François Hollande lenkt mit Kurswechsel von Affäre mit Julie Gayet ab

Französischer Präsident : Hollande lenkt mit Kurswechsel von Affäre ab

Frankreichs Präsident will das Land kurieren. Doch ausgerechnet jetzt belastet den 59-Jährigen eine Affäre. Auf einer Pressekonferenz verbat er sich Fragen zu seinem Privatleben – und kündigte für seine Agenda 2014 Einsparungen an.

Frankreichs Präsident will das Land kurieren. Doch ausgerechnet jetzt belastet den 59-Jährigen eine Affäre. Auf einer Pressekonferenz verbat er sich Fragen zu seinem Privatleben — und kündigte für seine Agenda 2014 Einsparungen an.

Ein prunkvoller Festsaal, ein Sprecherpult, ein Präsident und rund 600 Journalisten — selten war eine Pressekonferenz im Elysée-Palast mit so viel Spannung erwartet worden. Weniger wegen der guten Vorsätze und politischen Ziele, die François Hollande für das Jahr 2014 anzukündigen hatte, als wegen des alles beherrschenden Themas: die angebliche Affäre des französischen Staatschefs mit der Schauspielerin Julie Gayet.

Wer würde die unvermeidliche Frage zum Wahrheitsgehalt der jüngsten Enthüllungen zuerst stellen? Oder würde Hollande das leidige Thema gar selbst ansprechen? So wie es sein konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy einst getan hatte, bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz 2008 im selben Saal? "Mit Carla ist es ernst", hatte der damalige Präsident auf die Frage nach seiner Beziehung zu dem ehemaligen Topmodel Carla Bruni geantwortet und damit die bevorstehende Hochzeit angedeutet.

Sein sozialistischer Nachfolger Hollande, der einen "normalen" Präsidenten versprochen hatte, hätte sich die öffentliche Peinlichkeit gerne erspart. So mussten die Journalisten auch erst die langen Ausführungen des Staatschefs abwarten, bevor ein Medienvertreter sich endlich vorwagte: "Ist Valérie Trierweiler heute noch Frankreichs Première Dame?", erkundigte sich der Vorsitzende der Präsidentenpresse nach dem Status von Hollandes offizieller Noch-Lebensgefährtin, die sich nach einem "emotionalen Schock" derzeit im Krankenhaus befindet. Wer indes auf eine ausgiebige Klarstellung gehofft hatte, wurde enttäuscht.

Mit wenigen Worten schlug Hollande das Kapitel auch schnell wieder zu: Zwar räumte er "schwere Zeiten" in seiner Beziehung mit Trierweiler ein, wollte sich vorerst aber nicht weiter dazu äußern. "Ich habe ein Prinzip — dass Privatangelegenheiten auch privat behandelt werden." Er versprach, die Situation noch vor seiner für Februar geplanten Reise in die USA zu klären. Jetzt sei aber "weder der Ort noch der Moment, dies zu tun".

Stattdessen wandte sich der Staatschef rasch wieder der Wirtschaftspolitik zu und erläuterte seinen "Pakt der Verantwortung" für die Unternehmen, der auf dem Prinzip beruht: weniger Abgaben gegen mehr Einstellungen und mehr Dialog mit den Sozialpartnern. Um die lahmende Konjunktur wieder anzukurbeln, kündigte Hollande Entlastungen in Höhe von 30 Milliarden Euro für die Unternehmen an. Frankreich müsse "mehr und besser" produzieren, forderte er. Im Kampf gegen das nach wie vor hohe französische Haushaltsdefizit versprach Hollande, künftig stark bei den öffentlichen Ausgaben zu kürzen: Von 2015 bis 2017 stellte er Einsparungen von 50 Milliarden Euro in Aussicht. "Das gab es bislang noch nicht", sagte er. Es gehe aber nicht darum, blind zusammenzustreichen. Vielmehr seien Strukturreformen nötig.

Während die Arbeitgeber den Wandel begrüßen dürften, sorgt sich die französische Linke bereits um einen zu liberalen neuen Kurs des Präsidenten. Zwar scheute sich Hollande, das Wort offen auszusprechen, doch zeigen die zahlreichen Baustellen, dass sich der Sozialist nach langem Zögern doch für eine sozialdemokratische Linie entschieden hat.

Ob dem Staatschef damit wirklich ein Neustart gelingen wird, bleibt abzuwarten. Die Enthüllungen schwächen den ohnehin schon ungeliebten Präsidenten — und lassen zahlreiche Franzosen weiter an seinem gegebenen Wort zweifeln.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Julie Gayet

(RP)