Wegen Tunesien-Kontakten: Frankreichs Außenministerin Alliot-Marie tritt zurück

Wegen Tunesien-Kontakten : Frankreichs Außenministerin Alliot-Marie tritt zurück

Paris (RPO). Gute Beziehungen zu den Staatsführern der Welt sind in der Diplomatie wichtig. Schwierig wird es jedoch dann, wenn sich ein Diplomat seine Kontakte auch im Privatleben zu Nutze macht. Dies musste nun auch die französische Außenministerin Michèle Alliot-Marie erfahren. Sie tritt nun zurück.

Die Öffentlichkeit zeigte wenig Verständnis, dass sie während der Proteste in Tunesien ausgerechnet auf Kosten eines Vertrauten des autoritären Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali dort in den Urlaub flog. Weitere Enthüllungen ließen die Beliebtheitswerte der 64-Jährigen einbrechen. Nun zog Präsident Nicolas Sarkozy die Notbremse: Wie aus Regierungskreise verlautete, tritt Alliot-Marie am Sonntag zurück.

Jahrelang galt Alliot-Marie, die bereits die Schlüsselressorts für Justiz, Inneres und Verteidigung leitete, als skandalfrei. Die konservative Politikerin, die mit dem Minister für die Beziehungen zum Parlament, Patrick Ollier, liiert ist, erwarb sich in allen Ressorts Respekt und Anerkennung. Doch nach Weihnachten suchte das Paar gemeinsam mit ihren Eltern ausgerechnet in Tunesien Erholung. Ihren Ferienort Tabarka erreichten sie mit dem Privatflugzeug eines befreundeten tunesischen Geschäftsmannes, der dem Clan des wenige Wochen später gestürzten Präsidenten Ben Ali nahestand.

Auch für einen Ausflug nutzte MAM, wie sie nach ihren Anfangsbuchstaben kurz genannt wird, die Maschine, in welcher der korrupte Ben-Ali-Clan häufig geflogen sein soll. Dazu kam nach dem Urlaub ihr Angebot an den mit harter Hand regierenden Ben Ali, auf das Know-How französischer Sicherheitskräfte beim Kampf gegen die Aufständischen zurückzugreifen. Für eine Chefdiplomatin leistete sich Alliot-Marie, die seit Mitte November im Amt ist, bereits viele Schnitzer. Dabei galt die spröde wirkende 64-Jährige mit den dunklen Hosenanzügen und der stets makellosen Kurzhaarfrisur bis vor einigen Wochen als untadelig.

Ihre politische Karriere begann sie im französischen Baskenland, wo ihr Vater Abgeordneter und Bürgermeister der Stadt Biarritz war. Sie selbst wurde 1986 zum ersten Mal in die Nationalversammlung gewählt und war sieben Jahre später bereits Jugendministerin - damals noch im rosa Kostüm mit schulterlangen Haaren. Fast genauso glatt und skandalfrei wie ihre politische Karriere verlief auch ihr Privatleben: Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die geschiedene kinderlose Juristin mit Ollier liiert. Lediglich zum Heiraten fanden die beiden Politiker noch keinen Termin - zu viele Verpflichtungen auf beiden Seiten.

Nach dem Beginn des Skandals um ihren Tunesien-Urlaub machte die Ministerin, die Kommunikation nicht zu ihren Stärken zählt, weitere Fehler. "Die große Schweigsame", wie der Autor Michaël Darmon sie in der einzig autorisierten Biografie nennt, sagte, im Urlaub sei sie nicht Ministerin. Nach beißender Kritik der Opposition an der "Teilzeitministerin" musste sie zurückrudern und erklärte: "Man ist 24 Stunden am Tag Minister, 365 Tage im Jahr." Als auch noch bekannt wurde, dass ihre Eltern an einem Immobiliengeschäft mit dem Umfeld Ben Alis beteiligt waren, wurde MAM endgültig zur Belastung für die Regierung.

(AFP/ndi)