Frankreich: 50 antimuslimische Vorfälle innerhalb von fünf Tagen

Innerhalb von fünf Tagen : 50 antimuslimische Vorfälle in Frankreich

Seit dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" hat es in Frankreich mehr als 50 antimuslimische Vorfälle gegeben. Davon seien 21 Angriffe wie Schüsse auf Moscheen gewesen. Die Sicherheitsvorkehrungen im Land sollen derweil deutlich verstärkt werden.

Dies teilte die Beobachtungsstelle für Islamfeindlichkeit des muslimischen Dachverbandes CFCM unter Berufung auf Zahlen des französischen Innenministeriums mit. Es habe zudem 33 "Bedrohungen", insbesondere Beleidigungen, gegeben. Bei den Zahlen sind demnach Paris und sein engerer Umkreis nicht eingerechnet.

CFCM-Präsident Abdallah Zekri zeigte sich schockiert über die Vielzahl der Angriffe, obwohl Vertreter der muslimischen Gemeinde am Sonntag beim großen Gedenkmarsch für die Opfer der islamistischen Anschlagsserie Seite an Seite mit den anderen Demonstranten auf die Straße gegangen seien.

Auch habe die muslimische Gemeinde "klar den Terrorismus verurteilt". Eine solch hohe Zahl von Angriffen binnen fünf Tagen habe es "noch nie gegeben". In den neun ersten Monaten des Jahres 2014 waren 110 antimuslimische Vorfälle in Frankreich gezählt worden, Angriffe und Drohungen zusammengenommen.

Zekri forderte eine verstärkte Überwachung der muslimischen Gebetshäuser sowie des Internets, um "Hass und Rache" Einhalt zu gebieten, die sich derzeit entwickeln würden. Selbst die Große Moschee in Paris habe keine spezielle Bewachung. Premierminister Manuel Valls hatte zuvor versichert, dass alles getan werde, um auch die muslimischen Einrichtungen zu schützen.

Anti-Terror-Kampf vorantreiben

Derweil verstärkte Frankreich mit einem Aufgebot von 10.000 Soldaten massiv die Sicherheitsvorkehrungen. Das kündigte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian an. Die Soldaten sollen an "sensiblen Punkten" postiert werden und vor allem jüdische Einrichtungen schützen. Einer der drei islamistischen Attentäter hatte am Freitag bei einer Geiselnahme vier Juden erschossen. Premierminister Manuel Valls kündigte schärfere Gesetze im Anti-Terror-Kampf an.

Zudem bleibt in Frankreich die höchste Terrorwarnstufe wegen der unverändert brisanten Sicherheitslage in Kraft. Zugleich kündigte Premierminister Valls neue Maßnahmen im Kampf gegen den Terrorismus an. Abhörmaßnahmen sollen verbessert, islamistische Häftlinge isoliert werden. Zwei der drei am Freitag in Frankreich getöteten Terroristen hatten während ihrer Haftzeit Kontakt zueinander aufnehmen können.

In Frankreich sucht die Polizei weiter nach Unterstützern der Terroristen. Es gebe "ohne Zweifel einen Komplizen", sagte Premier Valls. "Die Jagd geht weiter." Für diesen Dienstag kündigte Valls eine Trauerfeier für die drei bei den Anschlägen getöteten Polizisten an. Dazu wird auch Präsident François Hollande erwartet. Noch in dieser Woche soll eine Zeremonie zum Gedenken an alle Opfer im Invalidendom in Paris stattfinden.

(AFP, dpa)