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Frankreich: Nicolas Sarkozy wittert seine Chance auf Revanche

Frankreich : Nicolas Sarkozy wittert seine Chance auf Revanche

Seit Wochen bereitete er seine Rückkehr in die politische Arena vor. Vor zweieinhalb Jahren mit einer derben Niederlage von den Franzosen aus dem höchsten Amt gewählt, will es Nicolas Sarkozy doch noch einmal wissen.

Tägliche Schlagzeilen und TV-Bilder vom lässig joggenden Ex-Präsidenten sollten die Spannung nur noch steigern. Doch weiß das politische Frankreich schon lange, wohin das Rennen des quirligen 59-Jährigen letztlich gehen soll.

Erst wirft er seinen Hut in den Ring, um Chef der konservativen UMP-Partei zu werden. Gleichzeitig soll das als Sprungbrett dienen, um Sarkozy zum Kandidaten für die Präsidentenwahl des Jahres 2017 zu machen.

Der sorgfältig inszenierte Neustart des Vollblutpolitikers aus dem rechten Lager bekam - schon vor der offiziellen Ankündigung Sarkozys - bereits die Absolution des derzeitigen Herrschers im Élysée-Palast: Der sozialistische Staatspräsident François Hollande machte Sarkozy mit diesen Worten zu seinem "besten Feind" ("Le Figaro"): Wer das Land schon mal geführt habe, dürfe dies mit Fug und Recht von neuem anstreben.

Auch wenn Sarkozy die schwierige französische Politik mit Krisen links wie rechts - außer bei Marine Le Pens rechtsextremer Front National (FN) - nur noch komplizierter macht: Diskutiert wird bereits ein mögliches Duell Sarkozys mit Hollande um den Élysée.

Soweit ist es zwar noch lange nicht. Aber "Speedy Sarko" hat schon vor seiner ersten Präsidentschaft das Vermögen bewiesen, verbissen und geduldig auf sein Ziel hinzuarbeiten. Das dürfte jetzt nicht viel anders sein, wenn er das zweiteilige Trampolin zur höchsten Macht in der Republik in Gang setzt: "Ich befürchte, dass mein Mann ohne die Politik im Leben keinen Sinn sieht", sagte Gattin Carla Bruni-Sarkozy dem "L'Express".

Auch Regierungschef Manuel Valls sieht den 2012 an Hollande gescheiterten Ex-Staatschef mit der mageren Bilanz wieder mitten in der Politik-Arena: "Wir werden ihn aber auch daran messen, wie er das Land hinterlassen hat." Konfrontation ist also angesagt.

Den Medientrubel um die Rückkehr des "Tigers" oder des "Tsunamis" Sarkozy sowie die Frage, ob er denn inzwischen ein anderer geworden sei, trifft auf müde Franzosen. Mitten in tiefer Wirtschaftskrise mit einem Sozialisten im Élysée-Palast, dem sie so wenig vertrauen wie keinem Staatschef zuvor, interessieren sie sich ganz überwiegend nicht für die Rückkehr Sarkozys.

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Und im Mitte-Rechts-Lager sorgt die Kandidatur des Ex-Präsidenten für Unordnung. Aber vielleicht ist ihm das recht so. Der parteiinterne Hauptgegner Alain Juppé könnte als besonnener Politiker die nötigen Stimmen auf der bürgerlichen Seite holen. Daneben streben weitere Rechts-Politiker auf das Sprungbrett.

Das sind jetzt die nächsten Etappen für den Jogger vom Bois de Boulogne, der die Politik polarisiert: Nach 28 Monaten relativer politischer Diät steigt Sarkozy in den Ring und will aus der Wahl des neuen UMP-Chefs durch die Parteimitglieder am 29. November als Sieger hervorgehen.

Als zweiter Schritt stehen 2016 die geplanten Vorwahlen für den Präsidentschaftskandidaten der arg zerstrittenen und zuletzt skandalgebeutelten UMP an. Sie ist derzeit auf nationaler Ebene nur die zweistärkste politische Kraft und dreht sich um sich selbst - während der rechtsextreme Front National FN der Marine Le Pen Oberwasser hat.

Wie seine Partei ist der Pariser mit den ungarischen Wurzeln aber krisenerprobt. Sein Name tauchte immer wieder in Verbindung mit politischen Affären auf. In einige Bedrängnis geriet er in der Bettencourt-Affäre.

Bei den inzwischen eingestellten Ermittlungen ging es um den Verdacht, Sarkozy könne die demenzkranke L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt ausgenutzt haben, um an Geld für seinen Wahlkampf 2007 zu kommen. Aktuell läuft gegen Sarkozy ein Anklageverfahren wegen Korruptionsverdacht.

Wie weit ihm das wirklich beim Wiedereinstieg schaden wird, müssen die nächsten Jahre erweisen.

(dpa)