Sozialist gewinnt Vorwahlen seiner Partei: Francois Hollande ist der Anti-Sarkozy

Sozialist gewinnt Vorwahlen seiner Partei : Francois Hollande ist der Anti-Sarkozy

Paris (RPO). Er gilt als der Ruhige, und doch setzen die französischen Sozialisten wieder alle Hoffnungen in ihn. Francois Hollande hat sich in den Vorwahlen seiner Partei gegen seine Konkurrentin Martine Aubry durchgesetzt – und tritt damit wohl gegen Frankreichs amtierenden Präsidenten an. Die Chancen dürften nicht allzu schlecht sein, denn Hollande verkörpert quasi den Anti-Sarkozy.

Paris (RPO). Er gilt als der Ruhige, und doch setzen die französischen Sozialisten wieder alle Hoffnungen in ihn. Francois Hollande hat sich in den Vorwahlen seiner Partei gegen seine Konkurrentin Martine Aubry durchgesetzt — und tritt damit wohl gegen Frankreichs amtierenden Präsidenten an. Die Chancen dürften nicht allzu schlecht sein, denn Hollande verkörpert quasi den Anti-Sarkozy.

Schon einmal war er ganz oben, elf Jahre stand er an der Spitze der Sozialisten. Nun soll Francois Hollande die Sozialisten erfolgreich in Frankreichs Präsidentschaftswahl führen — und möglichst den Sieg holen. In der Stichwahl gegen Aubry konnte er sich mit 56 Prozent durchsetzen. "Ich habe den Willen, die Linke zum Erfolg zu führen", zitiert ihn "Zeit Online" nach dem Sieg. Darauf werde er alle Kräfte und alle Energie verwenden.

Und die wird er brauchen, denn Frankreich steht vor den gleichen Problemen wie viele europäische Staaten. Erst gingen die Menschen wegen der Rentenreformpläne auf die Straße, nun sind sie genervt von Euro-Rettung und Banken-Krise. Dankbare Zeiten für eine Opposition. Und so sagte auch Hollande nach dem Sieg, er registriere, welche Sorgen um die Zukunft die Menschen umtrieben. Dazu zählten eben die Unruhen in der Finanzwelt, die Exzesse der Globalisierung und Unzulänglichkeiten Europas.

Ein Moderater vom Land

Hollande galt schon nach der ersten Runde der Vorwahlen als Favorit bei den Sozialisten. Doch vor Monaten hätte ihm wohl kaum einer eine Chance eingeräumt. Denn eigentlich sollte ein ganz anderer an seiner Stelle stehen: Dominique Strauss-Kahn, der wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung (die Klage wurde fallengelassen) nicht mehr antrat.

Und nun steht da also ein Mann an der Spitze der Sozialisten, der seine Machtbasis im ländlichen Corrèze hat und als volksnah gilt. Aber genau das scheinen die Franzosen zu wollen, denn die Art des derzeitigen Amtsinhabers Nicolas Sarkozy und die zahlreichen PR-Aktionen mit Gattin Carla Bruni kommen bei den Franzosen nicht mehr wirklich gut an.

Gerade einmal 30 Prozent würden ihn nach jüngsten Umfragen wählen. Sarkozy selbst hat seine Kandidatur zwar noch nicht offiziell ausgerufen, aber in Frankreich geht man davon aus, dass er noch einmal antritt. Dementsprechend betonte auch Hollande immer wieder, er wolle ein "normaler Präsident" werden.

Hollande selbst wird als Moderater gesehen, dem in seiner Wahlheimat auch so mancher Konservativer, der genug hat von Sarkozy hat, die Stimme geben könnte. Der 57-Jährige ist ein Fan des früheren Präsidenten Francois Mitterand. "Ihm habe ich meine politische Geburt zu verdanken", sagte er einmal über ihn. Verheiratet war er übrigens einst mit Ségolène Royal.

Seit 1979 Mitglied der Sozialisten

Der Vater von vier Kindern wurde 1954 als Sohn eines Arztes geboren, wie Zeit Online schreibt. Er studierte Politik und Jura und besuchte anschließend eine Elite-Hochschule. Mitglied der Parti Socialiste ist er seit 1979. Hollands Gegner nennen ihn einen Apparatschik, der sich vom Parteisprecher zum Vorsitzenden hochgearbeitet hat.

Auch sein Humor ist berühmt, gelegentlich wird er dafür verspottet. Gefürchtet aber sind seine Schlagfertigkeit und sein scharfer Verstand. In den Fernsehdebatten zu den sozialistischen Vorwahlen, so schreibt NZZ Online, habe der Jurist gezeigt, dass er Statistiken, Kennzahlen und Probleme seiner Landsleute recht gut kenne.

Gute Voraussetzungen also für die Präsidentschaftswahlen. Zumal die Probleme Frankreichs angesichts der europaweiten Krise nicht kleiner werden. Im Gegenteil: Gerade die französischen Banken waren in den vergangenen Wochen immer wieder ins Visier von Ratingagenturen und der Märkte geraten. Ob die Franzosen Hollande die besseren Rezepte zutrauen als Sarkozy, das wird sich im April kommenden Jahres zeigen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hollande gewinnt Vorwahlen der Sozialisten

(mit Agenturmaterial)
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