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Frankreich-Wahl 2022: Reaktionen - "fundamentale Bedrohung für die Demokratie"

Reaktionen auf die erste Wahlrunde in Frankreich : „Eine fundamentale Bedrohung für die Demokratie“

Nach der ersten Wahlrunde in Frankreich kommentieren die Kandidatinnen und Kandidaten das Ergebnis in Paris. Alle betonen die Bedeutung der Entscheidung in zwei Wochen. Zitate und Reaktionen aus der Nacht.

In Frankreich wird es wie 2017 eine Stichwahl zwischen dem liberalen Präsidenten Emmanuel Macron und der Rechten Marine Le Pen um das höchste Staatsamt geben. Nach Auszählung von 92 Prozent der Stimmen gewann Macron 27,4 Prozent und Le Pen 24,3 Prozent. Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon kam mit 21,3 Prozent der Stimmen auf Platz drei. Damit treten der amtierende Staatschef und seine Konkurrentin vom Rassemblement National am 24. April gegeneinander an. In der Nacht kommentierten Politikerinnen und Politiker die erste Runde der Wahl:

„Vertun wir uns nicht, nichts ist entschieden“, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Abend zu seinem Einzug in die Stichwahl. „Euer Vertrauen ehrt mich, verpflichtet mich und bindet mich. Sie können alle auf mich zählen, um dieses Fortschritt- und Öffnungsvorhaben umzusetzen.“ Außerdem sagte Macron: „Wenn die Rechtsextreme in all ihren Formen so viel Rückhalt im Land hat, kann man nicht davon sprechen, dass die Dinge gut laufen.“

„Ich werde Frankreich in fünf Jahren in Ordnung bringen“, sagte Macrons Herausfordererin Marine Le Pen in Paris. „Was am 24. April auf dem Spiel steht, ist keine Wahl der Umstände, sondern eine Entscheidung für die Gesellschaft, eine Entscheidung für die Zivilisation. Von Ihrer Stimme hängt ab, welchen Platz wir den Menschen gegenüber der Macht des Geldes einräumen wollen.

“„Ihr solltet keine einzige Stimme Madame Le Pen geben“, sagte der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon „Ich kenne eure Wut. Gebt euch nicht der Gefahr hin, dass sie euch Fehler begehen lässt, die nicht mehr rückgängig zu machen sind.“

„Weil es mein lebenslanges Engagement für die Republik ist und damit Frankreich nicht in den Hass aller gegen alle kippt, rufe ich Sie eindringlich dazu auf, am 24. April gegen die Rechtsextreme Marine Le Pen zu stimmen, indem Sie den Wahlzettel für Emmanuel Macron verwenden“, sagte die sozialistische Kandidatin Anne Hidalgo.

„Das Ergebnis ist eine persönliche und kollektive Enttäuschung. Ich übernehme die persönliche Verantwortung für diese Niederlage“, sagte die Kandidatin der Konservativen, Valérie Pécresse, nach ihrer Niederlage in der ersten Runde. „Das Projekt von Marine Le Pen würde das Land in die Zwietracht führen, in die Machtlosigkeit, in den Bankrott. (...) Ihre Wahl würde zum Verschwinden Frankreichs von der europäischen und internationalen Bühne führen.“

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„Niemand sollte die fundamentale Bedrohung, die die extreme Rechte für die Demokratie, den zivilen Frieden, die Ökologie und die Werte der Republik darstellt, herunterspielen“, waren die Worte des grünen Kandidaten Yannick Jadot. „Unsere Stimme gilt nicht als Rückhalt für seine (Macrons) Verantwortung für die Zerrüttung des Landes durch klimapolitische Untätigkeit, soziales Versagen, Konformismus und demokratische Missachtung.“

„Wir sind ins politische Leben vorgedrungen. Wir haben die alten, sterbenden Parteien überholt“, sagte der rechtsextreme Publizist Éric Zemmour. „Emmanuel Macron ist der Hauptgegner. Er ist der Präsident der massiven Einwanderung, der Präsident der Unsicherheit, der Präsident der Deindustrialisierung.“ Der rechtsextreme Zemmour rief nach Worten seiner Unterstützerin Marion Maréchal zur Wahl von Marine Le Pen in der zweiten Runde auf.

(juju/dpa)