Frankreich: Mehrheit der Front-National-Mitglieder will Euro-Ausstieg

Frankreich: Mehrheit der Front-National-Mitglieder will Euro-Ausstieg

Die Anhänger der rechtspopulistischen Front National (FN) haben sich mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für einen Ausstieg aus dem Euro ausgesprochen. Eine Mitgliederbefragung, die am Samstag beim Parteitag im nordfranzösischen Lille vorgestellt wurde, ergab eine Zustimmung von 67 Prozent.

Danach fordern zudem 90 Prozent der Mitglieder ein Referendum für einen "Frexit", einen Ausstieg aus der EU nach britischem Vorbild. Gegen eine weitere Mitgliedschaft Frankreichs im Schengen-Raum sprachen sich 82 Prozent der FN-Anhänger aus. Damit bestätigten die Anhänger die Leitlinien zur Europapolitik, mit denen die FN-Vorsitzende Marine Le Pen 2017 in die Präsidentschaftswahl gegangen war.

Le Pen hat die Mitglieder ihrer Partei zudem auf einen Erneuerungskurs eingeschworen. "Ich appelliere an Euren Enthusiasmus, um diese notwendige Neugründung voranzubringen", schrieb Le Pen am Samstag beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Der zweitägige Parteikongress soll die Neuausrichtung der strauchelnden Front National voranbringen. Die EU- und zuwanderungskritische Partei kämpft nach Schlappen bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen im vergangenen Jahr mit schwindender Zustimmung. Schon seit Jahren betreibt Le Pen eine Politik der "Entdämonisierung", um die Partei regierungsfähig zu machen. An diesem Sonntag will sie einen neuen Namen vorschlagen. "Front" klinge zu militärisch, hatte sie vor Kurzem gesagt.

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Die Front National werde sich künftig auch mit anderen politischen Gruppierungen zusammenschließen, twitterte Le Pen. "Wir müssen eine Kompromisskultur verinnerlichen, wie es unsere Bürgermeister auf pragmatische Weise tun."

Besonders die Frage des Abschieds vom Euro war zuletzt umstritten. Weil sich eine Mehrheit der Franzosen in Umfragen für die Gemeinschaftswährung aussprach, schwächte Le Pen ihre Forderung nach einem Austritt im Wahlkampf ab.

An der FN-Befragung zu insgesamt 80 Punkten beteiligten sich laut der Partei rund 30.000 der insgesamt 51.000 Mitglieder. Die Auszählung erfolgte ohne Notar, die Angaben lassen sich damit nicht unabhängig überprüfen.

(felt)
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