"Richtige Frauen sind bartlos": FPÖ-Jugend attackiert Conchita Wurst

"Richtige Frauen sind bartlos" : FPÖ-Jugend attackiert Conchita Wurst

"Lass dich nicht Linken - Echte Frauen sehen so aus" - Mit einer umstrittenen Kampagne warnt eine Landesgruppe der österreichischen Jugendpartei Ring Freiheitlicher Jugendlicher (RFJ) vor Prominenten wie Conchita Wurst und sorgt damit über die Landesgrenzen hinaus für Empörung.

Ausgerechnet eine nackte Frau, die ihre Brüste mit den Händen verdeckt und dabei unschuldig in die Kamera blickt, wirbt in einer Kampagne FPÖ-Jugendorganisation für ein gerechtes Frauenbild. "Frauen haben weder einen Bart, noch einen Penis", stellt die rechtsorientierte Partei in einem Slogan fest und will damit auf den "Gender-Wahnsinn" und auf das "neue, absurde Frauenbild" hinweisen.

Auslöser für die Kampagne war der Auftritt der Sängerin Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest. Die vollbärtige Travestie-Künstlerin Conchita Wurst gewann den Wettbewerb für Österreich - zum ersten Mal seit 1966. Zudem hatte ein Plakat des "Life Balls" in Wien, bei dem eine Frau mit Penis abgebildet war, unter den Parteimitgliedern für Entsetzen gesorgt. Der Life Ball ist Europas größte Charity-Veranstaltung zu Gunsten HIV-Infizierter und an Aids erkrankter Menschen und lockt jedes Jahr viele Prominente nach Wien.

Die Parteimitglieder der RFJ prangert diese Entwicklung an und unterstellt Prominenten wie Conchita Wurst, ein falsches Frauenbild zu vermitteln. "Wir sorgen uns um die Entwicklung der Gesellschaft. Was denken unsere Kinder, wenn Frauen Bärte tragen und mit einem Penis ausgestattet sind? Und was denken sich unsere Frauen und Mädchen? Müssen sie jetzt dem neuen, absurden, Weltbild entsprechen, um 'modern' zu sein?", fragt Landesobmann Werner Wassicek in einer Mitteilung.

Die Kampagne des RFJ Burgenland stellt die Linie der Partei laut eigenen Angaben ganz klar dar: "Frauen haben weder einen Bart, noch einen Penis! Frauen brauchen kein Binnen-I. Frauen brauchen keine Quoten.". Foto: RFJ Burgendland

Shitstorm auf Facebook

Auf Facebook löste die Kampagne eine heftige Diskussion aus. "Ich brauche keinen Bart um erfolgreich zu sein - Nein, du musst nur nackt sein. Das ist mal ne politische Message. Hut ab", schreibt ein Nutzer unter die Bilder der Kampagne. Vor allem die Wahl einer nackten Frau als Kampagnenmotiv bringt der Partei die Häme der Facebook-User ein: "Was wir Frauen in der Hose oder im Gesicht tragen, geht Euch nichts an. Und das Sujet zeigt mehr als deutlich, welche Meinung Ihr von Frauen an sich habt. Oder wie wär's mit einer Frau in Führungsposition bei Euch, statt in Verführungspose?"

Die Kritik an der Künstlerin Conchita Wurst ist in dem sozialen Netzwerk ebenso Thema: "Den Erfolg einer "Frau mit Bart" für einen saudummen Slogan nutzen und diese aber gleichzeitig diskriminieren!? Armutszeugnis hoch zehn", oder: "Nur weil Conchita als Kunstfigur eine Frau mit Bart darstellt und von einem Mann dargestellt wird, der gern Kleider trägt, bedeutet das ja noch lange nicht, dass jeder Mensch das jetzt genauso macht."

Landesobmann Werner Wassicek kontert: "Die künstlerische Freiheit ist eine Sache, dennoch treten wir vehement gegen diese absurden Entwicklungen an." Wassieck will die österreichische Jugend aufklären und kündigte trotz aller Kritik weitere Aktionen an. "Wir werden dafür sorgen, dass das echte Frauenbild wieder akzeptiert wird, und die heutigen Frauen nicht traurig darüber sein müssen, dass ihnen kein Bart wächst und sie keinen Penis haben.

Was Dragqueen Conchita Wurst von den Plakaten hält, ist nicht bekannt. Sie kommentiere die RFJ-Kampagne nicht, ließ ihr Sprecher ausrichten.

(apd)
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