Folgt Oprah Winfrey auf Donald Trump?

Spekulationen um US-Superstar: Oprah Winfrey weckt Hoffnung bei Trumps Gegnern

Golden Globes 2018: Oprah Winfrey mit kämpferischer Dankesrede

Oprah Winfrey wird im linksliberalen Amerika als potenzielle Nachfolgerin von Donald Trump gehandelt. Der hat den Beweis erbracht, dass auch ein Fernsehstar an die Spitze des Staates rücken an. Die 63-Jährige weckt Hoffnungen.

Oprah 2020? Ist es wirklich denkbar, dass sich Oprah Winfrey in zwei Jahren um die Präsidentschaft bewirbt? Oder hat ihr Lebenspartner Stedman Graham nur gesagt, was man so sagt, wenn einen der Hype überrascht und man andererseits keine Tür zu früh zuschlagen mag. Das hänge von den Leuten ab, "sie würde es auf jeden Fall machen", antwortete Graham auf die Oprah-2020-Frage und ließ die Spekulationen erst recht ins Kraut schießen.

Eine Milliardärin mit eigenem TV-Kanal

Oprah Winfrey, Talkshow-Moderatorin, Schauspielerin, Milliardärin mit eigenem Fernsehkanal, hat bei den Golden Globes in Hollywood eine Rede gehalten, die Fantasien beflügelt. Voller Leidenschaft sprach sie von den Frauen, denen man weder zuhörte noch glaubte, wenn sie die Wahrheit über "brutal mächtige" Männer aussprachen, über Männer, deren Zeit nun vorbei sei. Ihre Wortgewalt, die Perfektion der Vorstellung, das alles ließ an Barack Obama denken. Kaum hatte sie die Bühne verlassen, meldeten sich auch schon die ersten Fans zu Wort, um schwärmerisch zu verkünden, dass sie soeben eine vorgezogene Bewerbungsrede gehört hatten. Oprahs Ouvertüre für 2020. "Ich will, dass sie antritt, um Präsidentin zu werden", kam als Kommentar von Meryl Streep. "Vielleicht war es nicht ihre Absicht, aber jetzt hat sie gar keine andere Wahl."

Ein Auftritt genügt

Dass heutzutage ein einziger Auftritt genügt, um aus einer Talkmasterin ein politisches Phänomen werden zu lassen, hat zweifellos mit Donald Trump zu tun. Auch der war seinen Landsleuten am ehesten als Fernsehstar in Erinnerung, als Star der Reality-Show "The Apprentice" - und weniger als Unternehmer, als er seinen Hut in den Ring warf. Der Mann, der den Beweis erbrachte, dass es auch ein Entertainer an die Staatsspitze schaffen kann. Sogar auf Anhieb. Es war eine Premiere, einmal abgesehen davon, dass seinerzeit auch der Ex-Schauspieler Ronald Reagan in die Schublade "Entertainer" sortiert wurde, obwohl er bereits als Gouverneur Kaliforniens gedient hatte, bevor ihm der Sprung ins Oval Office gelang. Mit Trump 2016 wurden Hindernisse beiseite geräumt, die nun auch Oprah Winfrey nicht im Weg stehen.

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Was beide verbindet, ist ein traumhafter Wiedererkennungswert. Trump war und ist für viele nur "The Donald". Bei einer Kandidatin Winfrey wäre es ähnlich: Es genügte, ihren Vornamen auf Plakate zu drucken, Verwechslungen wären ausgeschlossen. Die Frage ist nur, ob sich die Wähler ein zweites Mal auf das Wagnis einlassen wollen, einen Berufsanfänger der Politik ins Weiße Haus zu delegieren.

Wollen die Amerikaner noch einen Promi?

David Axelrod, einst Berater des Senkrechtstarters Obama, hat sie in aller Höflichkeit gestellt: Man werde sehen, ob dem Souverän nach Trump der Sinn nicht doch danach stehe, jemandem mit einem Mindestmaß an Regierungserfahrung den Zuschlag zu geben. Anders als der Egomane Trump, meint wiederum Nancy Pelosi, die Nummer eins der Demokraten im Repräsentantenhaus, kenne Frau Winfrey um ihre Grenzen. Sie wisse, was sie nicht wisse, weshalb sie Experten von Rang um sich scharen würde. "Außerdem hat sie Bücher gelesen." Donald Trump hingegen teilte mit, dass er eine Kandidatur von Winfrey nicht fürchte. Er könne sie besiegen. "Oprah wäre ein großer Spaß. Ich kenne sie sehr gut. Ich mag Oprah", sagte Trump.

Was die 63-jährige Afroamerikanerin allerdings am markantesten vom Präsidenten unterscheidet, ist ihre Biografie. Oprah G. Winfrey ist tatsächlich eine Selfmade-Milliardärin wie aus dem Märchenbuch über den amerikanischen Traum, während Donald J. Trump Millionen von seinem Vater erbte. Geboren wurde sie in Mississippi, dem rassistischsten aller Bundesstaaten. Als sie vier ist, zieht ihre allein erziehende Mutter ohne sie nach Milwaukee, wo es Jobs gibt und keine Diskriminierung. Oprah bleibt bei der Oma, die sie oft verprügelt.

Später folgt sie ihrer Mutter, rennt von zu Hause weg und lebt auf der Straße, bevor sie zu ihrem Vater nach Nashville geht. Mit 14 wird sie schwanger. Das Baby, eine Frühgeburt, stirbt kurz nach der Entbindung. Nach dem Studium moderiert sie im Radio, wechselt zum Frühstücksfernsehen, irgendwann folgt in Chicago die Oprah-Winfrey-Show, eine Sendung, in der sie an eine Seelsorgerin denken lässt, während Prominente auf ihrem Sofa sitzen, als wäre es ein Beichtstuhl. Ihren Anhängern reicht die Vita als Empfehlung fürs Oval Office. Eine Frau, die das Leben in all seinen Facetten kennt: Oprah 2020!

(RP)