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Fall Nawalny: Russland fordert von Deutschland Informationen ein

Fall Nawalny : Russland fordert von Deutschland Informationen ein

Russland hat Deutschland einen „unkonstruktiven Ansatz“ bei der Aufklärung des Giftanschlags auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny vorgeworfen. Internationale Kritik wies das Außenministerium vehement zurück.

Russland hat Deutschland einen „unkonstruktiven Ansatz“ bei der Aufklärung des Giftanschlags auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny vorgeworfen. Russland forderte die Bundesregierung auf, die medizinischen Befunde nach Moskau zu übermitteln. Andernfalls seien Ermittlungen in dem Fall nicht möglich, erklärte das Außenministerium in Moskau am Mittwoch. Die russische Regierung wolle einen intensiven Dialog mit den deutschen Kollegen, erklärte das Außenministerium am Mittwoch in Moskau. „Leider bremst die deutsche Seite diesen Prozess.“ Am Mittwoch wird der deutsche Botschafter Géza Andreas von Geyr im russischen Außenministerium zu einem Gespräch erwartet. Zugleich wies das Ministerium internationale Kritik vehement zurück.

Nawalny, einer der schärfsten Gegner von Kremlchef Wladimir Putin, wurde am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland bewusstlos. Auf Drängen seiner Familie wurde er nach einer Erstbehandlung in Sibirien nach Berlin in die Charité verlegt. Die Bundesregierung sieht es nach Untersuchungen in einem Spezial-Labor der Bundeswehr als erwiesen an, dass er mit einem militärischen Nervengift vergiftet wurde. Unterstützer Nawalnys vermuten Moskau hinter der Tat. Nach mehr als zwei Wochen Koma ist der 44-Jährige inzwischen wieder bei Bewusstsein.

Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat in dem Fall ein Rechtshilfegesuch in Deutschland gestellt. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte in der ARD angekündigt, die deutsche Seite werde zustimmen. Das russische Außenministerium erklärte nun, es gebe grundlose Angriffe auf Russland und eine massive „Desinformationskampagne“. „Die Hysterie in diesem Fall nimmt nur zu.“ Im Vordergrund stehe nicht Aufklärung und Sorge um Nawalnys Gesundheit, sondern Stimmungsmache für Sanktionen.

Zuvor hatten die G7-Staaten von Russland eine Aufklärung des „abscheulichen Giftanschlags“ verlangt. Russland müsse „volle Transparenz schaffen, wer verantwortlich ist“. Jede Nutzung chemischer Waffen sei „inakzeptabel“, betonten die Minister. Gleichzeitig gibt es eine Diskussion um einen Baustopp für das Pipeline-Projekt Nord Stream 2.

(lha/dpa/afp/Reuters)