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Fleur Pellerin — eine Kulturministerin liest keine Bücher

Aufregung in Frankreich : Fleur Pellerin — eine Kulturministerin liest keine Bücher

Seit August dieses Jahres ist Fleur Pellerin französische Kulturministerin. Doch Bücher liest sie nicht mehr, wie nun durch ein Interview herauskam. Dafür erntete die Politikerin in Frankreich einiges an Kritik und Spott. Es gibt aber auch Stimmen, die sie in Schutz nehmen.

Der Fauxpas passierte in einem Interview mit dem französischen Sender Canal+. Denn dort plauderte die französische Kultusministerin über ihr jüngstes Treffen mit dem Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano. Es sei ein wunderbares Essen gewesen, die beiden hätten viel gelacht, schwärmte Pellerin. Doch mit der darauffolgenden Frage der Journalistin hatte die Politikerin wohl nicht gerechnet. Denn diese wollte wissen, welches denn ihr Lieblingsbuch von Modiano gewesen sei.

Pellerin druckste herum, konnte keine wirkliche Antwort geben, bis sie sich dazu entschied, einfach die Wahrheit zu sagen. "Ich gebe ohne Probleme zu, dass ich in den vergangenen zwei Jahren keine Zeit hatte zu lesen", sagte die Ministerin, fügte aber hinzu: "Ich lese viele Schriften und Gesetzestexte. Ich lese viele Nachrichten, aber sehr wenig zum Vergnügen."

Es war eine ehrliche Antwort, die ihr allerdings sowohl in der französischen Presse als auch in den sozialen Netzwerken manche Kritik einbrachte. Eine Kulturministerin, die keine Bücher liest? Claude Askolovitch, Journalist der französischen "Huffington Post", etwa nannte dies "barbarisch". Und der Schriftsteller Christian Combaz verfasste einen offenen Brief an die Ministerin, den der "Figaro" veröffentlichte. Darin fragt er etwa, worüber sie sich denn mit Modiano unterhalten habe, wenn sie nichts von ihm gelesen habe.

Doch andere nahmen die Ministerin auch in Schutz. So titelte die Zeitung "Le Point": "Fleur Pellerin hat Modiano nicht gelesen. Na und?" Schließlich sei klar, dass sie als Politikerin kaum noch Zeit habe, Romane zu lesen. Und schließlich, so schreiben sowohl "Le Point" als auch "Le Figaro", sei die Antwort von Fleur Pellerin doch zumindest besser gewesen, als wenn sie gelogen hätte.

(das)