Fall Jamal Khashoggi: Saudi-Arabiens Außenminister verspricht die „Wahrheit"

Fall Khashoggi: Saudi-Arabiens Außenminister verspricht die „Wahrheit“

Saudi-Arabien reagiert auf den internationalen Druck im Fall Khashoggi. Außenminister Adel al-Dschubair kündigt Konsequenzen an - damit „so etwas niemals wieder passieren kann“.

Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Dschubeir kündigt umfassende Ermittlungen im Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi an. Seine Regierung werde Konsequenzen daraus ziehen und „sicherstellen, dass so etwas nie wieder passieren kann", sagte al-Dschubeir am Dienstag bei einem Besuch in Jakarta. Saudi-Arabien werde außerdem dafür sorgen, dass bei einer „gründlichen und vollständigen“ Untersuchung die „Wahrheit“ herauskomme, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Saudi-Arabien hatte unter internationalem Druck am Samstag eingeräumt, dass Khashoggi am 2. Oktober im saudiarabischen Konsulat in Istanbul bei einer „Schlägerei" getötet worden sei. Weltweit stößt diese Darstellung jedoch auf Skepsis. Zuvor hatte Riad wochenlang versichert, dass Khashoggi das Konsulat lebend verlassen habe.

Am Dienstagvormittag will Erdogan sich zu dem Fall äußern und bei einer Rede vor der Fraktion der Regierungspartei AKP im türkischen Parlament „die nackte Wahrheit" enthüllen. Ankara hat bisher unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen direkte Schuldzuweisungen vermieden. Türkische Medien veröffentlichen jedoch laufend neue Details zu den Polizeiermittlungen, die Saudi-Arabiens Kronprinzen Mohammed bin Salman belasten.

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Überschattet von dem Fall begann in der saudischen Hauptstadt Riad eines der größten Wirtschaftstreffen der Welt. Mit der internationalen Investorenkonferenz möchte das Königreich den groß angelegten Umbau seiner stark vom Öl abhängigen Wirtschaft vorantreiben und um Geldgeber werben.

Die Moderatorin der ersten Diskussionsrunde, die einflussreiche saudische Unternehmerin Lubna Olayan, verurteilte den Tod Khashoggis: „Die schrecklichen Taten, über die in den vergangenen Wochen berichtet wurde, sind unserer Kultur und unserer DNA fremd.“ Unter den Teilnehmer soll auch der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman sein, der starke Mann des islamisch-konservativen Königreichs. Nach saudischen Angaben haben sich mehr als 3000 Teilnehmer angemeldet. Wegen der Affäre um Khashoggi hatten im Vorfeld jedoch etliche hochrangige Vertreter abgesagt. Dazu zählen US-Finanzminister Steven Mnuchin und die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. Auch Siemens-Chef Joe Kaeser, der Chef der Großbank HSBC, John Flint, die Vorstandschefs des Unterhaltungskonzern Viacom und des Fahrdienstleisters Uber sowie der britische Großinvestor Richard Branson werden dem dreitägigen Treffen fernbleiben.

Das Königreich will seine Wirtschaft in den kommenden Jahren vom Öl unabhängiger machen. Dazu plant es unter anderem einige Großprojekte. Im vergangenen Jahr hatte Mohammed bin Salman bei dem Treffen den Bau der futuristischen Megastadt „Neom“ am Roten Meer vorgestellt. Die Konferenz ist international auch als „Davos der Wüste“ bekannt, in Anlehnung an das alljährliche Weltwirtschaftsforum in der Schweiz.

(wer/AP/dpa/AFP)
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