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Fall Khashoggi: Ermittler finden PC in saudischem Diplomatenfahrzeug - G7 fordert Aufklärung

Ermordeter Journalist : Ermittler finden Khashoggis PC in saudischem Diplomatenfahrzeug

Während der Westen Saudi-Arabien zu Aufklärung im Fall Khashoggi aufgefordert hat, haben türkische Ermittler bei der Durchsuchung eines saudischen Diplomatenautos persönliche Gegenstände des Toten gefunden. Berichte über Leichenfunde weisen sie indes zurück.

In zwei Koffern in einem Fahrzeug des saudiarabischen Konsulats seien unter anderem ein Computer und Dokumente des getöteten Journalisten Jamal Khashoggis verstaut gewesen, berichtete der Sender CNN Turk am Dienstag. Die türkischen Ermittler wurden bei der Durchsuchung auf einem Parkplatz im Stadtteil Sultangazi von saudiarabischen Experten begleitet, wie ein Reuters-Reporter berichtet. Die Durchsuchung wurde CNN Turk zufolge am Nachmittag unterbrochen und sollte am Mittwoch fortgesetzt werden.

Zudem haben die Ermittler haben einer regierungsnahen Zeitung zufolge Berichte über einen Fund von Leichenteilen zurückgewiesen. Meldungen über einen Fund von Leichenteilen im Garten des Konsulats in Istanbul seien unwahr, berichtete die Zeitung "Sabah" am Dienstag unter Berufung auf die Istanbuler Polizei. Zuvor waren mehrere Medienberichte über einen Leichenfund kursiert. Die Agentur Sputnik berichtete etwa unter Berufung auf den Politiker Dogu Perincek, dass Leichenteile im Garten des Konsulats gefunden worden sei. Perincek hatte demnach keine Quelle angegeben.

Perincek ist Chef der kleinen Oppositionspartei "Vatan". Er soll laut Sputnik auch angekündigt haben, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Leichenfund in seiner Rede verkünden wolle. Erdogan hatte in seiner mit Spannung erwarteten Rede zu Khashoggi jedoch gesagt, dass dessen Leiche noch nicht gefunden worden sei. Auch Skynews hatte über einen Fund von Leichenteilen berichtet. Nach einer anonymen Quelle des Senders wurden sie allerdings im Garten der Residenz des Konsuls gefunden.

Im Zuge der Suche nach Spuren haben die Ermittler auch eine Villa in der Nähe von Istanbul durchsucht. 40 Polizisten seien am Dienstag zwei Stunden lang in dem dreistöckigen Haus in der Yalova-Provinz gewesen, berichtete die Zeitung "Hürriyet". Demnach soll das Gebäude einem Mitglied des 15-köpfigen Spezialkommandos gehören, das Khashoggi getötet haben soll.

Lokalen Medien zufolge sei ein Kleinbus mit Mitgliedern des angeblichen Mörderteams am Tag von Khashoggis Verschwinden vor drei Wochen in der Gegend gesichtet worden, berichtete "Hürriyet". Der Bezirk ist wegen seiner schönen Natur und bekannten Wellness-Zentren beliebt unter arabischen Touristen.

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Derweil haben die Außenminister der G7-Staaten haben Saudi-Arabien gemeinsam zu weiterer Aufklärung im Fall Khashoggi aufgefordert. Die bislang von Riad gebotenen Erklärungen ließen "noch viele Fragen unbeantwortet", hieß es in der am Dienstag vom Auswärtigen Amt veröffentlichten Erklärung von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und seinen Kollegen aus der G7-Gruppe.

Saudi-Arabien müsse eine "glaubwürdige, transparente und zügige Untersuchung" ermöglichen und zulassen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden, forderten die Minister. Dass Saudi-Arabien den Tod Khashoggis eingeräumt habe, sei "ein erster Schritt in Richtung vollständiger Transparenz und Rechenschaft". Dies reiche aber noch nicht aus.

Die Außenminister bekräftigten die Erwartung, dass das Königreich "uneingeschränkt" mit der Türkei bei der Klärung des Falls zusammenarbeite. Zudem müsse das Land "Vorkehrungen treffen, damit sichergestellt ist, dass so etwas nie wieder geschehen kann".

Der G7-Gruppe der großen westlichen Industriestaaten gehören neben Deutschland noch Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und die USA an.

Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Saudi-Arabiens Staatsführung vorgeworfen, den regierungskritischen Journalisten ermordet zu haben. Auch zahlreiche europäische Regierungen haben die bisherige Erklärung des Königshauses in Riad als unzureichend erklärt, Khashoggi sei bei einer Auseinandersetzung im Konsulat versehentlich getötet worden. Khashoggi hatte die diplomatische Vertretung am 2. Oktober aufgesucht, um Unterlagen für seine bevorstehende Hochzeit abzuholen.

(felt/dpa/Reuters/AFP)