Farideh Moradchani in Haft Nichte von Ajatollah Chamenei nennt Irans Führung „mörderisch“

Teheran · Die Nichte des geistlichen Oberhaupts des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, ist festgenommen worden. Farideh Moradchani hat massiv Kritik an der Führung in Teheran geäußert. In einem Video, das ihr Bruder bei Youtube teilte, bezeichnete sie die iranische Führung als „mörderisches und Kinder tötendes Regime“.

Der iranische Oberste Führer, Ayatollah Ali Chamenei (Archivbild).

Der iranische Oberste Führer, Ayatollah Ali Chamenei (Archivbild).

Foto: dpa/---

Die Nichte des iranischen geistlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei fordert die internationale Isolierung der Islamischen Republik. Alle Beziehungen zur Regierung in Teheran müssten abgebrochen werden, erklärte die Menschenrechtsaktivistin in einer am Wochenende bekannt gewordenen Video-Botschaft.

In ihrem jüngsten Video kritisiert Farideh Moradchani auch eine mangelnde internationale Reaktion auf die Niederschlagung der derzeitigen Proteste im Iran. Die gegen Teheran verhängten Sanktionen nannte sie „lächerlich“ und beklagte, die Iraner würden in ihrem Kampf für Freiheit „alleine“ gelassen.

Die Verwandte des mächtigsten Mannes im Iran begründete ihren Aufruf mit dem gewaltsamen Vorgehen von Sicherheitskräften gegen Demonstranten. Farideh Moradchani, deren Vater mit der Schwester von Chamenei verheiratet war, wurde am 23. November verhaftet. Sie ist die Tochter von Chameneis Schwester Badri, die sich in den 80er Jahren mit ihrer Familie überwarf und in den Irak floh. Ihre Tochter, die sich einen Namen als Gegnerin der Todesstrafe gemacht hat, saß bereits mehrfach im Iran im Gefängnis.

Nach Angaben der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation Hrana wurde das Video im Internet weit verbreitet. Dort appelliert sie an „freie Menschen“: „Seid mit uns und sagt euren Regierungen, dass sie dieses mörderische und kindermordende Regime nicht länger unterstützen sollen.“ Nach Angaben von Hrana sitzt Moradchani im Teheraner Evin-Sicherheitsgefängnis ein. Vom Büro Chameneis war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Am Samstag hatte das geistliche Oberhaupt den Einsatz der Basidsch-Miliz bei den Protesten gewürdigt und die Demonstranten als Randalierer bezeichnet. Nach Hrana-Angaben sind in den seit über zwei Monaten anhaltenden Unruhen bis zum vergangenen Samstag 450 Demonstranten getötet worden, darunter 63 Minderjährige. Außerdem seien 18.173 Demonstranten festgenommen worden.

Entzündet hatten sich die Proteste im Iran am Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Die Kurdin war am 16. September in Polizeigewahrsam gestorben. Die sogenannte Sittenpolizei hatte sie festgenommen, weil sie unangemessen gekleidet gewesen sein soll. Inzwischen haben sich die Proteste zur größten Herausforderungen für die geistliche Führung seit der Islamischen Revolution 1979 ausgewachsen.

Schauspielerinnen wie Meret Becker, Iris Berben und Katja Riemann wollen am Montagabend (28. November 2022, 20 Uhr) im Berliner Ensemble Solidarität mit den Protesten im Iran zeigen. Die Veranstaltung „Frau Leben Freiheit“ sei eine Initiative der deutsch-iranischen Schauspielerinnen Melika Foroutan, Sarah Sandeh und Jasmin Tabatabai, teilte das Theater mit. Becker, Berben und Riemann etwa wollen Texte aus dem und über den Iran aus verschiedenen Epochen vorlesen. Dazu gebe es ein Bühnengespräch und Musik. Der Erlös des ausverkauften Abends kommt nach Angaben des Theaters zwei Hilfsorganisationen zugute.

(felt/Reuters)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort