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Frankreich: Emmanuel Macron und Marine Le Pen gehen in Stichwahl

Erster Wahlgang in Frankreich : Macron und Le Pen schaffen es in die Stichwahl

Der europafreundliche Emmanuel Macron und die rechtspopulistische Marine Le Pen ziehen in die Stichwahl bei der französischen Präsidentschaftswahl ein. Dort werden Macron die deutlich besseren Chancen zugeschrieben.

Der europafreundliche Emmanuel Macron und die rechtspopulistische Marine Le Pen ziehen in die Stichwahl bei der französischen Präsidentschaftswahl ein. Dort werden Macron die deutlich besseren Chancen zugeschrieben.

Der Mitte-Links-Politiker Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen haben die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl gewonnen. Angaben des französischen Innenministeriums vom frühen Montagmorgen zufolge kam Macron nach Auszählung von 97 Prozent aller Stimmen auf 23,9 Prozent, Le Pen auf 21,4. Der Konservative Francois Fillion erreichte demnach 19,9 Prozent, der Linke Jean-Luc Mélenchon 19,6 Prozent.

Europa dürfte das Thema der Stichwahl werden

Das gute Ergebnis Le Pens ist für viele Franzosen und Europäer ein Schock. Zum zweiten Mal seit 2002 steht die FN in der Stichwahl. Die FN-Chefin will die Euro-Währung in Frankreich abschaffen und ihre Mitbürger über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Der entscheidende zweite Wahlgang am 7. Mai dürfte damit auch zu einer Abstimmung über Europa werden. Macron, Chef der politischen Bewegung "En Marche!" (Auf dem Weg), ist europafreundlich eingestellt. Umfragen sehen Macron in einem direkten Duell gegen Le Pen deutlich im Vorteil.

Macron sieht seinen Erfolg bei der ersten Runde der Präsidentenwahl als eine Wende in der französischen Politik. "Die Franzosen haben ihren Wunsch nach einer Erneuerung ausgesprochen", sagte Macron am Sonntag der französischen Nachrichtenagentur AFP. Ein Kapitel der französischen Politik sei nun geschlossen worden, sagte er.

Fillon ruft zur Wahl Macrons auf

Der Konservative Fillon kündigte an, in der Stichwahl für Macron zu stimmen. "Die Enthaltung entspricht nicht meinen Genen, vor allem wenn eine extremistsiche Partei sich der Macht nähert", sagte er am Sonntagabend.

Auch Frankreichs Premierminister Bernard Cazeneuve und der sozialistische Präsidentschaftskandidat Benoît Hamon riefen dazu auf, für Macron zu stimmen. "Ich bin dabei gescheitert, das Desaster, das sich angekündigt hatte, zu verhindern. Ich übernehme dafür die volle Verantwortung", sagte Hamon vor seinen Anhängern. Die "Auslöschung der Linken durch die extreme Rechte" sei eine schwere Wahlniederlage.

Am späten Abend gab es drei Festnahmen: Demonstranten setzten Autos in Brand, laut Polizei kam es am Sonntag zudem am historischen Place de la Bastille zu Raufereien zwischen Protestierenden und Einsatzkräften. Mit Blick auf die Prognosen und die anstehende Stichwahl am 7. Mai riefen die Demonstranten: "Nicht Marine und nicht Macron!" 300 Menschen kamen zu einem friedlichen Protest am nahegelegenen Place de la République zusammen und tanzten um ein Lagerfeuer.

50.000 Polizisten und 7000 Soldaten

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte das Ergebnis aus Frankreich. "Ich bin sicher, er wird der neue französische Präsident", sagte Gabriel am Sonntag in der jordanischen Hauptstadt Amman. "Er war der einzige pro-europäische Kandidat, der sich nicht versteckt hat hinter Vorurteilen gegenüber Europa."

Auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner zeigt sich mit dem Ausgang des ersten Wahlgangs zufrieden. "Ein Signal für Europa, ein Signal der Erneuerung", twitterte der Politiker am Sonntagabend nach ersten Hochrechnungen. "Emmanuel Macron macht auch Deutschland Mut."

Die Wahlbeteiligung lag den Meinungsforschern Ifop-Fiducial und Harris Interactive zufolge bei rund 80 Prozent und damit so hoch wie im Jahr 2012. Die Wahl fand angesichts der Terrorgefahr unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Rund 50.000 Polizisten und Gendarmen sowie rund 7000 Soldaten waren im Einsatz.

Einen Kommentar zum Ausgang der ersten Runde der Frankreich-Wahl lesen Sie hier.

(csi)