag gewinnt die Liste mit den meisten Stimmen.

Die konservative UMP, die in Avignon 20,9 Prozent errungen hatte, lehnt landesweit einen Verzicht ihrer Kandidaten ab, um auf diese Weise rechtsextreme Bürgermeister zu verhindern. Doch könnte in Avignon nun die Linke die Wahl gewinnen. Das renommierte Theater-Festival von Avignon hatte im Falle eines FN-Sieges mit seinem Wegzug gedroht.

Im südwestfranzösischen Perpignan, wo FN-Vize Louis Aliot mit 34,2 Prozent den ersten Platz belegt hatte, zog sich der drittplatzierte, sozialistische Kandidat Jacques Cresta zurück. Einen solchen Schritt verweigerten die Sozialisten in der nahegelegenen Stadt Béziers trotz einer entsprechenden Aufforderung ihrer Parteispitze aus Paris.

Dort hatte der FN-Kandidat in der ersten Runde fast 45 Prozent bekommen. Er hat nun gute Chancen, Bürgermeister der 70.000-Einwohner-Stadt zu werden. Auch in Fréjus, wo die FN über 40 Prozent errang, könnten die Rechtsextremen die zweite Runde für sich entscheiden. Die UMP dort lehnte Allianzen ab.

Die Parteispitze der Sozialisten hatte dazu aufgerufen, alles zu tun, um FN-Bürgermeister zu verhindern. Ein Verzicht auf die zweite Runde bedeutet aber auch, dass es keinerlei Stadt- oder Gemeinderäte für die betroffene Partei gibt. Die Rechtsextremen waren in mindestens 21 Kommunen auf Platz eins in der ersten Wahlrunde gekommen, in 315 Kommunen sind ihre Kandidaten in der Stichwahl.

In einer Reihe von Städten waren schon am Montag die Bündnisse geklärt worden. So hatten sich Sozialisten und Grünen in Paris zusammengeschlossen, um der sozialistischen Kandidatin Anne Hidalgo die Mehrheit zu sichern. Die Frist für die Anmeldung zur zweiten Runde läuft am Dienstag um 18.00 Uhr ab.

Die sozialistische Regierung in Paris setzt für die zweite Runde auf eine stärkere Wählermobilisierung; in der ersten Runde hatte es den endgültigen Zahlen des Innenministeriums zufolge einen Negativ-Rekord bei der Wahlbeteiligung von 63,55 Prozent gegeben.

Fast 80 Prozent der Franzosen wünschen sich nach der Kommunalwahl eine Regierungsumbildung auf nationaler Ebene. 69 Prozent fordern einer BVA-Umfrage vom Montagabend zufolge auch die Ablösung von Premierminister Jean-Marc Ayrault.

Die Politik der Regierung in Paris, die seit Monaten die Wachstumsschwäche und hohe Arbeitslosigkeit nicht in den Griff bekommt, wurde von zahlreichen prominenten Sozialisten für das schlechte Abschneiden ihrer Partei bei der ersten Kommunalwahl-Runde verantwortlich gemacht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Front National - die französischen Rechtsextremen

(AFP)
Mehr von RP ONLINE